Ebensfeld
Mobilität

Bürgerbus Ebensfeld: Herr Blaszyk bringt Bewegung

Der 68-Jährige ist einer der Ehrenamtlichen, die den Ebensfelder Bürgerbus fahren. Dank ihnen bleiben Bewohner von außerhalb mit dem Ortskern verbunden. Aber es gibt ein Problem: Die Fahrgäste werden immer weniger.
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Erich Blaszyk ist einer von mehreren Ehrenamtlichen, die in Ebensfeld den Bürgerbus fahren. Das Projekt gibt es seit fast 20 Jahren.  Foto: Steffens
Erich Blaszyk ist einer von mehreren Ehrenamtlichen, die in Ebensfeld den Bürgerbus fahren. Das Projekt gibt es seit fast 20 Jahren. Foto: Steffens
Erich Blaszyk macht Ebensfeld mobil. Als Fahrer des Bürgerbusses ergänzt er den regulären Öffentlichen Nahverkehr in der Kommune. Dank ihm und anderen Ehrenamtlichen, die den weißen Kleinbus steuern, besteht vormittags eine geregelte Verbindung zwischen Dörfern und Gemeindekern. Ein wichtiges Projekt, das es ähnlich auch in Burgkunstadt und Bad Staffelstein gibt. Aber auch eines mit Zukunft?


Einkauf, Frisör, Arzttermin

Dass Erich Blaszyk seit sieben Jahren seine Routen im Bürgerbus fährt, bringt Mobilität im doppelten Sinne. Für den 68-Jährigen, der früher mal im Bergbau gearbeitet hat, ist es willkommene Abwechslung im Ruhestand: "Vormittags hat meine Frau das Auto. Und Zuhause zu sitzen, das wäre eine Qual für mich." Den Pkw-Losen auf den Ebensfelder Dörfern gibt es die Möglichkeit, Dinge im Kernort zu erledigen.


An diesem Freitag um halb neun steigt in Kleukheim eine Frau mit weißem Haar und Dauerwelle zu. "Ich fahre schon immer mit. Zum Einkaufen, zum Frisör, zum Arzt. Das Angebot kann man nur loben", sagt sie und lächelt Blaszyk über den Rückspiegel zu. Heute fährt sie bis zum Rewe-Supermarkt im Zentrum mit und auf der zweiten Tour, gegen 11 Uhr, wieder heim. Das Angebot, sagt sie, "nutze ich schon immer". Das heißt seit fast 20 Jahren.
Der Markt Ebensfeld führte 1996 als erste Kommune im Kreis Lichtenfels den Bürgerbus ein. In Burgkunstadt ist er seit 1999 unterwegs. Bad Staffelstein hat 2006 das erste Fahrzeug zu dem Zweck geleast. Mit den Bürgerbussen werden die Ortsteile an den Hauptort angebunden und damit die "weißen Flecken geschlossen", welche nicht von öffentlichen Buslinien bedient werden, sagt Jennifer Horn vom Landratsamt. In Burgkunstadt fährt der Bus dienstags, in Bad Staffelstein samstags, sonntags und feiertags und in Ebensfeld Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag.


Früher war's mal voller

Bis vor einiger Zeit fuhr Erich Blaszyk manchmal auch donnerstags eine Tour. "Aber es wurden mit der Zeit zu wenige Gäste", sagt er. Auf der Rückbank unterhält sich die Frau aus Kleukheim mit einer aus Kümmel. "Damals hat man oft kaum einen Platz im Bus bekommen. Aber die meisten Alten sind nicht mehr", sagt eine. "Und wer kann, fährt noch Auto", entgegnet die andere. Richtig voll wird der Kleinbus mit den acht Gästeplätzen nicht. Sieben Tickets verkauft Blaszyk auf der ganzen Tour an diesem Freitagmorgen. Eine Katze fährt umsonst mit.
Jede einfache Fahrt kostet einen, Hin- und Rückfahrt 1,50 Euro. Allzu viel ist das nicht. Dass das Projekt Bürgerbus finanziell tragbar bleibt, ist vor allem dem Engagement der Ehrenamtlichen wie Erich Blaszyk zu verdanken: In Ebensfeld sind neun und in Burgkunstadt fünf im Einsatz. In Bad Staffelstein fahren drei Fahrer für eine kleine Aufwandsentschädigung.

2014 haben Bürgerbusse in Ebensfeld und Burgkunstadt laut Landratsamt etwa 1300 Fahrten gemacht. Zum Fahrgastaufkommen in Bad Staffelstein waren aktuell keine Aufzeichnungen verfügbar. Der Landkreis Lichtenfels beteiligt sich finanziell an den Aufwendungen der Bürgerbusprojekte in Ebensfeld, Burgkunstadt und Bad Staffelstein. Hierfür sind im Haushaltsjahr 2014 etwa 16 400 Euro aufgewendet worden. "Dadurch, dass die Bürgerbusprojekte gemeinsam von den jeweiligen Kommunen und dem Landkreis finanziert werden, können wir aber keine Auskunft geben, was das jeweilige Bürgerbusprojekt letztendlich kostet", sagt Jennifer Horn von der Kreisbehörde.

Erfreulich sei, dass sich stets genügend Ehrenamtliche finden, um die Routen aufrechtzuerhalten. Personell sei man "eigentlich ausgelastet", sagt Jennifer Horn vom Landratsamt. "Wir werben derzeit nicht. Aber wer fahren will, wird auch nicht abgewiesen."

Blaszyk etwa fährt in manchen Wochen zwei Mal, "aber auch mal zwei Wochen gar nicht", sagt er. Das Pensum sei gut zu erfüllen. Und dass er es gern macht, sieht man an der Art, wie er die Gäste grüßt. Und daran, dass er auch mal aussteigt, um einer Dame die Schiebetür zu öffnen oder einen Rol-lator zu verstauen.


Mobilität geht vor

Die Reise mit dem Bürgerbus ist eine entschleunigte, rücksichtsvolle. Der Druck, jede Haltestelle auf die Sekunde genau zu erreichen, ist zum Glück nicht da. "Wenn jemand vorher bei mir anruft, können wir auch einen kleinen Umweg fahren und denjenigen direkt abholen", sagt Norbert Dietz, der den Bürgerbus von Ebensfelder Gemeindeseite koordiniert.

Nachdem er den Reporter nach der ersten Runde abgesetzt hat, macht Erich Blaszyk noch eine Tour mit dem Bus. Anschließend steigt er in ein ähnliches Gefährt von den Maltesern ein, um Krankentransporte zu machen. So richtiger Ruhestand, das ist für den 68-Jährigen nichts. Mobilität geht vor - die eigene und die der anderen

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