LKR Lichtenfels
Europameisterschaft

Abtauchen oder mitschwitzen

Fußballmuffel haben es in diesen Tagen nicht leicht, einen Ort zu finden, wo die EM kein Thema ist.
Artikel drucken Artikel einbetten
Matthias Puzik, Markus Reinhard und Jakob Kouloumbris vom Team der Obermain-Therme Foto: Obermain-Therme
Matthias Puzik, Markus Reinhard und Jakob Kouloumbris vom Team der Obermain-Therme Foto: Obermain-Therme
+1 Bild
Gemeinsam eine Grillparty zum Deutschlandspiel organisieren oder sich zum Public Viewing auf dem Lichtenfelser Marktplatz verabreden - bei vielen bestimmt der Fußball die Freizeitgestaltung der nächsten Wochen. Fußballmuffel, die sich nicht zu Hause verschanzen möchten, werden es schwer haben, einen Ort zu finden, wo der Ball nicht rollt, wo nicht einmal der Radiosprecher den jeweiligen Spielstand meldet. Auf dem Staffelberg-Plateau dürfte man allerdings sicher sein, auch in der dortigen Klause. Wirt Gottfried Schmitt rechnet an den Tagen mit Deutschland-Spielen mit weniger Gästen, bei ihm ist radio- und fernsehfreie Zone.
Er selbst zählt zwar weder sich noch seine Mitarbeiter zu den Fußballmuffeln, aber es mache ihnen nichts aus, sagt er, sich ein Spiel hinterher in der Zusammenfassung anzuschauen. Bei einem Anpfiff um 21 Uhr könnten sie sogar noch live dabei sein, denn die Klause schließt abends um zehn.
Außerdem sei es ja gerade das Schöne im Wirtshaus, etwas erzählt zu bekommen, meint Schmitt.


Badezeit-Verlängerung

Die Obermain-Therme gibt an Tagen mit einem Deutschlandspiel sowie für die Viertel- und Halbfinalspiele und das Finale Badezeit-Verlängerung; 90 Minuten länger bleiben für denselben Preis, drei Euro spart man damit. Dieses Angebot habe sich schon bei der Weltmeisterschaft als zugkräftig erwiesen, berichtet Werkleiter Hans-Josef Stich. Wenn abends die deutsche Mannschaft spielte, habe man schon wesentlich weniger Badegäste gehabt. Bis etwa 17 Uhr sei aber mehr los gewesen. Unterm Strich also ein zufriedenstellendes Ergebnis.
Auch bei der am Freitag beginnenden EM spricht man mit den begleitenden Aktionen vor allem diejenigen an, bei denen Fußball nicht an vorderster Stelle steht, die aber ein gewisses Interesse haben. In der Bar, die früher als sonst öffnet, werden Cocktails in Nationalfarben gemixt, auf der Speisekarte stehen für teilnehmende Länder typische Gerichte. Wer mag, bekommt eine rötlich schimmernde Bordeaux-Maske mit Traubenkernöl ins Gesicht oder kann in der Saunalandschaft einen speziellen EM-Aufguss erleben. Wie genau der vonstattengeht? Da muss der Werkleiter passen. Er vermutet einen Zusammenhang mit den verschiedenen Fußballnationen und verlässt sich in dieser Frage auf seine kreativen Mitarbeiter.


Lange im Voraus geplant

Überhaupt sind sämtliche Aktionen Ergebnisse einer aufwendigen Planung. Das "Event-Team" hat jetzt schon fast das Programm für 2017 festgezurrt und die EM-Ideen mit entsprechendem Vorlauf zusammengetragen. Die Spiele verfolgen kann man übrigens auf einem großen Bildschirm im Restaurant.
Die Therme ist also keine fußballfreie Zone, der Fußballmuffel kann dort aber in gewisser Weise vor dem Rummel abtauchen, während andere mitschwitzen können, wenn die Spieler in Frankreich alles geben. Werkleiter Hans-Josef Stich formuliert es geschäftstüchtig: "Die EM ist kein Grund, die Therme nicht zu besuchen." Die Dienstplanung für die kommenden Wochen hat ihm keine Sorgen bereitet, wie Stich versichert. Es gebe immer Leute, die nicht so viel Wert darauf legen, ein Spiel schauen zu können, während andere sich freuen, wenn sie zu dieser Zeit frei haben. "Ich musste noch niemanden zwingen." Wenn diejenigen aus der Spätschicht lieber erst Fußball gucken und dann nacharbeiten, um die Therme für den nächsten Tag wieder auf Vordermann zu bringen, soll ihnen das gestattet sein.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren