Lichtenfels
Kreistag

Am Klinikum Etappenziel erreicht

Der Krankenhausneubau in Lichtenfels war ein Schwerpunkt in der Rückschau zum Jahresende - mit einer guten Nachricht: Bis jetzt wird der Zeit- und Kostenplan eingehalten. Für das bestehende Gebäude gibt es laut Landrat Meißner Interessenten.
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Am Klinikneubau konnte im November Richtfest gefeiert werden. Zum Jahresende gab es einen positiven Rückblick auf das Baugeschehen im Kreistag. Hier ein Blick auf die Baustelle, vorne links das bestehende Krankenhaus. Foto: Landratsamt Lichtenfels
Am Klinikneubau konnte im November Richtfest gefeiert werden. Zum Jahresende gab es einen positiven Rückblick auf das Baugeschehen im Kreistag. Hier ein Blick auf die Baustelle, vorne links das bestehende Krankenhaus. Foto: Landratsamt Lichtenfels
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Eine Großbaustelle im Zeitraffer, und am Ende der Stolz auf ein erreichtes Etappenziel: So kann man den kurzen Auftritt Tristan Rinkers am Montag vor dem Kreistag zusammenfassen. Der Baukoordinator hatte gute Nachrichten: Der Rohbau ist weitestgehend fertig, im Januar wird die Abnahme erfolgen. Es gab keinen nennenswerten Unfall, und das Großprojekt Klinikneubau liegt sowohl zeitlich als auch finanziell im Plan. Die Strategie des Landkreises habe sich bewährt, befand Landrat Christian Meißner (CSU): "Wir sind der Bauherr." Dafür stehe man in der Verantwortung und verfolge das Geschehen genau. Am nächsten Montag stehen noch elf Vergaben mit einem Volumen von annähernd 20 Millionen Euro an.

Die immer wieder diskutierte Nachnutzung des bestehenden Helmut-G.-Walther-Klinikums sprach der Landrat ebenfalls an, bat jedoch um Verständnis dafür, dass er erst dann über die Möglichkeiten sprechen möchte, wenn er
"belastbare Konzepte" präsentieren kann. Dies bezeichnete er als Arbeitsschwerpunkt für die nächsten beiden Jahre. "Wir sind auf einem guten Weg, eine Lösung für das gesamte Klinikum-Areal zu finden", so Meißner.


Weitere Bauprojekte

Gebaut wurde und wird im Landkreis aber noch an vielen weiteren Stellen. Hier erinnerte Meißner in seiner Rückschau an das Richtfest der Obermainhalle Burgkunstadt, wo man ebenfalls im Zeitplan liege. Teil 2 der Generalsanierung der Obermain-Therme laufe; sie ist das Flaggschiff des Tourismus im Landkreis. Dass es gelungen ist, einen eigenen Gebietsausschuss zu gründen, machte Meißner "sehr stolz". Geplant sind für 2016 u.a. eine große Aktion mit heimischen Brauern zum "Tag des Bieres" und schon zum Jahresanfang der Umzug des Tourismus-Service in Räume der Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung. Was Tourismus-Aktivitäten anbelangt, will man die Zusammenarbeit mit den Kommunen verstärken. Einige EU-geförderte Projekt sind dem Bericht zufolge auf den Weg gebracht.
Natürlich bestimmte auch der Asylbewerberzustrom diesen Jahresrückblick. Hier galt ein Dank allen, die an der Bewältigung dieser Aufgabe mitgearbeitet haben - sowohl haupt-, als auch ehrenamtlich, und nicht zuletzt der Bevölkerung für die "gute Begleitung". Durch den Bau einer Notunterkunft für Flüchtlinge auf dem Gelände des Kreisbauhofes wolle man die Schulturnhallen "bis zum Zwischenzeugnis" wieder für Schul- und Vereinssport nutzbar machen, sagte Meißner.
Angesichts der vielen Aufgaben müsse die Prioritätenliste für den Kreis straßenbau nachgereicht werden. Verkehrsprojekte - Straße und Schiene - bleiben Dauerthemen: Der Ausbau der B 173 neu steht vor der Planfeststellung. Und ab 11. Januar muss eine achtmonatige Bahnstreckensperrung wegen des Baues der ICE-Trasse bewältigt werden.


Resolution gegen Stromtrasse


Es ist genug. So lässt sich die Meinung der Kreisräte auf einen Nenner bringen. Genug der Belastung des Landkreises durch Überlandleitungen, derer es künftig neun geben wird, genug der Eingriffe ins Landschaftsbild wie durch den Neubau der ICE-Strecke, der A 73 oder Solarparks auf dem Jura. Sowohl was die Verkehrsprojekte Deutsche Einheit anbelangt als auch was die Umsetzung der Energiewende betrifft, habe die Region bereits erhebliche Beeinträchtigungen hinnehmen müssen, betonten sie in einer Resolution, mit der sie Geschlossenheit zeigen. Durch die im Bau befindliche 380-kV-Leitung von Altenfeld (Thüringen) zum Umspannwerk Redwitz sei der Landkreis bereits jetzt betroffen.

Der geplante Netzausbau mittels der Trassenvariante "P44 modifiziert" brachte in Rödental jüngst 5000 Menschen in einer Demo auf die Beine. Der Kreisausschuss hat diesen Ausbau von Altenfeld über Würgau nach Ludersheim abgelehnt. Am Montag manifestierte der Kreistag seine Haltung. "Weitere Beeinträchtigung der Kultur- und Erholungslandschaft in der Gesundheitsregion Obermain und eine zusätzliche Belastung der Bevölkerung durch Infrastrukturprojekte zur Umsetzung der Energiewende sind nicht zumutbar", heißt es in der Resolution. Dies gelte in gleicher Weise für mögliche Erdverkabelungstrassen. Der Landkreis werde alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um eine Realisierung der Trassen zu verhindern.

Landrat Meißner (CSU) wird wegen dieses Themas noch vor Weihnachten einen Gesprächstermin im Wirtschaftsministerium wahrnehmen. Im Zuge des sogenannten Konsultationsverfahrens könnten, wie er anmerkte, auch die Bürger ihre Meinung kundtun. Winfred Bogdahn (SPD) nannte den Trassenbau das "Ergebnis einer Energiepolitik, die nicht auf Regionalität setzt". Die Energiewende werde nicht ernsthaft betrieben. Dem pflichteten Vertreter der Grünen bei. Bernhard Christoph rief dazu auf, im Landkreis aktive Klimapolitik zu machen, etwa durch die Gründung von Regionalwerken. Gäbe es genug regionale Energieerzeuger, wären solche Trassen nicht nötig. Gerade die Großerzeugungsanlagen seien oft Dreckschleudern. Im Landkreis LIchtenfels gebe es bereits ein Klimaschutzkonzept: "Machen wir uns an die Umsetzung!"


Gemeinsam Lösungen finden


Für eine faire und offene Zusammenarbeit bedankten sich Vertreter aller Kreistagsfraktionen bei Landrat Meißner. Winfred Bogdahn (SPD) appellierte an die Kollegen, die eigenen Chancen nicht als zu gering anzusehen: Jeder sei in seinem Bereich gefordert, gemeinsam Lösungen für aktuelle Probleme zu finden


Ehrungen und Appell an junge Leute

Seit dem 7.12. hat der Landkreis drei neue Ehrenmedaillenträger: Winfried Ernst, Monika Faber und Josef Stark. Sie erhielten die Auszeichnung in der Jahresschlusssitzung des Kreistages, dem sie selbst seit 25 Jahren angehören. Landrat Christian Meißner (CSU) würdigte das Wirken der drei Kommunalpolitiker. Sie hätten die Entwicklung des Landkreises mitgestaltet.

Winfried Ernst ist stellvertretender Vorsitzender der Fraktion der Freien Wähler und arbeitet in den Zweckverbänden für Abfallwirtschaft sowie für das Thermalsolbad mit. Daneben ist er seit über drei Jahrzehnten Stadtrat in Bad Staffelstein und hat aktuell das Amt des Ortssprechers von Unnersdorf inne.

Monika Faber ist stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion. Genauso lange wie dem Kreistag gehört sie dem Lichtenfelser Stadtrat an. Sie arbeitet im Ausschuss für Kreisentwicklung, im Personalausschuss, im Zweckverband Thermalsolbad, im Beirat der Volkshochschule und im Bauausschuss für den Klinikneubau mit. Darüber hinaus engagiert sie sich ehrenamtlich beim VdK.

Josef Stark (SPD) ist vor allem als ehemaliger Bürgermeister von Marktzeuln bekannt (bis 2008). Auch er bekleidet noch mehrere Ehrenämter, etwa als Seniorenbeauftragter seiner Gemeinde oder als TSV-Vorsitzender. Auf Kreisebene ist er im Rechnungsprüfungsausschuss und im Bauausschuss für den Klinikneubau tätig.

Winfried Ernst bedankte sich auch in Namen der Kollegen und ermunterte junge Leute, sich kommunalpolitisch zu engagieren. Freilich gebe es auch einmal Ärger, doch man wolle gemeinsam den Landkreis vorwärts bringen, und "irgendwie machen wir es doch mit Begeisterung."


Zur Situation Behinderter im Landkreis

Der Behindertenbeauftragte des Landkreises Lichtenfels, Manfred Robisch, zeigte in seinem sehr ausführlichen Tätigkeitsbericht eine Vielzahl von Schritten auf, die getan wurden, um dem Ziel der Barrierefreiheit näher zu kommen. "Im Landkreis existiert eine breite Palette an Hilfen, Diensten und Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen", sagte Robisch. Man versuche, bestmöglich zu beraten und als gutes Beispiel voranzugehen. Im Landkreis leben 7412 Menschen, die im Besitz eines Schwerbehindertenausweises sind. Das sind 11,1 Prozent der Einwohner. Der Behindertenbeauftragte wirkt etwa am neuen Nahverkehrsplan für den Landkreis sowie am Verkehrskonzept für die Kreisstadt mit.


"Vernunft und Menschlichkeit zeigen"


Ein Märchen in einer Kreistagssitzung? Kreisrat Heinz Petterich (Freie Wähler) nutzte die Gelegenheit in der Jahresschlusssitzung, seinen Zuhörern nachdenklich stimmende Worte mit auf den Weg zu geben. Dies tat er mit einer Geschichte, an deren Anfang jemand "Ausländer raus!" auf eine Wand gesprüht hatte. Es war kurz vor Weihnachten. Plötzlich geschah das Unfassbare: Alles, was fremdländischen Ursprungs war, machte sich auf den Weg in sein Herkunftsland. Schokolade, Kaffee, Orangen und all die beliebten Weihnachtsleckereien verschwanden aus den Regalen der Läden. Japanische Autos sah man nicht mehr auf den Straßen, und die Fahrzeuge anderer Marken zerfielen in Einzelteile, Es gab bald keine Teppiche mehr in den Wohnungen und kein Öl zum Heizen. Ein karges Fest bahnte sich an. Maria, Josef und das Kind in der Krippe hätten sich nun eigentlich auch auf den Weg machen müssen. Doch Maria beschloss, dass sie bleiben. Sie sagte: "Wenn wir gehen, wer will ihnen dann noch den Weg zurück zur Vernunft und Menschlichkeit zeigen?!"

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