LKR Lichtenfels
Mastjahr

Die Wälder tragen üppig Früchte

Die Förster sprechen heuer von "Vollmast" am Obermain. Das heißt, es ist ein gutes Jahr für die natürliche Waldverjüngung.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Samen des Bergahorns mit Flügeln sind bereit für die Reise. Foto: Hagemann
Die Samen des Bergahorns mit Flügeln sind bereit für die Reise. Foto: Hagemann
+2 Bilder
In den Waldgebieten am Obermain steigt der Anteil an artenreichen und stabilen Mischwäldern. Förster und Waldbesitzer sprechen gern vom "Waldumbau", wenn sie ihren Beitrag an dieser Entwicklung beschreiben. Aber ohne die Natur geht es nicht: Die Waldbäume müssen Früchte tragen, um Nachwuchs zu produzieren. Und dafür sieht es in diesem Jahr besonders gut aus.

"Vollmast" nennen es die Förster, wenn bei einer Baumart praktisch jeder Baum Frucht trägt. - Woher der Name? Peter Hagemann vom Forstbetrieb Rothenkirchen der Bayerischen Staatsforsten gibt Auskunft: "Der Ausdruck geht auf Zeiten zurück, in denen das Vieh im Herbst in die Wälder getrieben wurde, um es mit Eicheln oder Bucheckern zu mästen.
Volksweisheiten wie ‚Auf den Eichen wachsen die besten Schinken‘ gehen darauf zurück." Heute würde die Bezeichnung auch für andere Waldbäume verwendet: "Echte Vollmasten sind bei den meisten Baumarten relativ selten, häufiger sind sogenannte Halbmasten oder Sprengmasten mit entsprechend weniger samentragenden Bäumen."

Im bevorstehenden Herbst können sich die Waldbesitzer in Franken über besonders reichen Samenbehang bei den Laubbäumen freuen. "Bei der Buche können wir sicher von einer Vollmast sprechen, ebenso beim Bergahorn, der Linde und der Hainbuche", sagt Hagemann. "Nadelbäume wie Tanne, Douglasie und Fichte sind zumindest mit Sprengmasten beteiligt." Zu wünschen wären jetzt noch ideale Bedingungen für die natürliche Samenverbreitung im Winterhalbjahr. Leichte Samen aus den Nadelholzzapfen oder die mit Flughilfen ausgestatteten Ahorn- und Eschensamen können bei gutem Wind sehr weit getragen werden. Die schwereren Früchte von Eichen, Buchen oder Tannen bekommen sozusagen ebenfalls Flügel: Hier helfen Eichelhäher und Tannenhäher. Beide Vogelarten legen Samendepots für den Winter an, weit mehr als hinterher genutzt oder wiedergefunden werden. Genauso spielen Nagetiere wie Eichhörnchen oder Waldmaus eine wichtige Rolle bei der Samenverbreitung.

Der Nutzen für die Zukunft der Wälder am Obermain besteht aber nicht nur in der natürlichen Verjüngung der Baumarten. Auch für die Nachzucht von Forstpflanzen in Pflanzgärten und Baumschulen werden dringend Samen benötigt. "Herkunftsgerecht" heißt hier das Stichwort. Das heißt, für Aufforstungen darf nur Pflanzmaterial zum Einsatz kommen, das aus Saatgut passender Region und Höhenlage gewonnen wurde. Am besten natürlich aus den heimischen Waldbeständen vor Ort. Hagemann: "Dafür haben wir spezielle Erntebestände, die nach hohen Qualitätsstandards ausgewählt und gesetzlich zugelassen wurden. Die Ernte im nordbayerischen Staatswald wird vom Pflanzgartenstützpunkt Bindlach der Bayerischen Staatsforsten organisiert, ebenso die Abgabe an Baumschulen aus ganz Deutschland".


Samen werden geerntet

Und wann geht´s los mit der Ernte? - "Wir sind schon mitten drin", so der Forstbetriebsleiter, "das Pflücken der Douglasienzapfen im Frankenwald ist bereits abgeschlossen, hier am Obermain ist als Nächstes der Bergahorn dran." Bei beiden Baumarten dürfe man nicht zu lange warten, da ihre Samen oft schon sehr früh abfallen, besonders bei der derzeitig herrschenden Trockenheit. Erst im Oktober schließe sich dann die Bucheckernernte an. "Jede Ernteaktion im Wald und der weitere Weg vom Samen bis zur fertigen Forstpflanze wird von den Kollegen der Bayerischen Forstverwaltung nach dem Forstsaatgutgesetz streng kontrolliert. Damit wird sichergestellt, dass die nächste Waldgeneration den speziellen Wuchsbedingungen hier angepasst und damit gesund und leistungsfähig ist. Das ist unsere gemeinsame Verantwortung."

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren