Ebensfeld
Porträt

Abschied eines Menschenfreunds

Der Chefarzt der Kutzenberger Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Dr. Christoph Mattern, tritt in den Ruhestand.
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Chefarzt Dr. Christoph Mattern hat am 30. Juni seinen letzten Arbeitstag in Kutzenberg.  Foto: Matthias Einwag
Chefarzt Dr. Christoph Mattern hat am 30. Juni seinen letzten Arbeitstag in Kutzenberg. Foto: Matthias Einwag
Psychosen, Schizophrenien Depressionen - es ist ein weites Feld: Patienten mit Angst-, Sucht- oder Demenzerkrankungen sowie Menschen, die unter psychosomatischen Krankheiten leiden suchen bei Dr. Christoph Mattern und seinem Team Linderung.

Ende Juni geht der Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in den Ruhestand. Wer meint, ein Psychiater müsse Schaden nehmen an all dem menschlichen Leid, das er erfährt, der irrt bei Christoph Mattern. Auf sein Berufsleben blickt der 63-Jährige mit heiterer Gelassenheit zurück: "Es ist der schönste Beruf, den's gibt - und ich würde ihn wieder ergreifen."


Geboren in Hochstadt

Christoph Mattern wird in der Hochstadter Klinik geboren - in jenem Haus, das er später als Suchtklinik leiten sollte. Aufgewachsen ist er in Marktgraitz, Abitur macht er in Bamberg. Nach der Studienzeit beginnt er 1982 als Facharzt für Psychiatrie und Neurologie sowie als Psychiater in Bayreuth. 1988 übernimmt er als Oberarzt die dortige Suchtabteilung und ist als Gutachter bei gerichtlichen Fragestellungen tätig. 1995 wird er Chefarzt der Suchtfachklinik in Hochstadt. Waren es zunächst vor allem Drogenabhängige, die dort therapiert wurden, kamen unter seiner Leitung die Alkohol- und Medikamentenabhängigen dazu.

Ab 2001 ist Christoph Mattern Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. Ein wenig stolz ist er darauf, dass den beiden letztgenannten Disziplinen unter seiner Ägide mehr Gewicht zukam.
"Ich habe die Zeit erlebt, in der sich die Psychiatrie weiterentwickelte", sagt er auf sein Berufsleben zurückblickend. Die therapeutische Kompetenz sei in diesen Jahrzehnten stark gestiegen, das mache die Arbeit sehr befriedigend. "Wir wissen, was hilft", fährt er fort, "früher hatten die Ärzte diese Methoden nicht". Gerade bei posttraumatischen Störungen habe sich in den vergangenen 30 Jahren viel getan. Auch an der Verweildauer lasse sich der Wandel ablesen: Während Patienten früher Monate oder gar Jahre in der Klinik bleiben mussten, habe sich die durchschnittliche Aufenthaltsdauer nun auf zwei Wochen bis 20 Tage verkürzt.


Dem Einzelnen verpflichtet

"In der Psychiatrie sehen wir das Individuum", sagt er, denn jeder erlebe zum Beispiel eine Depression als seinen maximalen Gau. "Wir holen den Patienten dort ab, wo er sich befindet", ergänzt er. "Wir können emotionale Beziehungen nicht messen", doch jeder, der die Klinik aufsuche, empfinde sich als maximal belastet.

Was den gesellschaftlich gebilligten Konsum von Alkohol betrifft, ist Christoph Mattern zuversichtlich. Gewisse Rituale hätten sich verändert. Die Führerschein-Frage sei heute stets präsent, wenn Menschen mit dem Auto zum Feiern fahren. Junge Menschen gehen seiner Ansicht nach sorgsamer mit Alkohol um als früher.


Überlastung führt zu Burnout

"In unserer Gesellschaft haben viele Menschen psychische Probleme", fährt er fort. Heute stehe besonders die berufliche Überlastung der Menschen im Fokus der Mediziner. Die individuelle Belastung im Berufsleben steige. Erhöhte Anforderungsprofile führten viele Menschen in den Burnout. "Wir in der Psychiatrie sehen gesellschaftliche Schwierigkeiten wie in einem Brennspiegel." Es sei nichts Außergewöhnliches, dass in der Arbeitswelt nach dem Prinzip verfahren werde: "Wir setzen eine x-beliebige Person auf einen Posten - und die muss das leisten." Besser wäre zu fragen: Was kann der Mensch und was brauchen wir?

Für die Erfüllung, die ihm sein eigenes Berufsleben brachte, ist Christoph Mattern sehr dankbar. Das Wichtigste seien nicht die Gratifikationen, die man erhält, sondern "das, was man von den Patienten zurückbekommt, der Dank und die Anerkennung". Das müsse man sich verdienen: "Man muss einen Draht finden zu den Menschen." Und man sollte immer im Team arbeiten, nie als Einzelkämpfer. Es entlaste, wenn man sich anderen mitteile.
Aufs Faulenzen wird sich Christoph Mattern im Ruhestand nicht konzentrieren. Seinen Hobbys will er nachgehen, etwa Bücher zu historischen Ereignissen lesen. Auf die ärztliche Tätigkeit möchte er aber nicht völlig verzichten. Seine psychiatrische Gutachterpraxis in Bayreuth wird er weiterführen, denn auf diesem Sektor mangle es an Fachleuten.





Die Klinik für Psychiatrie am Klinikum Obermain

Fachbereich In der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik werden Patienten mit Depressionen, Schizophrenien, bipolaren Störungen, Suchterkrankungen und geronto-psychiatrischen Krankheitsbildern (zum Beispiel Alzheimer-Demenz), aber auch mit Burnout, ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung), Medikamentenabhängigkeit, Schlafstörungen und chronischen Schmerzen behandelt. Die Klinik ist Teil des Bezirksklinikums Obermain in Kutzenberg.

Tageskliniken Ergänzt werden die stationären Therapieangebote durch die teilstationäre Behandlung in den beiden angegliederten Tageskliniken Coburg und Kutzenberg sowie durch die Institutsambulanz.

Kontakt Ansprechpartner und weitere Informationen finden sie auf der Webseite www.bezirkskliniken-oberfranken.de im Internet.



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