Schon Herzog Maximilian plagte oft das Fernweh, da er sich wie in einem goldenen Käfig fühlte. "Ich möchte frei sein wie ein Zigeuner", soll er gesagt haben. Durch seine Reisen, vor allem in orientalische Länder, wollte der volksnahe Fürst der Eintönigkeit seines Alltags entfliehen und so wieder zu sich finden. Die Ausstellung "Sich fliehen und sich finden", an der sich drei Künstlerinnen beteiligen, beschäftigt sich mit dieser Thematik. Ab Freitag, 8. Juni, kann sie besichtigt werden.


Alltag und Fernweh als Konflikt



Die drei Künstlerinnen Hermine Gold, Natalie Gutgesell und Ingrid Stanglmeier haben den Konflikt zwischen Alltag und Fernweh aufgegriffen. Sie stellen in der Kunstausstellung unterschiedliche Positionen zum Reisen, Fliehen und Finden vor. "Wir können heute viel schneller verreisen", sagt die Malerin Ingrid Stanglmeier, "dadurch haben sich aber auch unsere Sehgewohnheiten verändert."

Wie sich das auswirkt? "Wir machen oft nur noch Fotos mit unseren Digitalkameras, anstatt die neuen Eindrücke auf uns wirken zu lassen", ergänzt sie. Zur Zeit von Herzog Maximilian sei dies völlig anders gewesen: "Im 19. Jahrhundert war vor allem das Unterwegssein von Bedeutung. Heute steigt man in ein Flugzeug ein und ist wenig später schon am Zielort."


Flucht zu sich selbst



Die Triebkräfte für das Reisen seien jedoch immer noch die gleichen wie vor 200 Jahren. So reize den Menschen die Sehnsucht nach der Ferne und er habe den Antrieb, die Welt kennenzulernen. Laut Ingrid Stanglmeier seien dabei häufig die Wüste und das Meer Stätten der Sehnsucht. Dies spiegle sich in ihren Bildern wider. Deshalb enthielten einige ihrer Werke kühle blaue und grüne Farben, während andere mit warmen rötlich-gelben Tönen den Bezug zur Wüste darstellten. Gemein sei ihnen aber die Tatsache, dass Reisen immer auch eine Art Flucht ist, damit man wieder neu zu sich finden kann. "Dies klappt jedoch nur, wenn man wieder lernt, Landschaften und Menschen genauer zu betrachten. Dann kann man seine Umwelt auch anders wahrnehmen", erzählt Ingrid Stanglmeier.

Keine Bilder, sondern verschiedenste Objekte zum Thema Reisen hat Hermine Gold entworfen. So sind in einem kleinen, abgetrennten Raum zum Beispiel einige Karren ausgestellt, die sich festgefahren haben. "Sie stehen für schwierige Momente im Leben", sagt die Objektkünstlerin, "durch das Reisen kann man dem entfliehen und wieder zu sich finden". In ihrer symbolischen Reise durchs menschliche Leben sind auch selbst gemachte, alt wirkende Briefe und eine Mappe mit vielen unterschiedlichen künstlerischen Elementen ausgestellt.


Laufen an ungewöhnlichen Orten



Die Dritte im Bunde ist die Videokünstlerin Natalie Gutgesell. Ihr Video "Rhea's Lace Disciples" kann mit einem Beamer auf eine Wand projeziert werden. Im Video ist eine weiß gekleidete Marathonläuferin zu sehen, die an verschiedenen oberfränkischen Orten trainiert und sich dabei auf den Betrachter zu bewegt. Die Läuferin wird dabei an und in Sehenswürdigkeiten gefilmt, die kulturell gewachsen sind. Dies sind jedoch oft Orte, die den Zuschauer zunächst verblüffen, weil diese Orte zunächst nicht mit einer Sportlerin in Verbindung gebracht werden. So joggt die Marathonläuferin etwa in einem leeren Schwimmbecken, in einem Theater oder einer Zeitungsdruckerei. "Ich will damit zeigen, dass sich im Laufe der Zeit viel verändern kann", sagt Natalie Gutgesell, denn "früher durften Frauen zum Beispiel überhaupt nicht Marathon laufen".

Museumsleiterin Brigitte Eichner-Grünbeck hofft auf viele Besucher. "Unser Ziel in der fünfmonatigen Ausstellung sind etwa 10.000 Besucher", sagt sie, " und ich bin guten Mutes, dass wir diese Zahl erreichen können".