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Michelau
Eröffnung

Ausstellung zeigt Kinderwagen aus alter Zeit

Im Korbmuseum in Michelau sind Kinderwagen aus vergangenen Zeiten zu sehen.
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Für die Sonderausstellung hat das Deutsche Korbmuseum Kinder- und Puppenwagen aus dem Museumsmagazin in die Ausstellung geholt. Foto: gvö
Für die Sonderausstellung hat das Deutsche Korbmuseum Kinder- und Puppenwagen aus dem Museumsmagazin in die Ausstellung geholt. Foto: gvö
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Brigitte Thurn erkennt die alten Fotografien sofort, die sie dem Deutschen Korbmuseum in Michelau zur Verfügung gestellt hat. Sie zeigen die Kinderwagen, in denen die Mitglieder ihrer Familie über vier Generationen hinweg gelegen haben. Auf einem der reproduzierten schwarz-weiß Bilder ist sie selbst abgebildet. Ein kleines Mädchen von knapp einem Jahr, das sich an den Griffen des Korbwagens festhalten muss. Ein anderes Bild zeigt sie ein paar Jahre später mit ihren Puppenwagen. Auffällig ist, dass sich Kinderwagen und Puppenwagen nur in der Größe unterscheiden. Beide befinden sich heute noch im Besitz der Familie.

Kinder- und Puppenwagen sind ein Thema, das Emotionen weckt. Deshalb hat das Deutsche Korbmuseum in Michelau ihnen unter dem Motto "So einen hatte ich auch schon...." eine Sonderausstellung gewidmet. Es erwies sich als liebenswerter Zufall, dass die Ausstellung am internationalen Museumstag mit dem Muttertag zusammen fiel. Als zweiter Vorsitzender des Vereins Deutsches Korbmuseum konnte Bezirksheimatpfleger Günter Dippold in Vertretung für Bürgermeister Helmut Fischer zahlreiche Besucher in den Räumen des Museums begrüßen.

Die ausgestellten Kinderwagen sind ein Thema, das die Besucher am meisten bewegt. Viele erkennen das Modell wieder, in dem sie selbst als Baby gelegen haben, oder indem sie ihre Kinder spazieren fuhren.

Eigene Erinnerungen zur Verfügung stellen

Für die Sonderausstellung haben die Mitarbeiter des Museum eine Reihe von Exponaten aus dem Magazin geholt. Darüber hinaus wurde die Bevölkerung aufgerufen, eigene Erinnerungen und Fotografien beizusteuern.

Zeitdokumente, die bei der Eröffnung am Sonntag für viel Gesprächsstoff sorgten. Ein kleiner Vortrag von Bezirksheimatpfleger Günter Dippold informierte über die Geschichte des Kinderwagens und seine wirtschaftliche Bedeutung für die Region. Waren es anfangs noch einfache Holzwagen mit geflochtenen Seitenteilen, mit denen Erwachsene Kinder hinter sich herzogen, änderte sich dies in den 1860/70er Jahren. Damals vollzog sich der Wandel vom Zieh- zum Schiebewagen. Der Nachwuchs war damit genau in Blickrichtung des Schiebenden.

Allerdings waren es Kindermädchen und Mütter, die damit spazieren führen. "Der Vater als Kinderwagenschieber wäre 1870/1890 ein Unding gewesen. Das vertrug sich nicht mit dem damaligen Rollenbild", erläuterte Dippold. Allerdings erinnerten die frühen Kinderwagen mehr an Kutschen, in denen der Nachwuchs weit genug vom Staub und Schmutz der Straße untergebracht war.

Immer mehr Auto statt Kutsche

In den 1950er Jahren des letzten Jahrhundert ähnelte der Kinderwagen dann immer mehr dem Auto. Die Wagen wurden niedriger, erhielten Rücklichter, Stoßstangen, oft auch doppelte Stoßstangen wie eine Limousine. Dippold spricht von geschobenen Limousinen. Doch auch dieser Trend war vergänglich. In den 60/70er Jahren löst sich der Kinderwagen vom bis dahin bevorzugten Material Korb.

"Einen Sammler kommt es auf das Objekt an", erläutert Dippold. Einem Museum geht es neben dem bewahren und erhalten auch um die menschlichen Geschichte, die ein Objekt erzählen kann. "Museen sind ein Ding-Archiv, aber auch ein Ort dessen Objekte zum Erzählen anregen."

Die Ausstellung "Der Kinderwagen als Erinnerungsstück" ist zu den Öffnungszeiten des Museums zu sehen. Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16.30 Uhr. Aber auch nach der Eröffnung soll die Ausstellung weiter wachsen, deshalb werden auch weiterhin noch Fotos mit Kinder- oder Puppenwagen und ihre Geschichten gesucht.
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