Burgkunstadt
Stadtrat

Die Tage der Schule sind gezählt

Die Tage der Mainrother Grundschule sind gezählt. Heuer sollen schon keine Erstklässler mehr dort eingeschult werden. Dagegen regt sich Protest. Vor der Stadtratssitzung in Burgkunstadt taten Eltern und Kinder ihre Meinung kund.
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Die Grundschule in Mainroth Foto: Andreas Welz
Die Grundschule in Mainroth Foto: Andreas Welz
Die Tage der Schule in Mainroth sind gezählt. Bei der Sondersitzung des Burgkunstadter Stadtrats am vergangenen Mittwoch votierten die Fraktionen der Freien Wähler und der SPD dafür, keine Räumlichkeiten für eine erste Klasse im neuen Schuljahr zur Verfügung zu stellen. Die Fraktion der CSU stimmte dagegen. Die Abc-Schützen aus Mainroth werden in Burgkunstadt eingeschult, die Kinder aus dem benachbarten Mainleus werden nach genehmigten Gastschulanträgen die dortige Schule besuchen. Im Grundschulstandort Mainroth können die 2. und 4. Klasse auf Wunsch bis zur Vollendung der 4. Jahrgangsstufe verbleiben, so der Stadtratsbeschluss.
Zahlreiche Eltern nahmen an der Sitzung teil. Vor dem Rathauseingang protestierten Schüler aus Mainroth gegen die mögliche Schließung ihrer Schule. Schulamtsdirektor Norbert Hauck und Schulleiterin Gertrud Tischer erläuterten den Sachverhalt aus Sicht der Schule. Bürgermeister Heinz Petterich (Freie Wähler) bedauerte, dass aufgrund zurückgehender Schülerzahlen nicht mehr alle Kinder in dem gewünschten Schulhaus in Burgkunstadt oder Mainroth eingeschult werden könnten.

Klasseneinteilung abgelehnt

Schulleiterin Tischer hatte eine Klasseneinteilung vorgenommen, nach der zwei erste Klassen gebildet werden sollten - die eine am Standort Burgkunstadt, die andere am Standort Mainroth. Es sollte die Klasse 1a von Schülern aus der Kernstadt gebildet werden. In der Klasse 1b, die sie für Mainroth vorsah, sollten 26 Kinder im Jahrgang 2013/2014 eingeschult werden: drei aus Mainleus, fünf aus Mainroth, ein Kind aus Altenkunstadt,eines aus Kirchlein und eines aus Mainklein sowie zwei aus Theisau. Damit wäre mit 16 Schülern die Mindestzahl von 13 erreicht. Da in Burgkunstadt die 1a mit 28 Kindern bereits die Höchststärke erreicht hat und keine dritte Klasse gebildet werden kann, hat die Schulleiterin zehn Kinder aus dem Stadtgebiet der Mainrother Schule zuordnet: sieben aus Weidnitz, zwei aus dem Stadtkern und ein Kind aus Neuses.
Dieser Vorschlag wurde vom Stadtrat abgelehnt. Bei einer Elternversammlung in der Grundschule Burgkunstadt am 8. Juli wurde deutlich, dass die Eltern der Weidnitzer Kinder nicht gewillt waren, ihre Zöglinge in die Mainrother Schule zu schicken (unsere Zeitung berichtete).
Bürgermeister Heinz Petterich erläuterte die Hintergründe der Neuordnung der Klassen. Der bestehende Schulsprengel könne nur aufgrund entsprechender Gemeinde- und Stadtratsbeschlüsse der Kommunen Mainleus und Burgkunstadt aufgelöst werden. Nach der Rechtsverordnung der Regierung umfasse der Sprengel der Grundschule Burgkunstadt-Mainroth für die Jahrgangsstufen 1 bis 4 das Gebiet der Stadt Burgkunstadt und die Gemeindeteile Eichberg, Fassoldshof, Rothwind und Schwarzholz der Gemeinde Mainleus.
Da noch Klassen in Mainroth die Grundschuljahrgänge durchlaufen, sei es denkbar, einen Beschluss zu einem späteren Zeitpunkt zu fassen. So könnten die in Mainroth eingeschulten Kinder bis zum Abschluss der 4. Klasse dort bleiben. Unabhängig vom bestehenden Schulsprengel könne der Sachaufwandsträger der Grundschule entscheiden, welches Schulhaus er für die Beschulung zur Verfügung stelle, betonte der Bürgermeister, und: "Die Schule in Mainroth ist keine eigenständige Schule, sondern eine AußensteIle der Grundschule Burgkunstadt-Mainroth." Rechtlich sei es zulässig, dass im kommenden Schuljahr beide 1. Klassen in Burgkunstadt eingeschult werden. Das hieße aber, dass auch die Kinder aus Fassoldshof, Rothwind und Eichberg grundsätzlich nach Burgkunstadt fahren müssten. Hier bestünde dann formell die Möglichkeit, Gastschulanträge für den Besuch der Grundschule in Mainleus zu stellen.
Stadträtin Christine Frieß (CSU) brach eine Lanze für den Schulstandort Mainroth. Es sei Zielsetzung der bayerischen Politik, kleine Schulstandorte so lange wie möglich zu erhalten. Ferner seien Schule und Bildung nicht mit betriebswirtschaftlichen Maßstäben zu messen. "Ich appelliere an alle Beteiligten, sich so zu bewegen, dass eine Entscheidung für die Möglichkeit des Erhalts des Schulstandortes Mainroth machbar wird", sagte sie. Erst wenn die Schülerzahlen das Fortbestehen der Grundschule Mainroth einmal in Frage stellen, sollte ihrer Meinung nach diese Diskussion geführt werden. "Betrachtet man objektiv die Schülerzahlen der nächsten Jahre, wird der Schulstandort jedoch biologisch begründet gefährdet sein - trotzdem sollte man ihm für die nächsten vier Jahre eine Chance geben und nicht jetzt bereits den Todesstoß", unterstrich die Stadträtin.
Günter Knorr (CSU) erinnerte daran, dass seit der Gebietsreform vor 37 Jahren die Schule in Mainroth gemeinsam mit dem Kindergarten und dem Kinderhort Rothwind gut funktioniert habe. Als unverantwortlich bezeichnete er die Diskussion um Qualitätssicherung und Evaluierung. Marco Hennemann (CSU) nahm an, dass es den Eltern, die jetzt ihre Kinder nach Burgkunstadt schicken müssten, nicht um die 15 Minuten längere Busfahrt gehe. "Es ist wahrscheinlich die Angst, dass die Kinder zwangsweise in eine Schule versetzt werden, die die Eltern noch nicht einmal kennen", sagte er.
Hennemann berichtete von einer Bewertung der Schule, die alle fünf Jahre von einer unabhängigen Kommission durchgeführt werde. Danach sei Mainroth ein kleiner, familiärer, idyllischer Schulstandort mit einem kindgerechten und pädagogisch genutzten Schulumfeld. Als Jugendbeauftragter werde er keinem Beschluss zustimmen, der vorsehe, eine Kinder- und Jugendeinrichtung zu schließen.
Die Diskussion beschränkte sich ausschließlich auf CSU-Fraktion und den Bürgermeister. Die Freien Wähler und die SPD meldeten sich nicht zu Wort. Zweite Bürgermeisterin Gerlinde Konrad (SPD) stellte schließlich den Antrag auf Schluss der Debatte, der mit drei Gegenstimmen angenommen wurde.
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