Bad Staffelstein

Der Klang zum Karfreitag

Zwei Bamberger Musikstudenten boten in Bad Staffelstein am Karfreitag eine Meditation auf durchschlagende Art.
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Sarah Rempe und Felix Uttenreuther luden mit ihren Klängen zur Meditation ein. Foto: Markus Häggberg
Sarah Rempe und Felix Uttenreuther luden mit ihren Klängen zur Meditation ein. Foto: Markus Häggberg
Unerhört. Das wollte man auch herausfordern, aufs Holz schlagen dazu und gar an einem "stillen Tag". Nein, stille Einkehr gelang so nicht. Gut so, denn still dürfte es bei einer Kreuzigung ohnehin nie zugegangen sein. Sarah Rempe und Felix Uttenreuther trommelten laut Flyer am Karfreitag in der Georgenkapelle "unerhörte Klänge an einem stillen Tag". Das war keine Auflehnung gegen Feiertagsruhe, das war Meditation auf durchschlagende Art.

Zwei junge Bamberger, die in Nürnberg Musik studieren, waren dem Pastoralreferenten Josef Ellner aufgefallen. Der nun, gemeinsam mit Pfarrer Helmuth Bautz eine Betrachtung zum Karfreitag planend, erinnerte sich der beiden Schlagwerker. Was, wenn man den Begriffe "Ans Kreuz schlagen" mit "Aufs Holz schlagen" miteinander verbinden könnte? Dazu präsentiere man zynische Szenen aus dem modernen Medienalltag und überlasse das Publikum der eigenen Verwirrung und Betrachtung. So ungefähr ließe sich zusammenfassen, was an die hundert Besucher in der Kapelle erwartete und worüber sie staunten.

Gekreuzigt wird noch immer. Auf andere Weisen. Und der medialen Welt gelingt es zunehmend, Gewalt scheinbar zu ästhetisieren und in Selbstverständlichkeit in die Wohnzimmer zu flimmern. Das war eine Grundannahme des Abends. Eine weitere sprach davon, dass Gewalt keine Zuschauer kenne, sondern nur Opfer und Täter. Der zuschauende Gaffer, der Fernsehkonsument, der mit Gewalt berieselt wird, abstumpft und eine Pizza zu Mord und Totschlag bestellt oder während der Nachrichten zur Bierflasche greift, könnte sogar beides sein. Aber wer sieht das schon so?

Im Wechselspiel verschachtelter Rhythmen und subtiler Gedankengänge gelangen eineinhalb Stunden so musikalisch wie gerechtfertigt irritierend.

Wie viele Noten Rempe und Uttenreuther im Laufe des Abends wohl getrommelt und angeschlagen haben? Unzählige. Virtuos, was die Musikpreisträger auf Marimbaphon und Mallet zu Wege brachten, Begeisterung und Faszination für und an Präzision und Klang weckend. Und zwischen all den modernen Kompositionen für Schlagwerk etwa das Studio Jerusalem mit dem als Korrespondent auftretenden Ellner, der, sachverständig für Kreuzigungen, die Form des Kreuzes und alle Einzelheiten eines dort eintretenden Erstickungstodes beschrieb. Stürbe Jesus heute, wäre dem doch so, so die Botschaft, und die zielte auf den Betrachter und Zuhörer. Aber sie hatte noch eine weitere Botschaft, eine ganz theologische: Die Größe des Kreuzigungsopfers. Aufs Holz geschlagen hinterließ Eindruck und zwang zur Reflektion.

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