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Altenkunstadt
Kandidatenfrage

Der erwartete Paukenschlag

In Altenkunstadt wird es aus den Reihen der CSU bei der Kommunalwahl wohl zwei Bewerber um das Bürgermeisteramt geben. Robert Hümmer fordert Georg Vonbrunn heraus.
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Bild mit Symbolcharakter: Melitta Braun und ihr Ehemann Altbürgermeister Eugen Braun gratulieren Robert Hümmer (links) zur Kandidatur. Eugen Braun war 1996 als amtierendes Gemeindeoberhaupt von Georg Vonbrunn abgewählt worden, nun könnte letzterem das gleiche Schicksal ereilen. Foto: Stephan Stöckel.
Bild mit Symbolcharakter: Melitta Braun und ihr Ehemann Altbürgermeister Eugen Braun gratulieren Robert Hümmer (links) zur Kandidatur. Eugen Braun war 1996 als amtierendes Gemeindeoberhaupt von Georg Vonbrunn abgewählt worden, nun könnte letzterem das gleiche Schicksal ereilen. Foto: Stephan Stöckel.
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Es war, als hätte Hitchcock bei den Christsozialen Regie geführt: Aus der Nominierungsversammlung am Samstagabend im katholischen Jugendheim wurde ein Wahlkrimi, wie er nicht spannender hätte sein können. Nachdem der erste Urnengang bei zwei ungültigen Stimmen mit einem Patt (24 zu 24) geendet hatte, brachte die zweite Abstimmung kurz nach neun Uhr die erlösende Klarheit: Mit 26 zu 24 Stimmen kürte die CSU ihren stellvertretenden Bürgermeister Robert Hümmer zu ihrem Bürgermeisterkandidaten für die Kommunalwahl im März 2014.
Das Nachsehen hatte der amtierende Bürgermeister Georg Vonbrunn von der Jungen Wähler Union (JWU), der auch das CSU-Parteibuch hat. 2008 war er noch als gemeinsamer Kandidat von CSU und JWU ins Rennen gegangen, diesmal wird er nur für die JWU antreten.
Nach außen hin war es ein Paukenschlag, doch intern hatte man schon damit gerechnet. "Die Gemeinsamkeit ist nicht mehr da", hatte man hinter vorgehaltener Hand vor der Sitzung immer wieder zu hören bekommen. Die Tatsache, dass die CSU eine eigene Nominierungsversammlung anberaumt und die große Resonanz, die die Veranstaltung gefunden hatte - von den 68 Mitgliedern des CSU Ortsverbandes waren 50 gekommen - deuteten darauf hin, dass etwas in der Luft lag. Kurz vor acht nahm der Wahlkrimi seinen Lauf: Walter Limmer, der sowohl Mitglied bei der CSU als auch bei der JWU ist, schlug Vonbrunn als Kandidaten vor. Sekunden später erhob sich die Hand von Melitta Braun zum Widerspruch: "Ich schlage Robert Hümmer wegen seiner Kompetenz und Bürgernähe vor. Er hat in den vergangenen Jahren als Zweiter Bürgermeister gut gearbeitet." Dann traten die Kandidaten in den politischen Ring. Vonbrunn, der seit 1996 die Geschicke Altenkunstadts lenkt, legte seine lange kommunalpolitische Erfahrung in die Waagschale: "Ich bin der dienstälteste CSU-Bürgermeister im Landkreis Lichtenfels." Zudem präsentierte er sich als Schuldensanierer: "Mitte der 90er Jahre hatten wir über 15 Millionen Euro Schulden. Es ist mir gelungen, die Schulden um rund 12 Millionen Euro abzubauen und so unsere Gemeinde wieder finanziell leistungsfähig zu machen." Hümmer hingegen rückte die Themen in den Mittelpunkt seiner ausführlichen Rede, mit denen er beim Wähler punkten möchte. Die Palette reicht von der Sanierung von Straßen und Plätzen über die Ansiedlung neuer Betriebe, solide Finanzen, Schule und Bildung bis hin zur kommunalen Zusammenarbeit. Bei letzterem Punkt schwebt ihm die Gründung eines gemeinsamen Stadtwerkes mit Nachbarkommunen vor. "Auf der Basis erneuerbarer Energien müssen wir eine gemeinsame Energieversorgung betreiben."
Hümmer plädiert für einen anderen Politikstil: "Ich möchte eine intensivere Einbindung der Bürger in anstehende Entscheidungsprozesse. Denn durch mehr Information zum frühestmöglichen Zeitpunkt werden Entscheidungen transparenter und besser nachvollziehbar."
In der anschließenden Debatte wurde deutlich, dass derzeit ein Riss durch die CSU geht. Gemeinderat Walter Limmer (JWU), der auch CSU-Mitglied ist, und Vonbrunn erinnerten Hümmer an ein Versprechen, dass dieser sowohl 2002 als auch 2008 gegeben haben soll: "Wenn wir dich zum Zweiten Bürgermeister wählen, dann kandidierst du nicht als Bürgermeister." - "Das ist eine Lüge: Ich habe nur 2002, aber nicht 2008 ein solches Versprechen abgegeben", konterte jener.
Die Retourkutsche seitens der Hümmer-Anhänger ließ nicht lange auf sich warten: Melitta Braun erinnerte Vonbrunn an eine Spende von 1000 Euro an die CSU, die er nach der gemeinsamen Nominierung 2008 in Aussicht gestellt hatte. "Ich habe die Summe überwiesen", rechtfertigte sich Vonbrunn. "500 Euro davon sind allerdings erst vor kurzem bei uns eingegangen", schränkte Schatzmeister Thorsten J. Schmidtke ein, was mit höhnischem Gelächter quittiert wurde.


Interview

Der eine ist Bürgermeister, und nun hat ihm die CSU, die auch seine Partei ist, eine Abfuhr erteilt. Er will bei der Wahl dennoch erneut antreten, dann eben nur für die JWU, seine Wählergruppierung. Der andere, Robert Hümmer, macht - trotz gleicher Parteizugehörigkeit - dem Bürgermeister das Amt streitig. Wir sprachen mit beiden über ihre Beweggründe.

FT: Herr Vonbrunn, wie geht es jetzt weiter?
Georg Vonbrunn: In Kürze wird die Vorstandschaft der JWU einen Termin für die Nominierungsversammlung festlegen.

Ihr Stellvertreter Robert Hümmer, vorgeschlagen von Gemeinderätin Melitta Braun, macht Ihnen Ihr Amt streitig. Ist das Verhältnis zu einigen Mitgliedern im Gemeinderat zerrüttet?
Vonbrunn: Was den Gemeinderat anbetrifft, werde ich meine gewohnte Linie fortführen. Das Wahlergebnis von heute Abend, wobei ich Wert darauf lege, dass es ein knappes Ergebnis war, hat vielmehr gezeigt, dass der Ortsverband der CSU gespalten ist. Zudem hat es Auswirkungen in anderer Hinsicht: Der Kreisverband wird mich bei der Festlegung seiner Liste für den Kreistag sicherlich nicht mehr berücksichtigen.

Das konservative Lager ist offensichtlich gespalten. Ist am Ende nicht der politische Gegner der lachende Dritte?
Vonbrunn: Diese Frage sollte sich vor allem mein Herausforderer aus den Reihen der CSU stellen. Ist nicht er schuld daran, wenn es dazu kommen sollte?

Was hat Sie, Herr Hümmer, dazu bewogen, Georg Vonbrunn den Fehdehandschuh hinzuwerfen?
Robert Hümmer: Aus der Bevölkerung wurde der Wunsch an mich herangetragen, gegen ihn zu kandidieren. Man hört, dass die Bürger nicht mehr so zufrieden sind mit der Amtsführung ihres Bürgermeisters. Auch seine Beliebtheit ist gesunken. Zudem hat mich das exzellente Wahlergebnis von 2008 dazu bewogen, gegen Georg Vonbrunn, mit dem ich bislang immer gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet habe, für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren. Ich hatte damals mit 2490 Stimmen das beste Ergebnis aller Gemeinderatskandidaten erzielt. Es waren sogar 17 Stimmen mehr als der Erste Bürgermeister erhalten hatte. Das ist für mich ein deutlicher Wählerauftrag.

Sie treten als Christsozialer gegen Georg Vonbrunn an, der ebenfalls aus ihrem politischen Lager stammt. Gehen Sie damit nicht ein Risiko ein?
Hümmer: Sicherlich ist die Gefahr gegeben, dass am Ende der politische Gegner davon profitiert. Darum gilt es jetzt, alle bei der CSU und der JWU von meiner Kandidatur zu überzeugen.

Warum sollte jemand Sie wählen, wo doch in den vergangenen Jahren- auch nach Lesart der CSU - Bürgermeister Georg Vonbrunn immer alles richtig gemacht hat?
Hümmer: In der Öffentlichkeit wurde diese Sichtweise verbreitet, hinter den Kulissen konnte man ganz andere Meinungen hören.
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