Burgkunstadt
Religion

Ältester Grabstein steht seit 1623

Ein Rundgang mit Gedenkfeier auf dem jüdischen Friedhof in Burgkunstadt machte mit der israelitischen Bestattungskultur bekannt. Sie ist geprägt von Schlichtheit und betont die Gleichheit der Menschen im Tod.
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Im Vordergrund alte Grabsteine aus den Anfangsjahren um 1650, hinten der neuere Teil von 1830 bis 1870 Fotos: Roland Dietz
Im Vordergrund alte Grabsteine aus den Anfangsjahren um 1650, hinten der neuere Teil von 1830 bis 1870 Fotos: Roland Dietz
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Sehr beeindruckend war die Gedenkfeier und Friedhofsbegehung, welche die "Interessengemeinschaft Synagoge Altenkunstadt" im jüdischen Friedhof in Burgkunstadt abgehalten hat. Vorsitzender Josef Motschmann erklärte, dass es 700 Jahre lang schon Judentum in Franken gegeben hat und es im Judentum Tradition sei, in der Zeit hoher Feiertage die Gräber der Verstorbenen zu besuchen.

Auszüge aus dem Psalm 130 verlasen Erna Grampp und Elke Jahn. Die Theologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät Evangelische Theologie der Universität Erlangen-Nürnberg, Franziska Grießer-Birnmeyer, berichtete über Zeichen jüdischer Kultur, die sie schon als Kind beim Besuch jüdischer Friedhöfe fasziniiert hatten. Sie fand Davidsstern, geknickte Rose oder Rosenblüten und machte sich daran, sich mit der Geschichte der Juden in Deutschland zu beschäftigen.

Die 2.
Bürgermeisterin der Stadt Lichtenfels, Sabine Rießner, erklärte, dass es unsere Pflicht sei, auf dem größten jüdischen Friedhof in Oberfranken an die jüdischen Mitbürger, die hier einmal gelebt haben, zu erinnern. Am Beispiel der Stadt Lichtenfels machte sie deutlich, dass geschäftliche und freundschaftliche Beziehungen zu jüdischen Mitbürger einst gut und selbstverständlich gewesen seien. Leider sei es vielen Menschen heute nicht mehr bewusst, dass Anfang des 20. Jahrhunderts die Juden ein ganz selbstverständlicher Teil der bayerischen Gesellschaft waren. Sie führten besonders in Oberfranken ein blühendes Leben.

Die Stadt Lichtenfels habe für die aus Lichtenfels stammenden Opfer der Nazidiktatur auf dem dortigen, 1840 errichteten jüdischen Friedhof ein Denkmal errichten lassen. Ob allerdings die Liste der aufgeführten Opfer vollständig ist, dürfe bezweifelt werden.

1918 und 1930 wurde der jüdische Friedhof in Lichtenfels geschändet und 1941 dem Erdboden gleich gemacht. Außenmauer und Grabsteine wurden für den Straßenbau verwendet.

Nach einem abschließenden Gebet und Bitte um Frieden für die Menschen in Israel und Palästina wurde eine Besichtigung des Friedhofs durchgeführt mit erstaunlichen Erkenntnissen.

Der jüdische Friedhof in Burgkunstadt wird in drei Epochen unterteilt. Der rechte Teil am Eingang wird den Jahren 1830 bis 1870 zugeordnet. Der linke untere Teil der Zeit 1870 bis 1940. Der obere Teil wurde im Jahre 1620 angelegt. Der älteste Grabstein stammt aus dem Jahr 1623.


Pflege durch Regens-Wagner

Dass jüdische Friedhöfe nicht so gepflegt werden wie christliche hat folgenden Grund: Der jüdische Friedhof ist ein Zeichen des vergänglichen Lebens, was durch Schlichtheit ausgedrückt werden soll. Es soll aber auch kein Verfall stattfinden. Die Pflege in Burgkunstadt hat die Gartengruppe von Regens-Wagner inne. Michael Hofmann von der Gruppe erklärte den Pflegeaufwand.


Nach Jerusalem ausgerichtet

Die Ausrichtung der Gräber ist so, dass das Haupt der Verstorben nach Jerusalem zeigt. Nach jüdischer Lehre kann der Verstorbene am Tage des Jüngsten Gerichts aufstehen und ohne sich umzudrehen gen Jerusalem wandeln.

Im Tod sind alle gleich, dies wird auch bei jüdischen Bestattungen deutlich. So werden die Verstorbenen in einen Sarg gelegt, der nach christlichen Vorstellungen eher einer Kiste gleicht. Wichtig ist die Sauberkeit. So gibt es in Burgkunstadt ein "Taharahaus", in welchem die Verstorbenen vor der Beerdigung gewaschen und mit weißem Totengewand angezogen wurden.

Die Schlichtheit eines jüdischen Friedhofes drückt sich auch dadurch aus, dass keine Blumen zu sehen sind. So wird bei einem Besuch des Grabes ein Stein auf das Grab gelegt. Dies bedeutet: "Ich gönne dir die Totenruhe und denke an dich". Eine Besonderheit ist auch das Verlassen eines jüdischen Friedhofes. Dabei soll ein kleiner Büschel Gras über die Schultergeworfen werden. Dies soll auf die Vergänglichkeit erinnern: "Der Mensch welkt wie Gras".

Im jüdische Friedhof in Burgkunstadt finden keine Beisetzungen mehr statt, da es sich um einen historischen Friedhof handelt.

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