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Lichtenfels
Sommerinterview

Chef, Arzt und vor allem Mensch

Chefarzt Dr. Bernd Greger hat viele Aufgaben. Sich um seine Patienten zu kümmern, sieht er als erste Verpflichtung an.
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Kunst im Arbeitszimmer: Für Chefarzt Bernd Greger hat das Gemälde eine besondere Bedeutung. Der Mann einer Patientin hat es gemalt und ihm geschenkt. Der war wohl sehr zufrieden mit der Behandlung. Foto: Popp
Kunst im Arbeitszimmer: Für Chefarzt Bernd Greger hat das Gemälde eine besondere Bedeutung. Der Mann einer Patientin hat es gemalt und ihm geschenkt. Der war wohl sehr zufrieden mit der Behandlung. Foto: Popp
Dr. Bernd Greger steht als Leiter der Chirurgie und Ärztlicher Direktor des Helmut-G.-Walther-Klinikums nicht nur selbst täglich im Operationssaal. Er hält zweimal im Jahr Seminare für Medizinstudenten. Ausbildung ist ihm wichtig. Der Vater von fünf erwachsenen Kindern lebt mit seiner Ehefrau Barbara in Schney. Er hat in den inzwischen fast 20 Jahren am Lichtenfelser Krankenhaus viele Verbesserungen für Krebspatienten initiiert - etwa eine psychologische Beratungsstelle im Haus, oder das interdisziplinäre Arbeiten zum Wohl des Patienten durch die Gründung der ersten Tumorkonferenz Oberfrankens gefördert. Heute gehört das zu jedem Klinikum. Er ist Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Darmkrebszentren, gegründet 2007 auf Kloster Banz mit jetzt über 200 Mitgliedern.

Herr Dr. Greger, Sie kümmern sich seit Jahren um verschiedene Ausbildungsprogramme, halten Seminare für Studenten, waren von Anfang an bei der Weiterbildungsinitiative Lichtenfels mit im Boot. Geben diese Aktivitäten Anlass zu Optimismus, was den Ärztenachwuchs für den ländlichen Raum angeht?
Bernd Greger: Das ist ein sehr schwieriges Feld. Wir hatten da große Sorgen, bevor die Weiterbildungsinitiative gestartet wurde. Durch diese hatten wir bisher 26 junge Leute am Klinikum, die ersten acht haben sich schon niedergelassen. Wir haben jedes Jahr zwei, drei aus der Weiterbildungsinitiative hier als Assistenten. Ohne diese Geschichte sähe es schlecht aus. Wir haben gute Leute, aber von meinen Assistenten gibt es nur einen, dessen Muttersprache Deutsch ist - und der kam durch die Weiterbildungsinitiative zu uns.
Jetzt ist die Zusammenarbeit mit der Universität Split angelaufen.
Das ist eine tolle Geschichte. Letztes Jahr im November sind wir das erste mal nach Split geflogen, im Dezember kam eine Delegation aus Split hierher, und im März 2016 haben wir den Vertrag unterschrieben. Die ersten 25 fangen jetzt am 1. 10. das Studieren an.

Die haben Sie schon kennen gelernt.
Die haben wir ausgesucht und auf Herz und Nieren geprüft.

Wie ist Ihr Eindruck?
Würde ich jeden sofort einstellen. Das sind aufgeweckte junge Leute.

Zurücklehnen kann man sich mit diesen 25 angehenden Medizinern aber nicht.
In den nächsten drei Jahren, bis die Studenten aus Split zu uns kommen, müssen wir die Logistik schaffen. Räumlichkeiten und Unterkünfte bereitstellen. Und wir müssen vor allem das Personal für die Lehrbefähigung qualifizieren.

Anfang September werden Sie vorraussichtlich zum Professor der Universität Split berufen. Bedeutet das, dass Sie dann auch häufig dort sein müssen?
Wir werden überwiegend hier arbeiten. Aber wir werden im Rahmen der Austauschprogramme auch mal dort Einblicke in unsere Arbeit geben. Und wir wollen, dass hier ab und zu Gastprofessoren aus Split auftreten. Das wird auch wissenschaftlich ein gewisser Austausch werden. Split ist eine ernstzunehmende internationale Universität. Die haben viele internationale Partner, zum Beispiel in Israel oder in den USA.

Hat es Sie nie gereizt, an eine große Klinik zu wechseln?
Eigentlich nicht. Dadurch, dass ich an mehreren Universitätskliniken gearbeitet habe, bevor ich nach Lichtenfels kam, habe ich ein sehr großes Netzwerk heute. Wir haben die Versorgung des Landkreises als Auftrag angenommen. Ich ärgere mich manchmal darüber, dass größere Kliniken meinen, sie könnten irgendetwas besser. Wir haben ja letztes Jahr eindrucksvoll gezeigt, dass wir, was die Fünf-Jahres-Überlebensraten unserer Darmpatienten betrifft, zehn Prozent über Oberfrankenniveau liegen, ähnlich auch in Bayern. Wir müssen uns nicht verstecken.

Minimal-invasive Operationstechniken nehmen zu. Wie sieht das am Lichtenfelser Klinikum aus?
Wir sind, was die laparoskopische Chirurgie betrifft, sehr weit fortgeschritten. Ich habe vorhin erst wieder eine Darmkrebsoperation auf diese Weise gemacht. Gallen, Blinddärme, Magenplastiken - das wird heute alles minimal-invasiv gemacht. Wir sind immer bemüht, vorne dranzubleiben.

Dem Klinikum stehen als Lehrkrankenhaus, aber auch mit dem Umzug in das neue Gebäude aufregende Zeiten bevor. Macht so viel Neues Sie unruhig?
Es macht Unruhe im Haus. Ich persönlich sehe das entspannt. Es ist nicht mein erster Umzug, ich habe in Tübingen als Assistenzarzt schon einmal einen mitgemacht. Alles, was an Problemen auftritt, wird zu lösen sein.

Sie haben sich in der Vergangenheit nicht gescheut, offen Kritik an den Bedingungen zu äußern, unter denen Ärzte arbeiten müssen. Die Überhand nehmenden Dokumentationspflichten haben Sie in einer Podiumsdiskussion einmal als Zertifizitis bezeichnet. Ist das ein Kampf gegen Windmühlen?
Man wird nicht viel ändern können. Da müsste sich die Gesellschaft ändern. Das Problem liegt ja daran, dass die Gesellschaft immer mehr meint, alles kontrollieren zu müssen. Nicht nur uns Ärzte. Verschärft wurde das Ganze durch das DRG-System (pauschaliertes Abrechnungsverfahren für Krankenhauspatienten nach Fallgruppen, die Red.). Dieses System führt dazu, dass wir jetzt überall, da brauchen Sie sich nur mal umschauen, Verbünde mit Geschäftsführern haben, die nicht wenig verdienen und uns Chefärzte im Prinzip als mittlere Angestellte, als Leistungserbringer betrachten, die jederzeit austauschbar sind. Ich habe mich immer noch ein wenig anders als als Dienstleistungserbringer betrachtet. Dann ist man auch bereit, mehr zu tun. Wenn man nur noch Dienstleister ist, macht man acht Stunden am Tag, und dann ist's gut.

Wie gelingt es trotzdem, motiviert zu bleiben?
Gute Frage. Wenn Sie die Dinge nicht mehr machen, dann finden sie halt nicht statt.

Also es ist das Tun für die Patienten, das Sie antreibt?
Ich habe immer noch die Haltung, dass ich für die Patienten von vorne bis hinten zuständig bin, dass ich Patienten versorge. Man kann nur hoffen, dass diese Haltung in der nächsten Generation erhalten bleiben kann.

Sie haben - als Sie noch Ärztlicher Leiter der Krankenpflegeschule waren - den Absolventen immer wieder ans Herz gelegt, auch im Klinikalltag stets am Menschen orientiert zu bleiben. Ist das auch Ihre persönliche Maxime?
Die menschliche Seite, Empathie, gehört zum Arzt-Sein dazu.

Nahezu täglich haben Sie mit Krebserkrankungen zu tun, setzen sich für bessere Behandlungsmöglichkeiten ein. Viele Kämpfe können noch immer nicht gewonnen werden. Ist das nicht belastend?
Das ist keine einfache Arbeit. Mit der Zeit lernt man, damit umzugehen. Es kann jeden treffen. Wenn es jemand in meinem Alter ist, oder mit 70, das ist halt so. Aber wenn man einen jungen Patienten vor sich hat, das schockiert einen immer wieder.

Gelingt es Ihnen, schwere Fälle gedanklich nicht mit nach Hause zu nehmen?
Ich nehme immer was mit heim. Ich bin auch nachts manchmal wach und überleg' mir, wie ich was mache. Aber da hab' ich mich dran gewöhnt. Das gehört dazu.
Wie finden Sie einen entspannenden Ausgleich zu ihrem Beruf?
Ich versuche, am Wochenende immer ein bisschen Sport zu mache, Fahrrad zu fahren. Und ich lese alles Mögliche. Gestern war ich mal in der Sauna.

Haben Sie demnächst noch Urlaub geplant?
Nein. Wenn, dann gehe ich nochmal ein paar Tage Fahrrad fahren. An einem Wochenende über die Alpen zum Gardasee. Das kann man in drei Tagen fahren. Sonst mache ich eigentlich jedes Jahr eine Radreise über zweieinhalb Wochen. Man ist unabhängig und hat seine Ruhe. Das ist richtig schön!

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