Bad Staffelstein

Ein Blick ins Fotoalbum

Er ist einer der Ältesten in Bad Staffelstein. Hans Pfadenhauer hat mit seinen 90 Jahren viel erlebt - Schönes aber auch Trauriges.
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Ausflüge mit seiner Vespa halten Pfadenhauer fit. Am liebsten unternimmt er Touren in die Fränkische Schweiz. Foto: Privat
Ausflüge mit seiner Vespa halten Pfadenhauer fit. Am liebsten unternimmt er Touren in die Fränkische Schweiz. Foto: Privat
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40 Jahre im Schuh-Betrieb gearbeitet, zwei Jahre im Krieg gekämpft und 68 Jahre verheiratet - Zahlen, die für das Leben von Hans Pfadenhauer aus Bad Staffelstein stehen. Mit seinen 90 Jahren hat er einiges erlebt - viel Schönes, aber auch Schlimmes.

Am 22. Februar 1926 kommt er in Burgkunstadt zur Welt. Seine Mutter ist alleinerziehend - sie muss die eigenen Eltern und die beiden Kinder durchbringen. "Wir waren arme Kirchenmäuse", sagt Pfadenhauer. Das erste Foto von ihm stammt aus der Zeit seiner Einschulung. An seine Lehrerin erinnert er sich sehr gut - mehrmals machte er Bekanntschaft mit ihrem Rohrstock. "Ich war ein Raufbursche", sagt der 90-Jährige.

Mit 14 Jahren schließt er die Schule ab, wird zur Hitlerjugend gezwungen. Darauf folgt der Arbeitsdienst mit einer militärischen Ausbildung. Zwei Jahre kämpft er an der Front in Russland. Über die Vergasung der Juden wusste er nichts. "Es hieß, wenn du deine Heimat liebst, kämpft du. Wir haben uns für die Heimat geopfert." Das Erlebte lässt ihn bis heute nicht los. "Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen. Ich habe bis heute Albträume", erzählt er mit gesenktem Blick.

Drei Mal wird der Staffelsteiner verwundet - im Lazarett in Königsberg in Ostpreußen lernt er seine Frau Elisabeth kennen. "Der liebe Gott wollte es so", sagt er. Seit 68 Jahren sind die beiden verheiratet. Ihre Hochzeit feierten sie mit zwei Trauzeugen in Vierzehnheiligen. Nach der Trauung wurde in einer Lichtenfelser Gaststätte gefeiert. Ihre Eheringe aus Eisen kosten damals zehn Mark. Kurze Zeit später kommt ihre Tochter zur Welt.
Die Jahre nach dem Krieg sind schwer. "Wir waren arme Leute", sagt Pfadenhauer. Hunger ist die Folge. "Ich konnte mich als junger Mann nie sattessen", erinnert er sich. Als Küchenkraft kommt er bei den in Burgkunstadt stationierten Amerikanern ab und zu an Zigaretten - ein Luxus nach dem Zweiten Weltkrieg. "Das war früher unser Gold."

In dieser Zeit kauft er sich sein erstes Fahrrad. Heute ist der Rentner mit seiner braunen Vespa auf den Straßen Bayerns unterwegs - nennt sie liebevoll "Pferdchen". Zusammen mit anderen Roller-Fahrern verschlägt es ihn öfter in die Fränkische Schweiz. Bei seinen Kollegen hat er den Spitznamen "Vespa-Opa". Der 90-Jährige will sein Hobby noch lange ausüben. "Ich bin innerlich eingestellt wie 50", sagt er. Zu seinem 100. Geburtstag will er sich einen neuen Roller kaufen, scherzt er.

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