Bad Staffelstein
Klima

Die Folgen der Trockenheit für die Bauern im Kreis Lichtenfels

Langsam macht die anhaltende Trockenheit den Landwirten und Gärtnern im Landkreis Lichtenfels zu schaffen. Für Bäume und Getreide stellt sich also die Frage: Wächst du noch oder vertrocknest du schon?
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Die Wintergerste wird jetzt schon gelb, der Raps blüht drei Wochen zu früh - wenn es nicht bald anhaltend regnet, werden die Bauern wohl Mindererträge einfahren.  Foto: Anja Greiner
Die Wintergerste wird jetzt schon gelb, der Raps blüht drei Wochen zu früh - wenn es nicht bald anhaltend regnet, werden die Bauern wohl Mindererträge einfahren. Foto: Anja Greiner
Vielleicht gibt es ja einen kleinen Landstreifen, an dem das Wetter perfekt ist? Irgendwo in der Mitte Bayerns, dort, wo wochenlange Trockenheit im Norden auf anhaltende Regenschauer im Süden trifft.

Sehr problematisch sei das heuer, sagt Hans-Jürgen Rebelein, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes in Lichtenfels. Er sitzt in seinem Büro und klingt doch so, als stünde er gerade inmitten der Felder, wenn er sagt: "Der Weizen ist schon drüber und der Raps schaut auch nicht mehr gut aus." Die Wintergerste werde stellenweise schon gelb, der Raps blüht schon drei Wochen vor der eigentlichen Erntezeit.

Je nach Standort, also bei besonders sandigem und flachgründigem Boden, sei beim Getreide derzeit mit Ausfällen bis zu 50 Prozent zu rechnen.

Ganz zu schweigen von Heu und Gras. Der erste Schnitt, die sogenannte Silage, ist schon eingebracht.
Unterdurchschnittlich sei der Ertrag bereits da gewesen, sagt Rebelein. Der zweite Schnitt in ein paar Wochen werde wohl stellenweise nicht einmal die Hälfte des üblichen Ertrages bringen.

Kurz: Im Futterbau werde es langsam eng, sagt Rebelein. Die Folge für die Landwirte: Haben sie nicht genügend Vorräte vom vergangenen Jahr, müssen sie entweder Futter zukaufen oder ihren Viehbestand reduzieren.
Früher, sagt Rebelein, hätte so eine anhaltende Trockenheit wenigstens die Preise erhöht - durch die Verknappung - und die Landwirte hätten damit einen Teil der Verluste wieder ausgleichen können.

Vor zwölf Jahren beispielsweise, da gab es die letzte, europaweite Dürreperiode. Heuer ist die Trockenheit auf kleine Gebiete regional beschränkt - während in Südbayern die Hänge rutschen, dürsten in Franken die Felder.
Rebelein schließt nicht aus, dass die anhaltenden Regenfälle auch im Süden noch zu Ernteausfällen führen können. Momentan jedenfalls sei im Landkreis Lichtenfels der Punkt erreicht, an dem noch etwas zu retten sei - wenn es denn in dieser Woche noch mindestens einen Tag durch regne.

Pflanzen und der Sonnenbrand
Für einen Wetterumschwung muss man jedoch nicht einmal Franken verlassen. Manchmal reichen auch schon elf Kilometer. So weit ist es von Josef Schröders Garten in Lichtenfels zu seinem Acker in Stublang. In Stublang, sagt der Gartenexperte, habe es wesentlich weniger geregnet als in Lichtenfels. Sein kleiner Weiher sei bereits seit acht Wochen ausgetrocknet.

"Ich leide richtig mit den Pflanzen mit", sagt Schröder.

Wenn die Sonne mit 30 Grad auf unbedeckte Stachel- und Johannisbeeren knallt, kann auch so ein Früchtchen schon mal einen Sonnenbrand bekommen. "Ich freue mich über jede Wolke, die am Himmel steht", sagt Schröder. Bedeckter Himmel und Temperaturen um die 25 Grad - so sehe richtiges Wachs-Wetter aus.

Die Kartoffeln jedoch, die wachsen auch im Trockenen. "Die stehen wie eine eins", sagt Schröder. Auch Tomaten und Gurken wachsen gut - wenn auch nicht ganz ohne die Unterstützung aus der Gießkanne. Allein der Mangold sei noch zögerlich. Gemüse und Obststräucher, rät Schröder, können zusätzliche mit Rasenschnitt gemulcht werden, das erhält die Feuchtigkeit.

Weniger Nässe führe auch dazu, dass sich die Zahl der Schnecken und Pilzschädlinge in Grenzen hält - andererseits gebe es dafür mehr Milben an den Blättern. Aber noch sei das alles harmlos, sagt Michael Stromer von der Umweltstation Weismain. Entscheidend für den Zustand der Pflanzen im Sommer ist auch, wie sie aus dem Frühjahr kommen. Wenn viel Schnee lag, konnte der Boden richtig durchfeuchten. Davon kann die Pflanze lange zehren.

Der Schnee war nun heuer dort, wo derzeit auch der Regen ist - meist woanders. Dennoch sieht Stromer die Bäume im Landkreis noch in einer guten Verfassung. "Die Linden und Kastanien sehen sehr gut aus."

Vom sogenannten Trockenstress seien die Bäume momentan noch weit entfernt. Der setze dann ein, wenn die Blätter zu trocken sind, um zu transpirieren und schließlich abfallen. Herbst im Sommer sozusagen.

Damit das nicht passiert, dafür könnten die Wetteraussichten derzeit nicht besser sein. Der oberfränkische Hobby-Meteorologe Stefan Ochs meldet: Vereinzelte Regenfälle am Donnerstagvormittag, gefolgt von einer Kaltfront, die gebietsweise Gewitter und kräftige Schauer mit sich bringt. Zumindest die Natur wird sich darüber freuen.

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