Redwitz
Raub

Überfall in Redwitz: Täter aus der eigenen Firma

Fliesenhändler Dietmar Müller wurde in Redwitz in seinem Wohnhaus ausgeraubt. Schnell war klar, der Überfall war geplant.
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Den Schlüssel zum Tresor hatten die Täter, ein Innenfach hebelten sie auf. Nur das Kleingeld blieb zurück. Geld und Wertgegenstände für zusammen 17 000 Euro waren die Beute.  Fotos: Tobias Kindermann
Den Schlüssel zum Tresor hatten die Täter, ein Innenfach hebelten sie auf. Nur das Kleingeld blieb zurück. Geld und Wertgegenstände für zusammen 17 000 Euro waren die Beute. Fotos: Tobias Kindermann
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Wer könnte es gewesen sein? Dietmar Müller sitzt am frühen Dienstagmorgen mit den Kriminalbeamten in der Sitzecke neben der Küche in seiner Firma und überlegt. Rund eine Stunde ist es her, dass er sich von seinen Fesseln befreit hat und die Polizei rufen konnte: "Gehen Sie nicht aus der Tür, sagte die Beamtin am Telefon zu mir. Ich schaute durch die Glasscheibe hinaus. Dann kamen schnell vier Streifenwagen. Und es wurden immer mehr."
Während die Polizei noch das Gelände um seine Fliesenhandlung durchkämmt, kommt ihm ein Verdacht. Und er sollte recht behalten: "Eineinhalb Stunden später sagte eine Beamtin zu mir, dass ich richtig lag." Die Polizei hatte die Täter bereits gefasst - rund drei Stunden nach der Tat. Einer davon ist 22 Jahre alt, wohnt in Redwitz und stammt aus Aleppo in Syrien. Er ist ein Asylbewerber, den Dietmar Müller eingestellt hatte, um ihm zu helfen. "Er war immer wieder in mein Geschäft gekommen und hatte um Arbeit gebettelt. Immer wieder. Du musst zur Schule gehen und Deutsch lernen, sagte ich ihm." Das tat der junge Mann auch. Also stellte ihn Müller im Sommer ein, gab ihm einfache Hilfsarbeiten.
Man kannte sich schon länger: 2015 hatte er zusammen mit anderen Asylbewerbern in einem Haus in der Nähe gelebt, das der 67-jährige aus Kronach stammende Müller an das Landratsamt vermietet hatte. Inzwischen wohnt dort niemand mehr, der 22-Jährige war in eine Wohnung in Redwitz gezogen.
Es war Montag gegen 18 Uhr, der Fliesenhandel schloss und Dietmar Müller ging in ein angebautes Haus, in dem er momentan lebt. "Ich habe noch eine Wohnung in Redwitz, wo ich sonst bin, aber die wird gerade renoviert."


Von der Straße aus nicht zu sehen

Der Anbau ist von der Straße aus nicht zu sehen. Es gibt aber einen Zugang vom Fliesenhandel, der direkt dorthin führt. Man muss ihn lange suchen - oder sich gut auskennen. An einer Toilette vorbei, durch einen Heizraum hindurch führt ein Weg zu einem Durchbruch ins Haus. Dann steht man praktisch schon im Wohnzimmer, von dem eine Treppe hinaufführt ins Schlafzimmer. Als Dietmar Müller um 22 Uhr müde wurde, ging er hoch, öffnete die Glastür zum Schlafzimmer und wollte das Licht einschalten.
Es ging alles ganz schnell: "Ich sah noch hinter der Tür einen Schatten, dann stand ein komplett schwarz vermummter Mann vor mir, ich konnte nichts an ihm erkennen, nicht einmal die Hände. Das Licht ging auch nicht. Wie ich später merkte, hatte er die Birne in der Lampe herausgeschraubt."
Dann spürte er, wie man ihm eine Flüssigkeit ins Gesicht sprühte, wohl um ihn zu betäuben, und eine Rangelei begann. "Plötzlich kam mir die rettende Idee: Ich habe mich einfach bewusstlos gestellt."
So bekam er mit, wie er mit einem seiner Gürtel an den Füßen gefesselt wurde. Mit einem Schal wurden die Hände zusammengebunden. Einen seiner Pullover zog ihm der Täter über den Kopf.


Täter muss gewartet haben

Der Täter oder die Täter? Dietmar Müller konnte sich nicht orientieren, aber später kam er ins Nachdenken: Der Mann, der ihn überfallen hat, muss mindestens vier Stunden im Schlafzimmer auf ihn gewartet haben. An der Außentür oder den Fenstern gab es keine Einbruchsspuren - also er muss den Gang gekannt haben. Und sicher gewesen sein, dass Müller den Tresorschlüssel bei sich hatte.
"Später haben sie mich dann die Treppe hinunter ins Wohnzimmer geschleift und auf die Couch gelegt." Da vermutete er schon, dass er es nicht nur mit einem Mann zu tun hatte.
Um sie zu täuschen, röchelte und hustete er, wenn sie in seine Nähe kamen. "Ich begann auch zu zittern und hatte Todesangst."
Wie viel Zeit verging, weiß er nicht. Gegen Mitternacht lag er immer noch auf dem Sofa und ihm wurde immer kälter. "Die Tür zur Terrasse stand offen." Als er die Kälte nicht mehr ertrug, begann er sich vorsichtig zu befreien. "Das war ja völlig amateurhaft gemacht, den Gürtel hatte ich schnell unten, der Schal war nicht einmal richtig angezogen." Den Pullover hatten ihm die Täter schon vorher abgenommen.
Vorsichtig ging er hinüber in sein Geschäft. Das Licht ließ sich nicht anschalten. Die Täter hatten in einer nicht ungefährlichen Aktion die Hauptsicherung im Nebenraum der Küche mit ein paar einfachen Schraubenziehern rausgehebelt, stellte sich später heraus. Auch hier muss jemand gewusst haben, wo sie sich befand. Das Telefon ging nicht. "Aber auf meinem Bett lag noch das Handy und damit habe ich dann die Polizei gerufen."
Am Tag darauf wirkt er sehr gefasst und kann schon wieder sehr reflektiert über die Nacht sprechen - und er ist auch nicht verletzt. "Die Beamten fanden nur zwei kleine Einstiche auf dem Rücken. Die müssen von einem Elektroschocker stammen, der zwar angesetzt, aber nicht ausgelöst wurde."


Flucht war schnell zu Ende

Für die Täter war die Flucht schnell zu Ende. Eine Großfahndung wurde ausgelöst.
Kurz nach Mitternacht stoppten Polizeibeamte in Hochstadt einen Volkswagen mit zwei Insassen. Mit einer größeren Menge Bargeld und einer Maske, wie sie die Räuber bei dem Überfall in Redwitz trugen. Die 52-jährige Frau am Steuer des Wagens und ihr 23-jährigen Beifahrer, ein Asylbewerber aus Damaskus, der in Lichtenfels lebt, wurden festgenommen. Die Frau hat die Täter vermutlich zur Tat gefahren.
Den 22-Jährigen fanden die Beamten in seiner Wohnung in Redwitz. Die Beute war bereits in einem Hohlraum versteckt worden.
Die Männer zeigten sich teilweise geständig und sitzen mittlerweile in verschiedenen Haftanstalten ein.
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