Erlach
Erlacher Hof

Ein Ort für Natur und Handwerk

Vor rund zehn Jahren kaufte der gebürtige Münchner Eckart Henzler sein Anwesen nahe Weismain. Seitdem arbeitet er weiter an seinem Traum.
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Eckert Henzler am Eingang zu seinem Hof in Erlach. Den Pavillon hat er zum Beispiel selbst mit Schiefer eines Thüringer Abrisshauses gedeckt. Foto: Popp
Eckert Henzler am Eingang zu seinem Hof in Erlach. Den Pavillon hat er zum Beispiel selbst mit Schiefer eines Thüringer Abrisshauses gedeckt. Foto: Popp
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Vor rund zehn Jahren kaufte Eckart Henzler den Bauernhof im kleinen Dorf Erlach (Stadt Weismain). Der gelernte Kunsttherapeut wollte dort seinen Traum von einem Ort für Familie, Kunst und Handwerk Wirklichkeit werden lassen. Das Projekt Ökosiedlung hat noch nicht die gewünschten Konturen angenommen. Es fehlen Mitstreiter, junge Familien, die das Landleben lieben und hier Anschluss und Austausch suchen. Und das, obwohl Bauland in der Region als gefragt gilt. Grundstücksverkauf oder Erbpacht - all das hätte man regeln können. "Aber die Leute fürchteten wohl, sich zu binden", vermutet Henzler. Ein Nebengebäude ist inzwischen vermietet, in die Sanierung eines weiteren hat der handwerklich begabte Mann viel Zeit investiert. Wie viel Zeit das Bauen erfordern würde, habe er unterschätzt, räumt er ein. "Ich habe Jahre damit verbracht, hier alles so herzurichten." Außerdem fordern der Landbau und vier Kinder (4, 7, 9 und 11 Jahre) den Familienvater.


Holzarbeiten für Groß und Klein

Haupteinnahmequelle sind Henzlers Holzarbeiten. Mit hohem qualitativen Anspruch stellt er Figuren her, ja ganze Ensembles, auch Krippen, die er auf ausgesuchten Handwerker- und Künstlermärkten bayernweit sowie übers Internet verkaut. Er wünscht sich, dass irgendwann wieder eine Phase mit mehr Raum für künstlerische Betätigung kommt. Das blaue Haus, der alte Kuhstall, ist bald fertig, könnte dann vermietet werden und so einen Beitrag zum Einkommen leisten.

Die Familie lebt bescheiden, nutzt Obst und Gemüse aus dem großen Garten, hält Hühner, einige Ziegen und Bienen; Selbstversorger kann und will man aber nicht sein. Auch die Natur sei auf Austausch angelegt, sagt Eckart Henzler. Seine Kinder sollen mitkriegen, dass Lebensmittel nicht im Supermarkt wachsen. Er selbst empfindet die eigene Lebensqualität als hoch, weiß aber um andere Betrachtungsweisen: "Wir leben sowohl in Luxus als auch in Armut, weil wir kein flüssiges Geld haben. Wir können uns Dinge nicht leisten, die sich andere Leute leisten können - neue Autos, Urlaub, beste Kleidung." Demgegenüber steht eine "Oase" für Menschen, Tiere und Pflanzen, mit viel Platz für die Kinder und Möglichkeiten, sich selbst zu verwirklichen. Das Erleben der Natur mit allen Sinnen sollte nie nur für die eigene Familie möglich sein. Vielmehr ist das Ziel ein kreatives Miteinander, ein Ort für den Austausch von Künstlern und Handwerkern. Eine Ahnung davon geben die Kurse, die der Kunstpädagoge über Volkshochschule und Umweltstation anbietet. Bislang allerdings sind es vorwiegend Kinder, die gerne und immer wieder auf den Erlacher Hof kommen. Das ornamentale Gestalten mit Holz für Erwachsene fand jüngst nicht genügend Zuspruch, so dass der Termin abgesagt wurde. Doch es ist nicht Henzlers Art, sich darüber zu grämen. "Man braucht einen langen Atem", sagt er. Wenn er seine handwerklichen Schätze anbietet, Figuren und Szenen, die er zum Teil aus aus hohlen Baumstämmen herausgearbeitet hat, erntet er viel Anerkennung. Davon abhängig sein möchte er jedoch nicht. Man sollte Dinge aus Interesse tun, und nicht, um gelobt oder geliebt zu werden, findet er. Gleichwohl stellt er fest: "Der Mensch ist nur glücklich, wenn er etwas schaffen kann." Das erlebe er auch bei den Kindern.

Auf seinem Hof hätte er gern schon mehr geschafft - und will weiter an der Verwirklichung seines Traums arbeiten. Das Stadtkind suchte bald die Verbindung zur Natur. "Wenn ich heute dahin komme, wo wir früher unsere Kirschkerne ausgespuckt haben, ist da ein Kirschenwald", erzählt er. Wie beurteilt er die Landflucht einerseits und Trends um ländliche Idylle andererseits? "Es gibt wahrscheinlich Stadt- und Landmenschen wie es Frühaufsteher und Langschläfer gibt", meint Henzler und will das nicht bewerten. Er hat viel von der Welt gesehen. "Es muss jeder seinen Ort finden, wo er glücklich ist." Er selbst möchte diesen Ort weiterentwickeln, nachdem er sich lange dem Erhalt gewidmet hat. "Ich wollte das nicht verfallen lassen", sagt er. In den Gebäuden erkennt er das alte Wissen, die alte Handwerkskunst: "Deshalb habe ich auch das Gefühl, dass ich hier mit meinem Handwerk am richtigen Ort bin."
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