Döringstadt
Halloween

Eine schön schaurige Bastelstunde

Die "Turmfalken", die Jugendgruppe der Döringstadter Blumen- und Gartenfreunde, machten aus Kürbissen gruselige Laternen. Teelichter brachten diese dann zum Funkeln und warfen unheimliche Schatten an die Wand.
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Schön gruselig: Beim "Kürbisfest" in Döringstadt hatten viele Kinder sichtlich Spaß am Werkeln mit einem Kürbis, am Löffeln einer Kürbissuppe und am Lauschen von Gruselgeschichten. Fotos: Philipp Fischer
Schön gruselig: Beim "Kürbisfest" in Döringstadt hatten viele Kinder sichtlich Spaß am Werkeln mit einem Kürbis, am Löffeln einer Kürbissuppe und am Lauschen von Gruselgeschichten. Fotos: Philipp Fischer
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"Ein stumpfes Taschenmesser, ein normales spitzes Messer, einen Löffel und ‘nen Kürbis." Marius legt alles vor sich auf den Tisch. Kevin und Lorenz haben sich schon bunte Permanent-Marker geschnappt und kritzeln ihrem faustgroßen Kürbis eine Grimasse auf. Heike Sommer und Nadine Tremel freuen sich über die vielen Döringstadter und Gäste, die sich im Feuerwehr-Schulungsraum tummeln. Am Montagnachmittag hatten die "Turmfalken", die Jugendgruppe der Döringstadter Blumen- und Gartenfreunde, zu einem "Kürbisfest" eingeladen.
"Das passt zur Jahreszeit und ist unsere einzige Aktion im Herbst", erklärt Nadine. Um sie herum schneiden und schnitzen Kinder. "Zuerst haben wir Linien für den Deckel, Augen, Nase und Mund angezeichnet, dann aufgeschnitten und ausgeschnitten", erklärt Lorenz. Fußballgroß ist der grellgelbe Kürbis des Siebenjährigen.
Dann "köpfen" Mama, Bruder Xaver und er die Frucht und rücken mit Löffel und Händen ans Fruchtfleisch: "Das muss raus, weil ein Teelicht rein soll, damit er leuchten kann. Wir stellen den vor die Haustür."
Auch Lukas werkelt schon fast eine halbe Stunde. "Das Aushöhlen ist schwer", schnauft der Elfjährige. "Eigentlich ist das Fruchtfleisch fest. Aber bei mir war's ein bisschen locker. Es war matschig und eine Sauerei."
Simon ist schon etwas weiter. Er hat sich einen kleinen ovalen Kürbis geschnappt und ihn mit einem Apfelkerngehäuse-Ausstecher durchlöchert: "Ich hab‘ mehr Löcher rein gemacht, damit es mehr leuchtet", erklärt der Neunjährige. "Die Augen und Zähne waren das Schwierigste. Man muss aufpassen, dass die Zacken nicht abbrechen."
Einen Trick verrät der Neunjährige Louis: "Ich habe extra Zähne und Augäpfel geschnitten. Die will ich mit Zahnstochern festmachen." Sowieso war Louis mit Moritz spitzfindig: Um Löcher in einen kleinen Kürbis zu bekommen, rückten sie mit der Bohrmaschine an.

Freches Monsterkaninchen

Kevin hat keine solchen Probleme. Er hockt im "Künstler eck" zwischen Nina, Carina und Laura und malt mit Lila, Rot, Schwarz und Silber auf seinen kleinen, länglichen Zierkürbis. "Das ist ein Monsterkaninchen mit spitzen Augen, spitzer Nase und einem frechen Lächeln." Obendrauf hat er Efeu, eine kleine Filzsonnenblume und eine Schleife gebunden. Nun trägt er sein Kunstwerk zum Tisch mit allen fertigen Kürbissen.
Langsam dämmert es. Nadine und Heike zünden Teelichter an, damit die schaurigen Fratzen funkeln. Derweil hat Simone Zellmann einen riesigen Topf Kürbissuppe gekocht. Danach wissen alle: Die schmeckt nicht nur lecker. Der Kürbis ist auch eine Vitaminbombe in Orangerot. Diese Farbe erhält er durch das viele Beta-Carotin, weiß Heike Sommer. Außerdem ist im Kürbisfleisch, neben wichtigen Ballaststoffen, die die Verdauung regeln, das lebenswichtige Mineral Kalium, das im Flüssigkeitshaushalt im Körper eine Rolle spielt. Und es ist reichlich Vitamin C enthalten. Das unterstützt das Immunsystem und schützt gerade in der kalten Jahreszeit vor Infektionskrankheiten. Gut, dass diese ganzen Innereien aus den Kürbissen gelöffelt wurden.
Unzählige Kürbis-Laternen brennen nun. So flackert im dunklen Raum ein fahler Lichtschein, der schaurige Schemen an die Wand wirft. Mucksmäuschenstill und schon ein bisschen gruselig ist es, als Heike eine Gespenstergeschichte vorliest.

Halloween und Allerheiligen: Süßes oder Saures?

Brauch Am Vorabend von Allerheiligen ("All Hallows‘ Eve") klingeln Kinder in bunten Verkleidungen an den Türen: Süßigkeiten möchten sie - sonst spielen sie Streiche...

Ursprung Was sich wie sinnfreier Schabernack anhört, hat mystische Wurzeln. Das Brauchtum zum Abend vom 31. Oktober auf den 1. November war zunächst vor allem im katholischen Irland verbreitet: Um sich an ihre Heimat zu erinnern, pflegten irische Einwanderer in den USA ihre Bräuche und bauten sie aus. Im irischen Brauch wurden Kartoffeln oder Rüben ausgehöhlt, in den USA gab es Kürbisse. Um böse Geister abzuschrecken, werden Fratzen in den Kürbis geschnitten. Der Bezug von Halloween zum Totenreich rührt vom Fest Allerheiligen, an dem aller bekannten und unbekannten Heiligen gedacht wird, sowie Allerseelen, an dem Katholiken ihrer Verstorbenen gedenken.

Kritik Die steigende Beliebtheit von Halloween rief Kritik hervor. Viele klagen, dass Bräuche wie das Martini-Singen am 10. bzw. 11. November verdrängt werden, oder Vandalismus durch Häuserschmierereien zunehme. Zudem zählt das Hochfest Allerheiligen in einigen Bundesländern zu den "stillen Tagen". An diesen sind öffentliche Unterhaltungsveranstaltungen verboten, die nicht dem ernsten Charakter jener Tage entsprechen. Protestanten bedauern das Zusammentreffen mit dem Reformationstag. So versuchen beide Konfessionen, das gerade bei Jugendlichen große Bedürfnis nach Halloween anzusprechen, und dabei die kirchlichen Feiertage einzubeziehen und wiederzubeleben.
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