Reundorf
Vogelschutz

Ein Mann auf den Spuren der Störche

Hans Schönecker ist als Horstbetreuer jährlich mehrere hundert Kilometer unterwegs. Bei Reundorf ist ihm ein Storch aus Schweden vor die Linse gegangen.
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Seine Gesichtszüge wirken entspannt. An den Augen aber wird sichtbar, mit welcher Konzentration er bei der Sache ist. Wachsam schweift der Blick über Wiesen und Gewässer, fokussiert jede Bewegung. Man spürt: Der Mann, der seinen Skoda Yeti über die Flurbereinigungswege unterhalb von Banz steuert, ist in seinem Element. "Da", sagt er stolz und zeigt dabei auf eine überflutete Stelle im weiten Grün, "da drüben habe ich sie fotografiert".

Der Mann heißt Hans Schönecker und seine Passion, das sind die Störche. Mehrere hundert Kilometer legt der 62-Jährige Jahr für Jahr zurück, um die Tiere zu fotografieren und zu dokumentieren. Zwei Neuankömmlinge in der Region sind ihm dabei jüngst bei Reundorf vor die Linse gegangen.
"Störche gelten als positive Botschafter und es sieht einfach majestätisch aus, wenn sie über die Wiese schreiten", erzählt der 62-Jährige.
Als Storchenhorstbetreuer für den Landesbund für Vogelschutz (LBV) oder auf privater Mission: Der Coburger Sozialpädagoge, der als Bewährungshelfer arbeitet, verbringt seine Zeit gerne auf den Spuren der Störche.

So auch im Januar auf den Mainwiesen zwischen Reundorf und Weingarten. "Den Tipp, dass dort neue Störche eingetroffen sind, habe ich aus der LBV-Zentrale in Hiltpoltstein erhalten", erinnert sich Hans Schönecker. An die offiziellen Stellen gemeldet wurde die Ankunft der Adebars vom Reundorfer Gottfried Schardt, der dort fast täglich seine Fahrradrunde dreht.


Tipp gerne angenommen

Eine Chance, die sich Hans Schönecker, der im Landkreis Coburg seit fünf Jahren offiziell Horstbetreuer ist, natürlich nicht entgehen ließ. "Nach kurzer Suche habe ich die beiden Störche auf einer Wiese zwischen Autobahn und Main gefunden, fuhr so nahe wie möglich heran und konnte sehr gute Bilder mit meinem 500er-Teleobjektiv machen."

Darauf gut zu erkennen: Die beiden Vögel sind beringt. Sie tragen Markierungen aus Kunststoff oberhalb des Knies, anhand derer der Fachmann den Beringer sowie den Ort und das Datum der Beringung herausfinden kann.

Der Ring des einen Storchs war Schwarz, der andere Blau, Rot und Gelb mit eingravierten weißen Buchstaben. "Einer wurde bei Darmstadt registiert, der andere ist ein Einwanderer aus Schweden", erklärt Hans Schönecker, der die Bilder der beiden neuen Langschnäbel inklusive genauem Standort an die für Süddeutschland zuständige Vogelwarte in Radolfzell meldete. Diese teilte ihm mit, dass der Schwede im Juli 2014 in der südlichen Provinz Skane beringt wurde. Einen Monat später wurde das Tier dann im niedersächsischen Lüneburg gemeldet. Danach verlor sich die Spur.

"In Schweden wurde er gefangen", liest der Storchenexperte aus der Tabelle ab, die ihm aufgrund seiner Meldung nun das Naturhistorische Museum Stockholm zuschickte. "Wahrscheinlich war er krank und wurde gepflegt", sagt Hans Schönecker, den es freut, dass der Einwanderer aus dem Norden nun wieder bei bester Gesundheit ist. "Beide Störche machten einen gesunden Eindruck, das Gefieder war sehr gepflegt und sie haben immer wieder Nahrung aufgenommen."

Die Leidenschaft für Natur und Tierwelt entwickelte sich beim gebürtigen Oberpfälzer, der in den 1970er-Jahren in den Coburger Raum kam, schon in der Kindheit. "Vom ersten Geld, das ich beim Zeitungen Austragen verdiente, habe ich mir Vogelbestimmungsbücher gekauft." Im Alter von zwölf Jahren wurde Hans Schönecker dann Mitglied im LBV, für den er mittlerweile Delegierter der Kreisgruppe Coburg ist. Selbst seine Urlaubsziele plant er mittlerweile anhand von Vogelrouten - er war zum Beispiel schon im Naturpark Bayerischer Wald oder auf der niederländischen Nordseeinsel Texel.


Störche sollen heimisch werden

Seit etwa fünf Jahren ist er auf Störche spezialisiert und hilft ehrenamtlich mit, die Populationen wieder zu vergrößern. "In den 1980er-Jahren waren sie durch intensive Landwirtschaft, Entwässerung von Wiesen, Flussbegradigungen und den Straßenbau vom Aussterben bedroht." Zwar stehen die Störche weiterhin auf der roten Liste vom Aussterben bedrohter Tierarten. Dennoch sei einiges erreicht worden und die Tiere hätten vielerorts wieder ein Zuhause gefunden.

Hans Schöneckers Revier sind die Horste des Kreises Coburg in Bad Rodach, Seßlach, Meschenbach, Rossach und Kaltenbrunn. "Falls sich das Umfeld zu sehr verändert, versuchen wir ein Ersatzbiotop anzulegen", berichtet Hans Schönecker, zu dessen Aufgaben es weiterhin gehört, den Kontakt zu den Anwohnern rund um die Nester zu halten oder unliebsame Materialien wie Plastik zu entfernen. Außerdem macht er pro Jahr zu Dokumentationszwecken circa 3000 Fotos. 2015 sind auf den von ihm betreuten fünf Horsten 18 Jungstörche groß geworden. 2018 kommen diese zurück, um sich selbst zu paaren. "Ich bin jetzt schon gespannt, wie viele es dann noch sind. Ich hoffe viele", blickt Hans Schönecker, der Mann auf den Spuren der Störche, in die Zukunft.



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