Bad Staffelstein
Photovoltaik

August bringt Energie-Rekord

Fast 16 Prozent Mehrertrag lieferten Solarparks am Obermain laut Messungen des Staffelsteiner Unternehmens IBC Solar. Außer viel Energie brachte der sehr heiße Monat aber auch eine wichtige Erkenntnis.
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Der Jura-Solarpark-Abschnitt Buckendorf-Fesselsdorf, der hier zu sehen ist, wird von der IBC Solar als Bürgersolarpark betrieben.  Foto: IBC Solar
Der Jura-Solarpark-Abschnitt Buckendorf-Fesselsdorf, der hier zu sehen ist, wird von der IBC Solar als Bürgersolarpark betrieben. Foto: IBC Solar
Das ist Rekordniveau. Im August lieferten die Solarparks, die IBC am Obermain überwacht, einen Mehrertrag von fast 16 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert. Trotzdem ist IBC-Referentin Iris Meyer vorsichtig, was euphorische Reaktionen angeht. "Der Wert ist nicht repräsentativ für das Jahr", sagt sie. Doch er zeigt, wie gut Solaranlagen mit extremer Hitze zurechtkommen. Selbstverständlich war das nicht.

Ein Team aus sieben Experten wartet - von der Grünflächenpflege bis zur technischen Betreuung - und beobachtet ständig die Jura-Solarparks, die vom Staffelsteiner Unternehmen IBC Solar betreut werden. Fünf Teilprojekte befinden sich am Obermain. Buckendorf 1 und 2 sowie Fesselsdorf - sie gehören zu den Jura-Solarparks - werden von der Firma betrieben. Großheirath und Unterneuses überwacht IBC im Auftrag des Betreibers "Neo" (Neue Energie Genossenschaft Obermain). Insgesamt haben die fünf Photovoltaik-Felder im August 2015 einen Mehrertrag von 15,88 Prozent generiert.

Maximilian Seuberth hat sich die Daten genauer angesehen. Der Student des Bachelorstudiengangs "Technologie Erneuerbarer Energien " an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf arbeitet während seines Praxissemesters als Praktikant in der Projektabteilung des Staffelsteiner Unternehmens. Er kennt die Bedingungen, unter denen der Mehrertrag im August entstanden ist. Ein Augenmerk liegt auf den herrschenden Temperaturen.


Warum Hitze nicht Energie wird

Die Daten zeigen, dass die Ertrags-"Spitzenwoche", die 32. Kalenderwoche, gleichzeitig eine der heißesten Wochen des Jahres war - mit einem Höchstwert von fast 40 Grad Celsius. Das ist eine Temperatur, die das Material, aus dem Solarzellen bestehen, beeinflusst. "Ab einer bestimmten Marke gilt: Je höher die Modultemperatur ist desto kleiner wird der Wirkungsgrad", erklärt Seuberth.

Solarzellen bestehen aus kristallinem Silizium. Wenn sie sehr heiß würden, verringere das die Effizienz der Photovoltaikanlage, fügt Unternehmenssprecherin Iris Meyer hinzu. Ideal für den Wirkungsgrad eines Solarmoduls sei eine Zelltemperatur von 25 Grad Celsius. An einem heißen Sommertag mit mehr als 30 Grad kann in der Anlage schon mal eine Zelltemperatur von 60 Grad herrschen.

Vermutlich habe ein lauer Wind dafür gesorgt, dass die Anlagen in der heißen Woche trotzdem einigermaßen kühl geblieben seien - und so trotz hoher Außentemperaturen leistungsfähiger als in Wochen mit niedrigerer Temperatur. "Es spielen mehrere Faktoren zusammen, die über die Leistungsfähigkeit entscheiden", sagt Seuberth. Neben Temperatur, Wind und natürlich Sonnenstunden seien es auch Faktoren wie das Alter und der Pflegezustand eines Solarmoduls.

Dass die Module auch bei Außentemperaturen über 40 Grad ordentlich arbeiten können, beweist ein Wert aus dem heißesten Monat des Jahres, dem Juli: Auch hier gab es einen Mehrertrag von rund fünf Prozent gegenüber 2014, obwohl es im Vorjahr nicht so heiß war. "Atomkraftwerke oder Kohlekraftwerke haben mit hohen Temperaturen mehr Probleme, weil es schwieriger wird, das Kühlwasser kalt zu halten", will Iris Meyer die Zuverlässigkeit von Sonnenenergie verdeutlichen.

Insgesamt kamen die Solarparks im Landkreis Lichtenfels in dem Rekordmonat auf einen Ertrag von rund 2100 Megawattstunden (eine Megawattstunde sind 1000 Kilowattstunden). Das sind 287 Megawattastunden mehr als im August 2014. "Allein diese Mehrleistung würde ausreichen, um 72 durchschnittliche Haushalte für ein Jahr mit Energie zu versorgen" verdeutlicht Maximilian Seuberth.


Rekorderträge deutschlandweit

Generell sei interessant gewesen zu sehen, wie sich die Solaranlagen am Obermain unter den extremen Bedingungen verhalten. Die Hitzewellen von Juni bis September bescherten Deutschland den heißesten Sommer seit 2003.

Passend zu den hohen Erträgen im August am Obermain vermeldet der Bundesverband Solarwirtschaft eine Rekord-Energieausbeute in ganz Deutschland: "Noch nie produzierten die Solarstromanlagen in Deutschland in den Sommermonaten so viel Elektrizität", heißt es in einer Mitteilung. Mit 14,1 Milliarden Kilowattstunden - das ist ein Plus von 7,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum - wurde im Sommer 2015 ein Solarstrom-Rekord aufgestellt.

IBC-Unternehmenssprecherin Iris Meyer warnt aber davor, von den Sommermonaten auf das Jahr zu schließen. "Es kann immer noch sein, dass wir am Ende des Jahres auf einen nur durchschnittlichen Ertrag kommen." Von diesem Ertrag hängen Ausschüttungen ab, die an Anteilseigner weitergegeben werden.

Die "Jura Solarparks GmbH & Co. KG" ist eine Fonds-/Beteiligungsgesellschaft. Anleger beteiligen sich an der Fondsgesellschaft als Kommanditisten. Solche sind am Vermögen und Geschäftsergebnis (Gewinn und Verlust) beteiligt. Die Mindesteinlage betrug 10 000 Euro.



Jura-Solarparks

Die Anlagen der Jura-Solarparks GmbH und Co. KG mit einer Leistung von 18 738,42 kWp Nennleistung verlaufen an der Bundesautobahn A 70 in den Kreisen Bamberg, Lichtenfels und Kulmbach. Die Anlagen speisen seit 2012 Solarstrom ins öffentliche Netz.
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