Eberhard Franke sitzt in der Küche neben der Backstube. Es ist kurz vor halb zwölf in Lahm, dem kleinen Dorf im Itzgrund. Draußen herrscht eine Temperatur um null Grad - in der Stube ist es mollig warm. Der Duft frischer Brotkruste liegt in der Luft. Bäckermeister Franke hat sein Tageswerk bereits fast geschafft - die Brote liegen in der Auslage im kleinen Laden, der vorne zur Straße raus geht - nebenan kühlt bereits der Ofen runter.
Franke lächelt. Der 68-Jährige freut sich über die Auszeichnung, die er heute in Coburg entgegennimmt. Den Goldenen Meisterbrief der Handwerkskammer zu bekommen, war schon immer ein Traum für ihn, der seit 1965 Bäckermeister ist. Die Belohnung einer Leidenschaft, oder eines Lebens, das viel Entbehrung aber auch Glück bereit hielt.
Franke sitzt jetzt am Tisch in dem Haus, in dem er inzwischen seit fast 59 Jahren lebt. Der Mehlstaub, der hier in der Stube auf dem Boden liegt, legt die Spur in seinem Leben, die im schlesischen Grünberg beginnt. Franke erzählt von der Bäckerei, die bereits sein Opa und sein Vater dort geführt hatten - die Bäckerei gibt es nicht mehr. Grünberg heißt heute Zielona Gora und liegt in Polen. Die Frankes wurden 1944 von dort vertrieben. Eberhard Franke war damals ein Jahr alt.
Als Eberhard Franke mit seinen Eltern nach Erlhof im Landkreis Lichtenfels kam, hat das Bäckerhandwerk die Familie ernährt. Frankes Vater bekam eine Anstellung in Bad Staffelstein. Bis Franke zehn Jahre alt war, blieb die Familie in Erlhof. Solange, bis der Bäcker in Lahm (Itzgrund) plötzlich verstarb.
Der Vater überlegte nicht lange und übernahm die Bäckerei. "Wir sind mit den Fahrrädern umgezogen", erzählt Franke und blättert in der Küche durch das Fotoalbum mit den schwarzweiß Aufnahmen. Nichts hatten sie damals, außer ein paar Kartons. "Aber viel Holz", sagt Franke. Holz, das sie mühsam gesammelt hatten, um den Ofen zu beheizen. "Mancher hat gesagt, der Bäcker hat mehr Holz als ein Bauer", lacht Franke.
Bis 1960, als er seine Gesellenprüfung abgeschlossen hat, ist in der Bäckerei Franke noch mit Holz und Kohlen geheizt worden. Da musste es beim Backen nach Gefühl gehen. "Man hat Kümmel in den Ofen geworfen", erinnert sich Franke, "wenn der geknistert hat, war der Ofen heiß."
Franke braucht für seine Erinnerungen eigentlich kein Fotoalbum. Er hat noch genau das Bild vor Augen, wie er als kleiner Bub die Bleche geputzt und wie er mit dem Fahrrad in den umliegenden Orten Brötchen verkauft hat.
"Früher haben die Leute Mehl gebracht und Brot bekommen", kramt Franke in seinen Erinnerungen. In erster Linie Brot und Brötchen gab es damals in den fünfziger und sechziger Jahren. In den Achtzigern und Neunzigern kamen dann Torten dazu. "Vor allem sonntags machten wir manchmal 20 Stück", sagt Franke. Den Mehltausch gibt es schon lange nicht mehr. Torten laufen heute immer noch, auch wenn das Geschäft schwieriger geworden ist.

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