LKR Lichtenfels

Appell zum Schutz der Heimat

Der Bund Naturschutz konzentrierte sich bei der Fahrt durch den Landkreis in diesem Jahr auf die Kelbachgrundanbindung und die Mainrenaturierung.
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Wollen nicht, dass durch die Autobahnanbindung das Kunstwerk Kelbachgrund zerstört wird (von links): Günter Krell, Peter Rottner, Richard Mergner, Hubert Weiger, Sebastian Schönauer, Doris Tropper, Ludwig Wendler, Günther Scheler, Enrico Scherg, Anton Reinhardt. Foto: T. Hirschberg
Wollen nicht, dass durch die Autobahnanbindung das Kunstwerk Kelbachgrund zerstört wird (von links): Günter Krell, Peter Rottner, Richard Mergner, Hubert Weiger, Sebastian Schönauer, Doris Tropper, Ludwig Wendler, Günther Scheler, Enrico Scherg, Anton Reinhardt. Foto: T. Hirschberg
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Ein langwieriger Konfliktfall und ein erfolgreich abgeschlossenes Großprojekt erwartete den Landesvorstand des Bund Naturschutzes auf seiner jährlichen Begehung des Landkreises.

Für den Raum Lichtenfels standen diesmal die Themen Kelbachgrundanbindung und Mainrenaturierung auf der Agenda. Im ersten Fall wird bereits seit mehreren Jahren über die geplante Neubautrasse der Staatsstraße 2187 zwischen Prächting und Ebensfeld mit einer Direktanbindung an die Autobahn A73 diskutiert. Das Staatliche Bauamt als Antragssteller schlägt eine 2,2 Kilometer lange Strecke vor, beginnend ab dem Ortsende Prächtings in Richtung Kutzenberg zur Ebensfelder Autobahnauffahrt.

Gegen diese Variante hat der Bund Naturschutz eine Klage eingereicht, die derzeit vom Bayreuther Verwaltungsgericht bearbeitet wird.
Im Jahr 2009 hatte der Bund Naturschutz bereits einen Bürgerentscheid über die Weiterverfolgung dieses Bauvorschlags knapp verloren. Hauptgrund der Klage war die Frage nach einer qualitativen Umweltverträglichkeitsprüfung. Daraufhin wurde zwar die Anlegung von Amphibientunneln in den Bauplan aufgenommen - der Bund Naturschutz beklagt jedoch weiterhin, dass keine Prüfung von Alternativen stattfände.
"Wir müssen den Schutz unserer Heimat endlich in den Griff bekommen", appellierte Anton Reinhardt, erster Vorsitzender der Kreisgruppe Lichtenfels. "Mir tut das Herz weh, wenn ich daran denke, was mit der Kehlbachaue passieren soll. Unser Bauvorschlag wäre eine Entlastung in jeder Hinsicht."


Deutlich preiswertere Variante

Die Mitglieder des Bundes Naturschutzes wünschen sich eine Autobahnzufahrt, die von Prächting nach Ebensfeld kommend direkt vor der Unterführung der A73 auf der linken Seite verläuft und an der Böschung angelehnt in Form einer etwa 600 Meter langen Spange an die Auffahrt anschließt. Diese Version sei um etwa die Hälfte billiger, betrage nur 1,2 Kilometer und könne auch die unterhalb der Autobahn gelegene Brücke in den Bau miteinschließen. Zudem würde so weniger landwirtschaftliche Fläche verbraucht und besonders das Bezirksklinikum Kutzenberg vor zusätzlichem Lärm bewahrt werden.

Weiterhin nütze diese Anbindung nicht nur dem Kelbachgrund, sondern auch Ebensfelder Autofahrern. Sebastian Schönauer, stellvertretender BN-Vorsitzender, warf außerdem die Frage auf, ob der erste Entwurf den Gesetzen zum Straßenbau in Wasserschutzgebieten standhält. "Eine notwendige Anpassung der Baupläne würde die Kosten dann nochmal enorm erhöhen." Außerdem könne die Variante des Staatlichen Bauamtes dazu führen, dass die bestehende Staatsstraße zur Gemeindeverbindungsstraße herabgestuft wird und die Bürger der Ebensfelder Gemeinde für deren Wartungskosten aufkommen müssen.

Befürworter der längeren Strecke bemängeln, der Bauvorschlag des Bund Naturschutzes beinhalte eine zu steile Steigung und die Auffahrtsschleife müsse zusätzlich verlegt werden. "Sie halten weiterhin an der Maximalmaßnahme fest und wollen die einfachste Lösung nicht sehen", sagte Ludwig Wendler, Vorsitzender der Ortsgruppe Ebensfeld, resigniert.

"Wir wollen jetzt erstmal erreichen, dass die geplante Version nicht umgesetzt wird", fasste Otto Weidner von der Ebensfelder Ortsgruppe zusammen. Die bestehende Staatsstraße soll in beiden Bauversionen erhalten bleiben, geplant ist aber zudem eine Begradigung der Strecke, um den bisherigen kurvigen Anstieg zu umgehen.


Zurück zur natürlichen Form

Ein weitaus erfreulicheres Projekt stellt die 2015 abgeschlossene Mainrenaturierung im Bereich Ober- und Unterbrunn dar. Der ehemals für die Floßfahrt begradigte Flußverlauf wurde innerhalb der letzten Jahre wieder zunehmend in seine natürliche Form zurückgeführt. "Mit der vorherigen Einheitsböschung hat man sich gefühlt, als säße man in der Badewanne und könne auf beiden Seiten nichts sehen", meinte Ludwig Wendler.

Der neue Verlauf ist um 1,5 Kilometer länger, hat vereinzelte Kiesbänke, Ein- und Ausstiegsstellen für Bootsfahrer und dient vielen seltenen Vogelarten wieder als Lebensraum. "Der Tourismus wird hier kanalisiert und die Tiere auf den inneren Grasflächen in Ruhe gelassen", bemerkte Anton Reinhardt zufrieden. Durch das LIFE-Projekt wurde außerdem ein Aussichtsturm in die Landschaft integriert, die Schüler der Viktor-von-Scheffel-Schule setzten den "Maingezwitscherpfad" um und es konnten mehrere Nisthilfen installiert werden.

Für weitere Veränderungen soll sich die Natur nun erst einmal selbst überlassen werden, erklärte Anton Reinhardt, da die unterschiedlichen Fließgeschwindigkeiten immer wieder an einer Stelle Material abtragen und an anderer Stelle ablagern. Seit letztem Jahr dient ein Teil der Fläche auch der Rinderbeweidung - von ihr erhofft sich der Bund Naturschutz in Zukunft vielleicht eine gesündere Form der Landwirtschaft.

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