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Messenfeld
Energiewende

Bei Messenfeld soll ein Windpark entstehen

Der Saal im ersten Stock im "Haus der Bäuerin" war am Donnerstagabend gut besucht. Über 70 interessierte Bürger aus den umliegenden Ortschaften waren gekommen, um sich über einen möglichen Windpark im "Vorranggebiet Nr. 100 - Messenfeld-West" zu informieren, das sich über die Grundstücke von 39 Eigentümern erstreckt.
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Bis zu sechs Windräder könnten bald schon auf der Hochfläche zwischen Birkach und Messenfeld stehen und Energie produzieren. Archivfoto: Matthias Einwag
Bis zu sechs Windräder könnten bald schon auf der Hochfläche zwischen Birkach und Messenfeld stehen und Energie produzieren. Archivfoto: Matthias Einwag
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Das Gebiet westlich von Messenfeld könnte, so der Regionalplan der Regierung von Oberfranken, ein geeigneter Standort für Windkraftanlagen sein. Auf Einladung der Gemeinde Ebensfeld stellte die in Bayreuth ansässige Firma WSB Projekt Süd GmbH den Ablauf und die Umsetzung eines solchen Projekts dar.

Der Ebensfelder Bürgermeister Bernhard Storath (CSU) freute sich über das große Interesse an der Veranstaltung. Der Gemeinderat habe zwar mit einer klaren Mehrheit von 17 zu zwei Stimmen keine Einwände gegen Windkraftanlagen westlich von Messenfeld, entscheidend für so ein Projekt sei aber die Akzeptanz in der Bevölkerung.

Konsequenz des Atomausstiegs


"Wir als Gemeinde halten uns zurück, da wir kein Eigentum an den betreffenden Flächen haben", sagte Storath.
Aus seiner Sicht ist es eine logische Konsequenz aus dem Atomausstieg und der damit eingeleiteten Energiewende, dass auch in Ebensfeld nach Möglichkeiten gesucht wird, regenerative Energien zu nutzen. "Ich war in Ostfriesland im Urlaub. Dort stehen viele Windräder und die Leute machen dort trotzdem Urlaub", betonte der Bürgermeister mit Blick auf die Tourismusregion am Obermain. Die Unterstützung eines Windparks durch die Einheimischen sei aber das wichtigste Kriterium. Zudem müsse bei solchen Projekten gewährleistet sein, dass nicht allein die Grundstückseigentümer profitieren, sondern auch die Dorfgemeinschaft als Ganzes.

Garrelt Brunken, Projektentwickler bei WSB Projekt Süd, erläuterte dann wichtigen Kriterien für die Errichtung eines Windparks. "Wir bauen nur dort, wo wir wirtschaftlich arbeiten können, das heißt, schwarze Zahlen schreiben", sagte Brunken. Daher sei eine genaue Windmessung vor der Errichtung von Windrädern unerlässlich. Dafür müssten ein Jahr lang auf der Rotorhöhe von 140 Metern Messungen durchgeführt werden und durchschnittliche Windgeschwindigkeiten von sechs Metern pro Sekunde erzielt werden. Eine solche zeit- und kostenintensive Vorplanung sei nur dann möglich, wenn von Seiten der Grundstückseigentümer eine Zusammenarbeit mit der Firma WSB gewollt sei. Das bedeute, dass vor einer Windmessung die Pachtverträge abgeschlossen sein müssen.

Zunächst werden Daten erhoben


Denn neben der Windmessung seien noch weitere Faktoren zu berücksichtigen. So müssten Gutachten über Schallimmissionen und Schattenwurf der Anlagen erstellt werden. Und auch die strengen Auflagen des Naturschutzes müssten beachtet werden, betonte Garrelt Brunken. Sollte sich während der Prüfungen herausstellen, dass das Gebiet nicht für Windkraft geeignet sei, gebe es ein Sonderkündigungsrecht.

Nach ersten Schätzungen von WSB bietet das Gebiet Messenfeld-West Raum für bis zu sechs Windkraftanlagen. Von diesen würden nicht nur die Grundstückseigentümer durch Pachteinnahmen profitieren, sondern auch die Gemeinde durch Gewerbesteuereinnahmen sowie Investitionen in die Infrastruktur, sagte Brunken. Zudem gebe es unterschiedliche Modelle zur Bürgerbeteiligung, sei es über Genossenschaften oder GmbH & Co. KGs, für die die Firma WSG offen sei.

Kerstin Mann, die für die WSB in der Konzeption von Windparks arbeitet, erläuterte Rahmenbedingungen für die Pachtverträge. Die Verträge würden ab Inbetriebnahme der Windanlagen 25 Jahre lang laufen. Um möglichst viele Menschen an den Einnahmen zu beteiligen, sei geplant, 70 Prozent der Gesamtpacht auf die Fläche zu verteilen und 30 Prozent auf die jeweiligen Standorte der Windkraftanlagen. "Im Pachtvertrag wird dann ein prozentualer Anteil an dem Ertrag des Windparks festgeschrieben", erklärte sie. Als Sicherheit, etwa bei ausbleibendem Wind, werde aber zusätzlich ein Mindestbetrag verankert, den die Grundstückseigentümer pro Hektar eingebrachter Fläche erhalten.

Hilfe kommt vom Bauernverband


Ehrenkreisbäuerin Elisabeth Fischer schlug vor, dass der Bayerische Bauernverband die betroffenen Eigentümer dann zu einem Informationsabend einladen könnte, bei dem über die Verträge beraten werden könnte. Denn: "Viele sind mit solchen Verträgen schon über den Tisch gezogen worden", sagte Elisabeth Fischer. Ihr Vorschlag kam bei den Anwesenden gut an. Garrelt Brunken betonte, dass seine Firma eng mit Verbänden, wie beispielsweise den Maschinenringen, zusammenarbeite, um Vertrauen zu schaffen.

Ob das Gebiet "Messenfeld-West" zu einem Windpark wird, wurde an diesem Abend nicht entschieden. Durch die Information und Vorstellung eines möglichen Industriepartners rückt ein Bürgerwindpark aber einen Schritt näher. "Nächstes Jahr um diese Zeit wissen wir mehr", sagte Bürgermeister Storath abschließend. Nun liegt es vor allem an den Grundstückseigentümern, ob ein solches Projekt realisiert werden kann.
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