In grünen Sakkos und mit weißen Federn an den Hüten haben die Schützen der Königlich Privilegierten Scharfschützengesellschaft Lichtenfels mit ihrem Umzug am Freitagabend das Schützenfest eingeläutet. Gegen 18.30 Uhr begannen die 18 Musiker der Teuschnitzer Stadtkapelle zu spielen. Besonders stach eine der Klarinettistinnen hervor, die im Gegensatz zu den anderen keine Uniform trug. "Die habe ich zu Hause vergesse, das passiert eben ab und zu", sagte sie etwas kleinlaut. Bernd Jungkunz, der Dirigent, nahm es gelassen: Mitspielen dürfe sie deswegen trotzdem.

Offenbar wirkte die Blasmusik der Teuschnitzer wie ein Weckruf für die Schützen, denn nach und nach erreichten immer mehr von ihnen den Marktplatz. In Gruppen standen sie beieinander und tranken rund 150 Liter Freibier, das schon gegen 19.30 Uhr allmählich ausging. Kurz darauf setzte sich der Festzug, den die Polizei eskortierte, in Bewegung. Nach rund zehn Minuten erreichte der Zug den Schützenanger, wo das Schützenfest schon in vollem Gange war. Es war so viel los, dass sich die Herren in Grün und die Damen regelrecht durch die Festbesucher in Richtung Festzelt quetschen mussten.

Dort war die Lichtenfelser Bürgermeisterin Bianca Fischer für einen Moment die Hauptperson, da sie das Fass anzapfen durfte. Mulmig sei es ihr dabei gewesen, gab sie hinterher zu. Nicht etwa, weil sie darin keine Erfahrung gehabt hätte; der Grund war ein anderer: "Der Braumeister sagte mir, dass er sich etwas Besonderes hat einfallen lassen." Eine Gemeinheit war es zumindest nicht, immerhin zapfte sie das Fass glatt mit einem Schlag an. So glimpflich sei das in der Vergangenheit nicht immer abgelaufen.

"Auf die Schläge kommt es gar nicht an, sondern wie viel Bier ich abbekomme, weil dann alles riecht", erklärte sie. Einmal sei es ihr sogar passiert, dass das Fass vorher extra hin- und hergerollt wurde, damit es kräftig spritzt, wenn sie versucht, es anzustechen. Nach dem Anstich saßen die Schützen gemeinsam im Festzelt und ließen den Abend ausklingen. Für gebrannte Mandeln oder eine Runde im Autoscooter bleibt ihnen noch bis zum 23. Juli Zeit, dann endet das Fest.