Hintergrund: Der Prozess in Lichtenfels ist nicht der entscheidende für die nähere Zukunft des Mannes, der derzeit eine über zweijährige Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt Ebrach verbüßt und dem nach eigenen Aussagen noch weitere Prozesse ins Haus stehen.
Am 24. Februar des vergangenen Jahres soll, so der Vorwurf von Staatsanwalt Thorsten Vey, der 21 Jahre alte Lichtenfelser in den späten Abendstunden einen 35-jährigen Passanten erst unflätig beleidigt haben und dann, als der Mann weiterlief, ihm nachgestellt und ohne ersichtlichen Grund einen Faustschlag ins Gesicht versetzt haben. Dieser Vorfall rief die Polizei auf den Plan, die wiederum den jungen Mann festnahm. Was dieser sich nicht gefallen lassen wollte. Schwerste Beleidigungen stieß der Festgenommene gegen die Polizisten aus, wobei er "sich in Rage redete" und Polizisten als Schläger, Bullenschweine und korrupt betitelte, wie ein Beamter zu Protokoll gab.
Jener Beamte war es auch, der den jungen Mann am Fuß aus dem Streifenwagen gezogen hat, "weil´s irgendwann gut war", so der Mann, der auch Fußtritten ausgesetzt war. Was den Festgenommenen so unberechenbar machte, waren die zwei Promille im Blut. Er fand sich in der Ausnüchterungszelle wieder. Als Richter Armin Wagner ihm Fotos von dem Tag vorlegte, kommentierte der Häftling die Szene auf seine Weise: "So werde ich zugerichtet, und Betrunkene sagen ja oftmals die Wahrheit."

Wer war also der Schläger?


In einem Punkt scheint der Angeklagte Recht zu haben: Mit der Körperverletzung hatte er wohl wirklich nichts zu tun. Dahingehend ließ sich das damalige Opfer vernehmen, das den Angeklagten nicht nur nicht erkannt haben wollte, sondern auch davon ausging, dass es eine andere Gestalt gewesen sein müsse. "Von Gesicht und Haaren her war er es definitiv nicht", so das damalige Opfer.
Weitere Gestalten aber hatten sich am Tag des Vorfalls viele in der Nähe der Wagnerpassage aufgehalten. Von bis zu 20 Jugendlichen sprach der Beschuldigte und darf man ihm glauben, spielte Alkohol eine zentrale Rolle bei dieser Zusammenkunft.
Ein Mann, von dem sich das Gericht eine Zeugenbeobachtung erhoffte, konnte keine sachdienlichen Aussagen zur Körperverletzung machen, war aber ein erschreckendes Beispiel für Alkoholismus und seine Folgen. "Ich war schon stockbesoffen, hatte vorgeglüht - dann war ich noch im Parkhaus und habe eine Fensterscheibe eingeworfen", so der Befragte zu seinen Erinnerungen an jenen 24. Februar. Er gab an, in der eigenen Wohnung aufgewacht zu sein. Zu dieser hatte er sich nicht mit dem Wohnungsschlüssel Zugang verschafft. "Ich habe die Tür eingetreten, so stockbesoffen war ich." Zeuge der Körperverletzung sei er auch nicht gewesen, so der junge Mann, gegen den selbst noch ein Verfahren anhängig ist. Als Täter kam auch er optisch nicht in Frage. Richter Wagner schlug vor, dass eine Entschuldigung des Angeklagten bei den beleidigten Beamten genügen sollte. Dies wurde allseits akzeptiert.