Lichtenfels
Leerstände

Ein Bahnhof auf dem Abstellgleis

Seit über einem halben Jahr gibt es kein Café mehr im Lichtenfelser Bahnhof. Die Notwendigkeit einer öffentlichen Toilette sieht die Bahn nicht. Jetzt kündigt sich ein weiterer Leerstand an - wegen eines massiven Feuchtigkeitsproblems.
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Der Lichtenfelser Bahnhof ist ein "Baudenkmal erster Sorte", wie es Bezirksheimatpfleger Günter Dippold formuliert. Das Sandsteingebäude wurde nach dem Entwurf des angesehenen Architekten Gottfried Neureuther erbaut. Die Bahnstrecke wurde 1846 eröffnet. Das Haupt-Empfangsgebäude war 1849 fertig. Fotos: Popp
Der Lichtenfelser Bahnhof ist ein "Baudenkmal erster Sorte", wie es Bezirksheimatpfleger Günter Dippold formuliert. Das Sandsteingebäude wurde nach dem Entwurf des angesehenen Architekten Gottfried Neureuther erbaut. Die Bahnstrecke wurde 1846 eröffnet. Das Haupt-Empfangsgebäude war 1849 fertig. Fotos: Popp
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Einen langen Leerstand wolle man vermeiden. Das teilte ein Bahnsprecher im November mit, zwei Monate nach Schließung des Bistro-Cafés. Man sei in Verhandlungen mit einem Interessenten. Bis heute, vier weitere Monate sind vergangen, ergab sich aus diesen Gesprächen keine Nachfolge-Verpachtung. Stattdessen kündigt sich ein zusätzlicher Leerstand an: Friseur Kraus wird bis Anfang Mai ausziehen.

Seit über 60 Jahren ist der Familienbetrieb (in dritter Generation inzwischen) am oder im Lichtenfelser Bahnhof vertreten. Die gute Lage wusste Inhaber Karl-Heinz Kraus zu schätzen. Wie man seitens der Bahn jedoch mit dem Problem eines um 2011 aufgetretenen Wasserrohrbruches umgegangen ist, veranlasste ihn schließlich zum Aufgeben. Er wird mit seinen sechs Mitarbeitern in neue Räume in der Bamberger Straße umziehen.


Langes Hin und Her

Es waren unglückliche Umstände, dass der Schaden an einer Warmwasserleitung im Gebäude erst Monate später entdeckt wurde, nachdem sich das Wasser bereits seinen Weg über den Estrich gebahnt und von den Sandsteinen der Außenmauern aufgesogen worden war. Als Friseur Kraus 2012 den Salon umbaute, wusste er davon noch nichts. Freilich bemerkte er Feuchtigkeitsspuren an den Wänden. Doch die versuchte man, durch ein Abschlagen und Erneuern des Putzes zu beheben.

Dass die Wände aber einfach nicht trocknen wollten, obwohl draußen wochenlang bestes Wetter war, und schließlich eine enorme Wasserrechnung mit rund rund 180 Kubikmetern zusätzlichem Verbrauch eintraf, war Anlass, dem Problem auf den Grund zu gehen. Das Leck wurde gefunden, die Reparatur von der Bahn bezahlt. Geeignete Maßnahmen zur Trocknung der Bausubstanz blieben jedoch aus. Stattdessen folgte laut Kraus ein langes Hin und Her mit verschiedenen Ansprechpartnern der DB Station & Service AG. Durch Feuchtigkeit und Schimmelbefall der Wände wurden Einrichtungsgegenstände unrettbar in Mitleidenschaft gezogen. Im März schien eine Einigung über die Sanierung endlich greifbar. Sogar eine höhere Miete hätte er in Kauf genommen, sagt Karl-Heinz Kraus.

Was er aber nicht hinnehmen wollte, war der Versuch, ihm die Haftung über künftige Leitungsschäden zu übertragen. Kraus erkundigte sich und erhielt von der mit der DB kooperierenden DEVK-Versicherung eine eindeutige Aussage: "Ich kann die Leitungen gar nicht versichern, da ich nicht der Eigentümer des Gebäudes bin." Vor diesem Hintergrund und mangels verlässlicher Zusagen entschloss sich Kraus zum Standortwechsel.

Als wir bei der Bahn nachfragten, was zur hinreichenden Behebung des Wasserschadens unternommen werde, erhielten wir zunächst die lapidare Antwort, man habe versucht, mit dem Mieter eine einvernehmliche Lösung zu finden. Der habe sich aber entschlossen, stadtnah einen neuen Salon betreiben zu wollen. Auf unseren Vorhalt, das Gebäude stehe unter Denkmalschutz und die Bahn sei, unabhängig von einer Vermietung, als Eigentümer für den Erhalt verantwortlich, kam nach zwei Tagen die Antwort, man werde im Laufe des Jahres die Fassade ausbessern und die Feuchtigkeit im Inneren nach dem Freiwerden der Räumlichkeiten angehen.
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