Bad Staffelstein
Merkfähigkeit

Das Hirn braucht stets Impulse

Der Gedächtnistrainer Gregor Staub zeigte rund 500 Zuhörern in der Staffelsteiner Adam-Riese-Halle die Methoden auf, sich Sachverhalte leichter zu merken. Mit Wortwitz und Sachverstand gewann er das Publikum schnell für sich.
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Nach seiner "Gedächtnis-Show" suchten viele das Gespräch mit dem Gregor Staub. Foto: Mario Deller
Nach seiner "Gedächtnis-Show" suchten viele das Gespräch mit dem Gregor Staub. Foto: Mario Deller
Der Schüler hadert mit den Englisch-Vokabeln, die einfach nicht in den Kopf wollen, die Mutter will von unterwegs den Sohn anrufen, kann sich dessen Handynummer aber partout nicht einprägen - und wie viele von uns tun sich ein wenig schwer, die Namen aller Bundeskanzler in richtiger Reihenfolge aufzusagen? Beim Versuch, uns etwas zu merken, stoßen wir oft an Grenzen. Genau hier setzt der renommierte Gedächtnistrainer Gregor Staub an, der am Donnerstag in der Adam-Riese-Halle mit ungewöhnlichen, aber wirksamen Merk-Tricks mehr als 500 Zuhörer verblüffte und prächtig unterhielt.
Zwei Flipcharts sind das einzige Hilfsmittel auf der Bühne, die der 59-jährige Schweizer benutzt. Schnell gelingt es dem wortgewandten Staub, das Publikum auf seine Seite zu ziehen: "Was sagen Sie, wenn ich behaupte, dass Sie sich zehn- oder gar 20-stellige Zahlen in kurzer Zeit merken können und dass es möglich ist, 150 Vokabeln zu merken - und diese auch dauerhaft im Kopf zu behalten?" Schmunzeln und fast ungläubiges Gelächter im Publikum. Und schon hatte der Schweizer, der mit seinen Gedächtnis-Tricks auch schon bei "Wetten, dass ..." auftrat, die Neugierde der Zuhörer entfacht.

Mental zum Fünfjährigen werden

Mit der stupiden "Holzhammer"-Lernmethode gelängen solche Merkleistungen wohl nur wenigen von uns. Sich auf Neues einzulassen, das sei die einzige Grundbedingung seiner Lernmethoden, erklärte Staub: "Sie müssen in den kommenden beiden Stunden mental einfach wieder zum Fünfjährigen werden." Dass man nie zu alt sei, um etwas Neues dazuzulernen, dafür sei seine Mutter das beste Beispiel, sagte er: "Sie hat sich mit 84 Jahren den Umgang mit einem iPhone angeeignet und sich jetzt, zum 86. Geburtstag, ein moderneres Gerät gewünscht."
Auf interaktive Art und Weise bezog Staub das Publikum in seine Methodiken ein, mit denen es gelingen könne, sich Dinge wesentlich schneller als auf herkömmliche Art zu merken. Quasi als Eselsbrücken verwendete er Gegenstände oder Standorte in der Adam-Riese-Halle, die zu verrückt klingenden, aber wohl gerade deshalb einprägsamen, sich im Kopf verankernden Assoziationen wurden. So lernten auch diejenigen im Publikum, die dieses Wissen vormals noch nicht parat hatten, auf kurzweilige Weise die Namen der letzten zehn US-Präsidenten. "Der Münchner sagt zum Filzstift: Kenn i di?" - Kennedy - und dort oben auf der Tribüne suchen welche Schutz im Regen - Reagan. Immer wieder sind seine Wortverknüpfungen mit einer Portion Humor gewürzt: "Ja, und beim Bush junior sind viele Meinung, der war eine - Flasche!", grinste Staub und zeigte auf das auf dem Boden der Bühne stehende Mineralwasser.
Auch die 14 deutschen Gesundheitsminister, die elf bekanntesten Komponisten und sämtliche EU-Länder merkten sich die Zuhörer auf solche Art.

Rechenaufgaben als Spielereien

Wieviel ist 726 341 mal 17? Bei Rechenaufgaben wie dieser glühen die Gehirndrähte normalerweise. Geht es nach Staub, werden auch derlei Aufgaben zum Kinderspiel. Er erklärte seine effektive Methode.
Die von ihm angepriesenen Lernprodukte - der ohne Gage auftretende Gedächtnistrainer nutzt Veranstaltung wie diese in auch als Werbung - richteten sich daher vornehmlich an Eltern, die ihre Kinder bei schulischen Aufgaben unterstützen möchten. Motivation sei für ihn dabei der Schlüssel, unterstrich der Referent. Seine Lernmethoden hätten bei Kindern einen Effekt ähnlich wie bei einem Videospiel: "Schüler, die bei meiner Methode auf einem gewissen Level sind, haben sich so darin verbissen, dass sie schnellstmöglich die nächsthöhere Schwierigkeitsstufe erreichen wollen - und machen deshalb oft von sich aus mit Begeisterung einfach weiter."
Mit Esprit erklärte Staub abschließend eine Stichwort-Methode, mit der man sich innerhalb kürzester Zeit gleich mehrere Witze merken könne. So trainierte der Gedächtnistrainer Staub ganz nebenbei auch die Zwerchfellmuskeln des Publikums mit dem Witz darüber, wie oft im Wort "Bonanza" der Buchstabe "d" vorkommt. Die Antwort lautet 57: damm-dadadadda-damm, damm, damm- daradadadadada ..."

Positiv aufgenommen

Wenngleich die praktische Umsetzung dieser Methoden im Alltag auf einem anderen Blatt steht, waren die Reaktionen der Zuhörer nach der Veranstaltung fast durchweg positiv. So meinte etwa die zehnjährige Katharina Süppel aus Lichtenfels: "Ich hab den Herrn Straub zum ersten Mal live erlebt. Er ist auch sehr lustig." Die Schülerin, die bereits CDs von dem Gedächtnistrainer zuhause hat, ergänzte: "Das hilft schon beim Lernen." Selbst diejenigen, die sich die Lern-Sets des Gedächtnistrainers nicht leisten wollen, nahmen durch die Veranstaltung etliche Anregungen für sich oder ihre Kinder mit nach Hause.
Die rund 500 Zuhörer am Abend sowie die Schüler, denen Staub seine Lernmethoden bereits zuvor am Vormittag nahe gebracht hatte, kennen jetzt nicht nur die Namen der EU-Staaten und der letzten zehn US-Präsidenten, sie gewannen vor allem die Erkenntnis, dass es sich durchaus lohnen kann, einmal eingetretene Pfade zu verlassen, um dem Oberstübchen neuen Schwung zu verleihen.


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