Lichtenfels
Strafprozess

Eine betrügerische Familie aus dem Landkreis steht vor Gericht

Der Vater soll Waren von seinem Arbeitsplatz mitgenommen haben, die dessen Frau und Sohn übers Internet verkauft haben. Die Schadenshöhe konnte jedoch vor Gericht nicht geklärt werden. Deswegen gibt es einen Fortsetzungstermin.
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Eine lange Sitzreihe an Verfahrensbeteiligten befand sich am Mittwochmorgen vor Richter Christoph Lehmann und Staatsanwältin Michaela Heublein. Eine gleichfalls lange Reihe an Vorwürfen galt es zu verhandeln. Denn in Hunderten Fällen ereigneten sich Diebstähle, mehrfache Hehlereien und Betrug - begangen von einer Familie aus dem östlichen Landkreis.

Vater, Mutter, Kind - im Falle der drei Angeklagten ging das Spiel laut Staatsanwaltschaft so: Von dem, was der heute 51-jährige Vater als Lagerist eines Versandhauses stahl, behielt seine 43-jährige Frau einen Teil für sich und der gemeinsame 23-jährige Sohn half dem Vater dabei, manche Waren über das Internet ahnungslosen Käufern anzubieten. Diebstahl, Betrug und Hehlerei, begangen ab September 2010 für die Dauer von drei Jahren.


Artikel stammten aus Retourpaketen, auch Waffen waren darunter

426 Artikel soll der Vater auf seiner Arbeitsstelle aus Retourpaketen entnommen und durch die hauseigenen Kontrollen gebracht haben, unter anderem auch Schusswaffen, für deren Besitz und Handhabung er selbst keine Erlaubnis hatte. Der ermittelte Entwendungsschaden wurde mit über 62 000 Euro beziffert, der betrügerische Handel im Internet mit über 7000 Euro. Die Ehefrau hingegen soll Waren im Wert von über 1200 Euro für sich behalten haben. Vor allem Ohrringe, Uhren und Halsketten hatten es ihr angetan.

Nicht immer gehen Verfahren mit Familienbeteiligten so glatt wie am Mittwochmorgen. Das liegt am Aussageverweigerungsrecht, welches gegenüber nahen Angehörigen besteht. In diesem Fall aber signalisierten alle Beteiligten, wahrheitsgemäß auszusagen. "Ja, alles richtig, ... 100 Prozent", so der Vater. Jedoch nannte er einen anderen zeitlichen Rahmen für seine Taten. Erst 2011 wollte er mit seinen Diebstählen begonnen haben. Ein Motiv nannte er zunächst nicht, bald räumte er aber ein, in der Absicht gehandelt zu haben, die Waren im Internet zu verkaufen.

Der Wahrheit auf die Sprünge helfen

Bei aller Aussagewilligkeit mussten Lehmann und Heublein der Wahrheit dennoch auf die Sprünge helfen. Zwar sagte der Angeklagte auch gegen seine Frau aus, dass diese in 22 Fällen Artikel für sich behalten habe, aber seinen Sohn versuchte er zu schonen. Insbesondere bei der Frage, weshalb auch der Internet-Account des Sohnes für den Verkauf von Artikeln genutzt wurde, kam der Vater gedanklich ins Stottern. Vier verschiedene Versionen legte er vor, bis Richter Lehmann die Geduld verlor und fragte, ob es nicht sein könne, dass der Account des Sohnes darum genutzt wurde, "weil er doch (mit)verkauft hat". Auch die Staatsanwältin schaltete sich an dieser Stelle mit der Frage ein, warum beim Sohn Belegzettel über die Diebstähle gefunden wurden. Die Antwort gab der Sohn, ein blasser und für sein Alter ungewöhnlich jungenhaft aussehender Mann selbst. Aber sie war nicht schlüssig und kaum entlastend: "Ich hab's mir denken können, aber ich wollte es nicht wahrhaben."
Seine Mutter zeichnete ein gleichfalls naives Bild von sich, wollte sie die bei ihr gefundenen Uhren und Schmuckstücke als Geschenke ihres Mannes verstanden haben, von Diebstahl habe sie nichts gewusst. "Sie leben in wirtschaftlich angespannten Verhältnissen und Sie erhalten Schmuck im Wert von 2000 Euro - was soll ich davon halten?", so Lehmann leicht entnervt an die Frau gerichtet.

Urteile sollen am 10. Februar gesprochen werden

Im Verlaufe der Verhandlung sollte sie sich geständiger zeigen. Aber bei allem Entgegenkommen der Angeklagten gab es doch ein Problem: Die Berechnung des Schadens erwies sich als höchst ungenau. Die Zahlen schwankten nach den ersten Zeugenvernehmungen bald zwischen 62 000 und 17 000 Euro. "Wenn das Versandhaus nicht mal selber den Schaden berechnen kann ... die Diskrepanz ist ja riesig!", ereiferte sich Lehmann. Der Schaden muss nun neu berechnet werden, was einen Fortsetzungstermin bedeutet. Am 10. Februar sollen dann die Urteile gesprochen werden.




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