Lichtenfels
Ernte

Ein Feld in Verzug

Die Läden im Landkreis Lichtenfels sind derzeit voll mit roten Erdbeeren. Die Felder sind es dagegen nicht alle. Dauerregen verzögert die Reife.
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Viel zu grün und viel zu klein: Reife Erdbeeren sucht man auf diesem Grundfelder Feld vergeblich.  Fotos: Markus Häggberg
Viel zu grün und viel zu klein: Reife Erdbeeren sucht man auf diesem Grundfelder Feld vergeblich. Fotos: Markus Häggberg
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Die Läden im Landkreis sind derzeit alle voll mit roten Erdbeeren. Die Felder im Landkreis sind es derzeit nicht alle. Das ist nur scheinbar ein Widerspruch. Der Fränkische Tag geht der Erdbeere nach - einer Scheinfrucht.
Es sind keine Menschen hier auf dem großen Feld, drei, vier Steinwürfe von Vierzehnheiligen entfernt, zu sehen. Niemand, der jetzt im Juni Erdbeeren pflückt. Damit, dass es dieser Tage beständig regnet, steht das nicht im Zusammenhang. Es gibt einfach nichts zu ernten. Dabei lädt ein Schild zum Selbstpflücken ein.
Doch geht man die langen mit Stroh ausgelegten Pflanzreihen entlang, stößt man zu beiden Seiten nur auf viel zu grüne und viel zu kleine Erdbeeren. Sorgen macht sich Hermann Bayer nicht. Obwohl: "Sollte es weiter so regnen, wird mir nicht ganz wohl dabei", so der 59-Jährige zu den Aussichten auf Ernteverzögerung oder ein Faulen der Früchte. Vier Felder besitzt der Kronacher im Landkreis, aber während beispielsweise das Feld in Zettlitz schon reife Früchte trägt, tut es das Grundfelder noch nicht. Dabei muss Bayer auch aus diesem Feld einen wachsenden Markt bedienen.


Botanische Mogelpackung

Seit 2000 stieg der Ernteertrag an Erdbeeren in Deutschland um rund 50 Prozent auf zirka 160 000 Tonnen an. Damit nicht genug: Einer Statistik zufolge wird beinahe eine gleiche Menge noch importiert. Hermann Bayer spricht davon, vorwiegend die Läden und Discounter im Landkreis zu beliefern. Und hier im Landkreis sei der Bedarf über die Jahre auch gestiegen. Hermann Bayer kann von Erdbeeren schwärmen. Von Folsäure und Vitaminen, von Geschmack bei wenig Kalorien. Doch tatsächlich ist die Erdbeere eine erstaunliche botanische Mogelpackung: Zumindest wenn man, was wohl die meisten Menschen zu ihr vermuten würden, als Maßstab nimmt. Denn in Wirklichkeit ist sie gar keine Beere sondern eine Nuss, botanisch überdies als Untergattung zu den Rosengewächsen zählend. Eine Scheinfrucht überdies, denn das, was eigentliche Frucht an ihr ist, ist eben nicht das Fruchtfleisch selbst. Es sind vielmehr die winzigen gelblichen Nüsschen, die auf der Erdbeeroberfläche liegen.
In Zettlitz ist das anders. Dort, so Bayer, seien seine Erdbeeren schon reifer. Der in dieser Gegend sandige Boden speichert Wärme und lässt früher gedeihen. Doch hier auf der Strecke nach Bamberg ist der Boden lehmiger, was die Reiferückstände erklärt. Auf fünf bis acht Erdbeersorten beziffert Bayer das, was er auf den Selbstpflückfeldern in Woffendorf, Zettlitz, Grundfeld und Bad Staffelstein säen kann. Fünf bis acht von insgesamt wohl über 1000 Sorten.


"Regen soll endlich aufhören"

Geht man dieser Tage durch den Handel, stößt man in den Auslagen mitunter auf riesig wirkende Erdbeeren. Eine gute Züchtung, zu der es aus ökonomischer Sicht etwas zu erzählen gibt: Je größer nämlich die Erdbeere ist, desto schneller wird eine Schale von Pflückern gefüllt. Das wiederum wirkt sich positiv auf den Stundenlohn aus. Von Mai bis Juli benennt Bayer die Erntezeit für seine Felder. Grob gesagt. Bei dem in Grundfeld ist noch kaum ein Rot zu bemerken.
Aber es ist ja ohnehin ein Feld, bei dem die Ernte vergleichsweise spät stattfindet. Nur der Regen sollte jetzt endlich aufhören, wünscht sich Bayer.




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