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Burgkunstadt
Jahreshauptversammlung

Burgkunstadt: das Ende des Chorvereins

Mit der letzten Jahreshauptversammlung löste sich der Turn- und Chorverein 1907 endgültig auf.
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Die Ausschuss-Mitglieder (von links) Lieselotte Pauler, Hannelore Albert, Sylvia Bonfig, dahinter Jutta Gierlich, Marga Heußinger  Foto: Margit Baier
Die Ausschuss-Mitglieder (von links) Lieselotte Pauler, Hannelore Albert, Sylvia Bonfig, dahinter Jutta Gierlich, Marga Heußinger Foto: Margit Baier
Zur letzten Jahreshauptversammlung des Turn- und Chorvereins 1907 begrüßt Erste Vorsitzende Sylvia Bonfig alle Anwesenden herzlich. In einem Totengedenken wurde den verstorbenen Mitgliedern gedacht. Nach dem Lied "Irischer Reisesegen" folgte der Rückblick der Vorsitzenden auf das Vereinsjahr 2015. Es fanden drei Ausschuss-Sitzungen und eine Jahreshauptversammlung für 2014 statt. Eine Theateraufführung wurde besucht. Man traf sich monatlich zum Stammtisch.


Auflösung beschlossen

Am 7. Oktober 2015 wurde einstimmig die Auflösung des Vereins beschlossen. Nachdem die Schriftführerin Gunda Weberpals wegen Krankheit nicht anwesend war, verlas Hannelore Albert das Protokoll für das Jahr 2015. Die Kassenwartin Lieselotte Pauler gab einen positiven Kassenbericht ab. Die Vorstandschaft wurde entlastet.
Sylvia Bonfig dankte den Ausschuss-Mitgliedern, besonders der Zweiten Vorsitzenden Hannelore Albert, der Kassenwartin Lieselotte Pauler, der Schriftführerin Gunda Weberpals und dem Kassenprüfer Heinz Bassing für die langjährige gute Zusammenarbeit. Allen Mitgliedern sprach sie ein großes Dankeschön für die Treue zum Verein aus. Es gehe nun ein traditionsreicher Verein mit fast 109-jähriger Ära mit Wehmut zu Ende.
"Und wo sich Wort und Ton gesellt", mit diesem Leitspruch wurde der Gesangverein 1907 aus der Taufe gehoben, dem, getragen durch das Element der arbeitenden Bevölkerung Burgkunstadts, der Name "Arbeiter-Gesangverein Burgkunstadt" gegeben. Der erste Vorstand war Johann Böhmer und erster Dirigent der Schuhmachermeister Josef Tremel, ein Bruder der bekannten Heimatdichterin. Während des Ersten Weltkrieges ruhte das Vereinsleben. 1919 wurde in der ersten Generalversammlung Valentin Rehm zum Ersten Vorsitzenden gewählt. Dirigent wurde Lehrer Bierschild, nach ihm Lehrer Konrad Popp. Nach dessen Versetzung konnte mit Hans Hornung ein Dirigent gewonnen werden, der durch seine musikalische Vorbildung der Garant eines großen Leistungsanstieges des Chores wurde. Was man zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen konnte: seinen Taktstock legte er erst 1980 nieder. Das Jahr 1933 griff mit seiner plötzlichen Umgestaltung der politischen Verhältnisse auch in das Vereinsleben des "Arbeiter-, Turn- und Gesangvereins Burgkunstadt" ein.


1946 neu gegründet

Am 12. März 1946 versuchte man wieder in der Gastwirtschaft am Schönberg in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, den Verein erneut zu gründen. Spontan erklärten 45 Sängerinnen und Sänger ihren Beitritt. Im Mai 1946 waren es 117 Mitglieder.
1949 gab der verdienstvolle Vorsitzende Valentin Rehm die Vereinsführung ab. Nachfolger wurde Eduard Neumann. Damit begann für den Verein ein bedeutungsvoller Abschnitt. 1950 erfolgte die Umbenennung des Arbeiter- Turn- und Gesangvereins auf den Namen "Turn- und Chorverein 1907". Im Mai 1957 feierte der Turn- und Chorverein 1907 sein 50. Vereinsjubiläum. Zum Auftakt der Feierlichkeiten hatte Hans Hornung, der nimmermüde musikalische Leiter, ein wundervolles Jubiläumskonzert zusammengestellt. Ein Leistungssingen, an dem zahlreiche Vereine teilnahmen, beendete den offiziellen Teil.
Am 4. Juni 1970 wurde Chorleiter Hans Hornung im Rahmen einer Feierstunde zum Chordirektor ADC (Arbeitsgemeinschaft Deutscher Chorverbände) ernannt. Der Vorsitzende des Sängerkreises, Hans Weihermüller, überreichte ihm diese hohe Auszeichnung in Form eines Diploms.


Jubiläumskonzert

Ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war das Jubiläumskonzert der Kulturgemeinde am 25. November 1979 in der Stadthalle, die mit 700 Personen komplett gefüllt war. Der Nachfolger von Hans Hornung, der plötzlich erkrankte, wurde 1980 Adolf Dietzel. Vom 22. bis 23. Mai 1985 feierte man das 75. Jubiläum.
Tief bewegt musste der Verein vom unvergessenen Chordirektor und Ehrenchormeister Hans Hornung Abschied nehmen, der am 2. September 1985 im Alter von 84 Jahren verstarb. Seine Botschaft an die Menschen war die Musik. Zum 100. Geburtstag des Turn- und Chorvereins wurde ein Kinderchor gegründet. Diana Christoph, eine ausgebildete Sopranistin und Chorleiterin, konnte als Chorleiterin gewonnen werden. Mit zeitweise 23 Kindern gründete sie den Kinderchor und baute ihn auf. Für kurze Zeit löste sie den äußerst verdienstvollen und langjährigen Ehrendirigenten Adolf Dietzel in der zeitgleichen Führung des Erwachsenenchores ab. Unter der Bezeichnung "Burgkunstadter Orgelpfeifen" hatte sich der Kinderchor durch entsprechende Leistung zu einem festen Begriff innerhalb der Sängergruppe Kordigast entwickelt.


Kinderchor löste sich auf

Nach beruflich bedingtem Wegzug von Diana Christoph begann trotz des Einsatzes einiger Nachfolge-Dirigentinnen schrumpften die Mitgliederzahlen des Kinderchors, was 2012 zwangsläufig zu seiner Auflösung führte. Diana Christoph ist die Tochter der nun letzten Ersten Vorsitzenden des Turn- und Chorvereins. Sie hatte das Amt sieben Jahre inne.
Mit Beendigung der langen "Ära Turn- und Chorverein" geht im Burgkunstadter Chorwesen eine traditionsreiche Facette mit Wehmut verloren.
Sylvia Bonfig dankt allen Mitgliedern für ihre Treue, besonders den Ausschuss-Mitgliedern Hannelore Albert, Lieselotte Pauler, Gunda Weberpals, Jutta Gierlich und Marga Heußinger für ihre Arbeit all die Jahre. Sie erhielten einen Blumenstock. Hannelore Albert dankt Sylvia Bonfig für ihre Tätigkeit und Mühe. Es folgte ein gemeinsames Essen. mb

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