Lichtenfels
Justiz

Die neue Leiterin des Amtsgerichts Lichtenfels würde auch George Clooney verknacken

Ulrike Barausch hat als Leiterin des Lichtenfelser Amtsgerichts ihre Wunschberufung erhalten.
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Trat zum ersten Mal als neue Direktorin durch das Hauptportal am Lichtenfelser Amtsgericht: Richterin Ulrike Barausch. Foto: Markus Häggberg
Trat zum ersten Mal als neue Direktorin durch das Hauptportal am Lichtenfelser Amtsgericht: Richterin Ulrike Barausch. Foto: Markus Häggberg
Zum 1. Oktober hat das Amtsgericht eine neue Direktorin bekommen. Die Kronacherin Ulrike Barausch trat die Nachfolge von Armin Wagner an. Gestern aber trat auch die Belegschaft im Amtsgericht zusammen, der neuen Chefin einen kleinen Empfang zu bereiten. Doch wer ist die Frau?
20 Minuten Anfahrt am Morgen, 20 Minuten Heimfahrt am Abend - dazwischen ein Arbeitstag um die neun, zehn, elf Stunden, gefüllt mit richterlichen Tätigkeiten und Verwaltungsaufgaben. Ersteres ist ihr seit langem vertraut, Letzteres ist ihr neu. "Da habe ich eine erfahrene Geschäftsleiterin an der Seite", erklärt sie während eines Pressegesprächs, lächelnd auf Sigrid Lang verweisend. Die 51-Jährige ist während des Plausches auch zum Scherzen aufgelegt. Das Lichtenfelser Amtsgericht fehlte ihr noch "zum Triple", denn in diesem Dienstbezirk war sie schon in Kronach und Coburg richterlich tätig.
Rückblende: Nach Jurastudium und Referendariat in Würzburg begann ihre berufliche Laufbahn 1993 als Richterin am Amtsgericht Coburg. Es folgten Richtereinsätze in der Zivilkammer am Landgericht Coburg, bevor sie für acht Jahre zum Amtsgericht Kronach ging. Nicht nur auf das Richten versteht sich die verheiratete Frau - sie kann auch ermitteln und Beweise zusammentragen. Nach ihrer Ernennung zur Staatsanwältin als Gruppenleiterin 2009 gehörte sie zwei Jahre der Staatsanwaltschaft Coburg an. Hernach erfolgte wieder ein Wechsel zum Richteramt, diesmal in höherer Instanz am Landgericht Coburg, als Vorsitzende einer Zivilkammer sowie betraut mit Berufungsverfahren zu Urteilen von Strafrichtern.


Zu den Studienbesten

Ihr zur Rechten sitzt während der Vorstellung Clemens Lückemann, Präsident des Oberlandesgerichts. Ab und an ergreift er das Wort für Ulrike Barausch, dann, wenn es unschicklich scheint, sich selbst zu loben. Denn dass sie Richterin werden konnte, hat auch damit zu tun, dass sie zu den 20 Prozent der Studienbesten gehörte, es selbst aber nicht erwähnen wollte. Doch diese Qualifikation ist verpflichtend und ein Grund dafür, dass das Oberlandesgericht sie für die am Amtsgericht Lichtenfels ausgeschriebene Stelle vorschlug. Ein Präsidialrat stimmte zu und empfahl sie wiederum dem bayerischen Justizminister Winfried Bausback, der letztlich das Sagen hatte.
Doch im Grunde war es vor allem ihr eigenes Bestreben, nach Lichtenfels zu einem Amtsgericht zu kommen. "Ich wollte zurück an ein Amtsgericht, denn es ist ein bürgernahes Gericht."
Immer wieder betont Ulrike Barausch den Dienstleistungscharakter eines Gerichts. Der sei nun wieder verstärkt gegeben, da nun die Sollstärke von fünf Richtern wieder erreicht worden ist. "In Lichtenfels kommt der Bürger trotz Personalfluktuation zu seinem Recht", ergänzt Lückemann. Eine kurze Einarbeitungs- und Eingewöhnungsphase mag es geben, da die Verwaltungsaufgaben neu sind. Doch die richterlichen Tätigkeiten werden "ohne Reibungsverluste" aufgenommen. "Die Pappenheimer, die Rang und Namen haben, werde ich kennenlernen - das geht schnell."
An das erste von ihr gefällte Urteil könne sie sich nicht mehr erinnern, sagt sie Frau. Doch auch sie hat schon erfahren, dass es Fälle gibt, "die trägt man tagelang mit sich rum". Schon während des Studiums sei ihr klar geworden, dass sie Richterin werden wolle und bereut habe sie diesen Schritt nie. "Ich habe einen guten Schlaf", erklärt sie, die witzige Bemerkung "Ich grüble tagsüber" vorschaltend.
An privaten Interessen nennt sie das Reisen mit ihrem Ehemann und eine Stunde täglich, die sie zu Hause in ihrem Fitnessraum verbringt.
Dann eine letzte Frage an die neue Direktorin: Wenn es Diebe gäbe, die so geschickt und charmant und erfolgreich (ohne jemanden zu verletzen) Millionen einsackend vorgingen wie George Clooney und seine Gesellen in dem Film Ocean's Eleven, würde sie dann ein Auge zudrücken und der Gegenseite Erfolg gönnen? Wieder schmunzelt Ulrike Barausch und stellt eine Sache klar: Ein Clooney und seine Gesellen dürften bei ihr nicht einmal auf einen solchen Impuls hoffen.
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