Lichtenfels

Crystal Meth ist weiter eine Gefahr

Auf Einladung von MdL Emmi Zeulner kam die Drogenbeauftrage der Bundesregierung, MdB Marlene Mortler, zu einem runden Tisch in die Polizeiinspektion Lichtenfels. Gemeinsam wurde eine Strategien gegen Crystal Meth erörtert.
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Die Designerdroge Crystal Meth ist weiterhin eine große Gefahr in Oberfranken, vor allem für Jugendliche. Foto: dpa
Die Designerdroge Crystal Meth ist weiterhin eine große Gefahr in Oberfranken, vor allem für Jugendliche. Foto: dpa
"Crystal Meth ist eine furchtbare Droge, die dem Konsumenten Leistungsfähigkeit und Selbstbewusstsein vortäuscht. In Wahrheit zerstört sie ihn jedoch physisch wie psychisch. Vom tschechischen Grenzgebiet aus hat sich Crystal bis zu uns nach Oberfranken und zwischenzeitlich im ganzen bayerischen und bundesdeutschen Raum ausgebreitet. Politik, Sicherheitsbehörden und Bürger müssen alle gemeinsam an einem Strang ziehen, um dieses dringliche Problem zu lösen und die Menschen zu schützen", betont die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner (CSU).
Um die Problematik zu erörtern und Lösungsansätze zu finden, hatte Emmi Zeulner, Berichterstatterin der CDU/CSU-Fraktion für das Gebiet Drogen und Suchtmittel, die Drogenbeauftrage der Bundesregierung, MdB Marlene Mortler (CSU), zu einem runden Tisch in die Polizeiinspektion Lichtenfels eingeladen.
Mortler kündigte an, sie werde ihre Erkenntnisse aus der Begegnung als Anregung für einen bereits in Arbeit befindlichen neuen Leitfaden zum Thema einbringen. Zeulner wird sich für eine bessere Personalausstattung in der Suchtprävention Oberfrankens einsetzen.


Fächerübergreifende Runde

Über die Arbeit vor Ort informierten der Vizepräsident des Polizeipräsidiums Oberfranken, Werner Mikulasch, der Sachgebietsleiter Verbrechensbekämpfung des Polizeipräsidiums Oberfranken, Harald Osel, der Leiter der Polizeiinspektion Lichtenfels, Willibert Lankes sowie die Drogenpräventionsberater Karin Brandl (Coburg/Lichtenfels), Peter Stenglein (Kulmbach/Bayreuth), Jürgen Groß (Bamberg) und Thomas Schmalfuß (Hof).
"Zwar ist in punkto Drogenbekämpfung schon viel erreicht worden, doch gibt es noch großen Handlungsbedarf", unterstrich MdB Emmi Zeulner. Drogenbeauftragte Marlene Mortler betonte: "Eine Zusammenarbeit mit allen maßgeblichen Stellen ist Grundvoraussetzung für eine Verbesserung der Situation. Wir kämpfen an allen Fronten, doch die Drogenbekämpfung ist ein unheimlich vielfältiges Feld."


Lagebeurteilung der Polizei

Mehr Unterstützung von Seiten der Öffentlichkeit und der Politik wünscht sich die Polizei, sowohl was die Drogenkriminalität als auch die Prävention anbelangt. Polizeivizepräsident Werner Mikulasch hob hervor, dass Crystal Meth weiterhin ein Problem in Oberfranken darstelle, wenngleich die Zahlen geringfügig niedriger seien als noch vor einigen Jahren. Die Fälle mit Crystal seien nur deswegen rückläufig, weil Beschlagnahmungen immer schwieriger würden. Dies liege zum einen daran, dass vieles auf dem Postweg transportiert werde, zum anderen daran, dass die Täter immer neue Verstecke und Transportwege finden, beispielsweise durch den Umbau von Fahrzeugen. Ein weiteres Problem seien Personalengpässe der Polizei aufgrund von Großveranstaltungen, so Mikulasch.


Viele Wege des Drogenvertriebs

Von den schätzungsweise elf Tonnen in Tschechien produzierten Mengen Crystal seien vier bis fünf Tonnen über verschiedene Vertriebswege nach Deutschland, Oberfranken und in die Oberpfalz gelangt, führte der Polizeivizepräsident aus. Habe es früher nur kleine Labore in Tschechien gegeben, so entstünden in jüngster Zeit immer mehr Großküchen. Problematisch sei außerdem, dass die tschechischen Behörden durch die dortige Gesetzgebung weniger Handhabe hätten und die Zahl der Rauschgiftfahnder geringer sei. Auch würden die Täter immer raffinierter.
Die Zusammenarbeit der Drogenfahnder innerhalb Bayerns funktioniere sehr gut, ebenso in der Regel mit den tschechischen Kollegen, hob Werner Mikulasch hervor. Schwierig gestalte sich jedoch die Zusammenarbeit mit der polnischen Polizei, wo der Grundstoff für Crystal herkomme. Die polnischen Kollegen seien sehr zurückhaltend bei Interventionen.
Jedoch sei nicht nur Crystal ein Problem in Oberfranken, sondern zunehmend auch die bisher frei verkäuflichen Neuen Psychoaktiven Substanzen (NPS), auch bekannt als sogenannte Kräutermischungen. Zeulner unterstrich: "Hier müssen wir endlich zu einer wasserdichten gesetzlichen Regelung kommen. Das Thema brennt mir unter den Nägeln. Insbesondere nachdem es im Sommer zu zwei tragischen Todesfällen in Kulmbach kam. Ich habe mich sowohl gegenüber unserem Justizminister, als auch innerhalb der CDU/CSU-Fraktion wiederholt für ein Verbot der NPS stark gemacht."


"Gesetzentwurf ist auf dem Weg"

Mortler machte deutlich, dass die Bundesregierung hier handle: "Wir haben bereits einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, der die Herstellung, den Handel und die Verbreitung mit Neuen Psychoaktiven Substanzen verbieten soll."
Einhellig beklagten die Vertreter der Polizei, dass die Suchtprävention im Bereich Drogen nicht stark genug ausgeprägt sei, da der Verbund staatlicher und nichtstaatlicher Organisationen zu schwach aufgestellt sei ebenso wie der öffentliche Gesundheitsdienst. Sie wünschten sich mehr "Man-Power" durch hauptamtliche Berater, eine Aufnahme des Themas Suchtprävention in die Lehrpläne der Schulen und einen ganzheitlichen Ansatz dazu.
"Wir brauchen Früherkennungssysteme und müssen die Suchtmechanismen aufzeigen", meinte Peter Stenglein. Werner Mikulasch forderte: "Wir müssen die Schüler stärken, dass sie Drogen jeglicher Art widerstehen." Lehrer und Eltern sollten intensiv mit in die Präventionsprogramme einbezogen werden.
"Trotz aller gegenwärtigen anderen politischen Herausforderungen und Aufgaben muss es möglich sein, Präventionsarbeit zu leisten", betonte Marlene Mortler. "Mein Thema ist auch die Gesundheitspolitik, und ich weiß, dass 90 Prozent der Drogenkonsumenten gesundheitliche Schäden davontragen. Gespräche mit den Menschen, die an der Basis arbeiten, bringen für mich entscheidende Erkenntnisse. Gerade die Polizei hat eine ganz wichtige Funktion in punkto Prävention, das Treffen in Lichtenfels war für mich die Bestätigung."
"Prävention heißt Handeln, bevor die Sucht entsteht - das muss einer unserer zentralen Ansatzpunkte sein ebenso wie die Durchsetzung gesetzlicher Schutzmaßnahmen bezüglich legaler und illegaler Drogen. Kinder und Jugendliche müssen besser geschützt und aufgeklärt werden", so Emmi Zeulner. Sie werde sich auf allen Ebenen für eine adäquate Personalausstattung in der Suchtprävention in Oberfranken stark machen. red
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