Prügel
Informationsabend

Dank Nahwärme ein Bioenergiedorf

Der Verein Energievision Frankenwald stellte in Prügel ein Projekt vor, dessen Idee von Doris uns Jochen Leickeim stammt. Die beiden bauen zurzeit zwischen Prügel und Baiersdorf eine Biogasanlage.
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"Es wäre schön, wenn wir der Preistreiberei der Ölmultis entfliehen könnten". Renate Schrape (73) und ihr Mann Wolfgang (75) finden die Idee, den Altenkunstadter Ortsteil Prügel mit Nahwärme aus einer Biogasanlage zu versorgen, interessant. Allerdings müsse das Ganze im finanziellen Rahmen bleiben, so das Rentnerehepaar. Aus dem Altenkunstadter Ortsteil Prügel ein Bioenergiedorf zu machen, darum ging es bei einer Informationsveranstaltung am Montagabend im Kulturstadel von Prügel.

Im Verlaufe des Abends kristallisiert sich heraus, dass die fiskalische Seite für viele Teilnehmer an der Informationsveranstaltung der Dreh- und Angelpunkt ist. Diplom-Geograph Christoph Fröhlich, der am Entstehen mehrerer Bioenergiedörfer im Frankenwald als Projektmanager im Nahwärmebereich maßgeblich beteiligt war, beziffert die Anschlusskosten auf 5000 bis 10 000 Euro. Sein Kollege Martin Kastner, der zweite Referent des Abends und von Beruf ebenfalls Diplom-Geograph, ist überzeugt: "Das Vorhaben, das sich kostengünstig realisieren lässt, ist eine Chance für Prügel." Er gehört dem Verein Energievision Frankenwald an, der seit Jahren solche Projekte anstößt. Daraus wiederum hat sich die Energie Vision Franken GmbH entwickelt, die diese bis zur Baureife begleitet. Für letztere ist Fröhlich tätig.

Die Idee, den Ortsteil Prügel mit Nahwärme zu versorgen, kommt von den Landwirten Doris und Jochen Leikeim aus Zettlitz, die derzeit zwischen Prügel und Baiersdorf eine Biogasanlage mit einer Leistung von 250 Kilowatt errichten. "Durch den Verstromungsprozess im Blockheizkraftwerk fällt neben der elektrischen Energie, die in das öffentliche Stromnetz eingespeist wird, auch rund 250 Kilowatt thermische Energie an. Damit könnten wir rund zehn bis 15 Haushalte mit Wärme versorgen", erklärt Doris Leikeim, die den Kontakt zum Verein hergestellt hat. Für den Fall, dass eine Vollversorgung aller Haushalte gewünscht werde, müsste man zusätzlich noch einen Hackschnitzelkessel bauen. Nach Auskunft der Rednerin werden die Bauarbeiten voraussichtlich im Herbst dieses Jahres beendet sein.

Im nächsten Jahr ließe sich dann, schloss Fröhlich an, ein Nahwärmenetz realisieren. Die Umstellung auf Bioenergie schone den Geldbeutel und die Umwelt. Die jährliche Ersparnis verglichen mit einem Heizölverbrauch von 3000 Litern beziffert der Fachmann auf rund 1000 Euro. "Für die Kilowattstunde Nahwärme zahlen sie sieben bis neun Cent. Das ist günstiger als Öl, für das sie umgerechnet über zehn Cent für die Kilowattstunde bezahlen müssten." Die Kosten für den Kaminkehrer könnten sich die Hausbesitzer sparen, sofern keine fossilen Heizkessel mehr betrieben würden.

Der Redner zeigte den Zuhörern eine kleine Platz sparende Übergabestation, die das Bindeglied zwischen Hausanschluss und Hausanlage ist. Dadurch entfielen der Kesselraum und die Brennstofflagerung, die für andere Dinge verwendet werden könnten. An weiteren Vorzügen nannte er die Versorgungssicherheit mit Energie aus der Region und die Mitbestimmung bei der Preisgestaltung. Für den Bau eines solchen Nahwärmenetzes ist die Gründung einer Betreibergesellschaft vonnöten. "Das Netz gehört somit allen Beteiligten", stellt Fröhlich klar.
Er schlug vor, die Rohre für das Netz unter den Gehwegen zu verlegen. Dies komme günstiger, als wenn man die Straße aufreißen müsse. Die Kosten für den laufenden Meter einschließlich Tiefbau und Rohrleitungen beziffert er auf 200 Euro.

Aus den Reihen der Bürger kam der Vorschlag, einen Teil der Rohre im Zuge des geplanten Baus eines Wirtschaftsweges von Maineck über Prügel nach Baiersdorf zu verlegen. Bürgermeister Georg Vobrunn (JWU)begrüßte die Idee, wies zugleich aber darauf hin, dass der Bürger, der sein Grundstück nicht hergeben wollte, gegen die Enteignung seines Grund und Bodens beim Verwaltungsgericht Klage erhoben habe.
Wie es um die Anschlussbereitschaft und den Energiebedarf in Prügel bestellt ist, soll in einer Fragebogenaktion ermittelt werden. Nicht abgeneigt, sich am Bau eines Fernwärmenetzes zu beteiligen, ist Joachim Neidlein, Vorsitzender des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins. "Es würde nicht nur Energiekosten sparen, sondern wäre auch ökologische eine sinnvolle Maßnahme."
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