Lichtenfels
Flechtkulturfestival

40 Jahre: Korbmarkt in Lichtenfels feiert Jubiläum

Der 40. Korbmarkt war ein Fest der Superlative. Flechtkultur, Feiern und Fröhlichkeit bestimmten ein Wochenende lang das Geschehen in der Korbstadt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Kleinkunst als Bereicherung: Die Stelzenfigur "Allfons, der Ballonfahrer" war ein Hingucker beim Korbmarkt -Auftakt. Alle Fotos: Ronald Rinklef
Kleinkunst als Bereicherung: Die Stelzenfigur "Allfons, der Ballonfahrer" war ein Hingucker beim Korbmarkt -Auftakt. Alle Fotos: Ronald Rinklef
+42 Bilder

Was für ein Fest! Der 40. Korbmarkt übertraf alle Erwartungen: super Wetter, super Stimmung und ein riesiges Angebot von Flechtwaren und Handwerkskunst. Mehr als 80 Flechter aus vielen Ländern waren dabei, und ein strahlender Bürgermeister begrüßte auch auf Englisch zu einem Korbmarkt "so international wie nie zuvor". Andreas Hügerich lud dazu ein, die Gastfreundschaft der Stadt und die Faszination Flechten zu genießen. Er dankte allen, die am Gelingen dieser Großveranstaltung ihren Anteil hatten. Dabei erinnerte er auch an die Gründerväter des Korbmarktes und die bisherigen Korbstadtköniginnen, von denen aus Anlass des Jubiläums viele den Einzug begleitet und in den ersten Reihen vor dem Podium Platz genommen hatten. Der ersten Korbstadtkönigin, Heike Vogel, gekrönt 1984, wurde später am Nachmittag in diesem beeindruckenden Ambiente ein "Happy Birthday" gesungen, denn sie hatte am Samstag Geburtstag. Frank Ziegler gelang eine kurzweilige, heitere Moderation.

Die amtierende Korbstadtkönigin Alicia I. zeigte einmal mehr, wie sehr es ihr am Herzen liegt, Menschen für das Flechthandwerk und die Region am Obermain zu begeistern. Obwohl durch einen Infekt stimmlich etwas angeschlagen, begrüßte sie mehrsprachig und zeigte sich als engagierte Botschafterin. Zukunft ohne Herkunft könne ebenso wenig funktionieren wie Innovation ohne Tradition. Der Korbmarkt habe sich in vier Jahrzehnten zu einer Marke entwickelt. "Wir können etwas bewegen, wenn wir es wollen und gemeinsam angehen."

Ebenfalls mit Leidenschaft sprach Landesinnungsmeisterin Nina-Regina Nötzelmann von ihrem Handwerk, das inzwischen Anerkennung als Weltkulturerbe gefunden hat. Sie ließ die Besucher teilhaben daran, wie Geflecht entsteht, aus natürlichem Material, nachhaltig, mit den Händen. "Lasst uns die Energie und die Inspiration von diesem wunderschönen Wochenende mitnehmen!", lautete ihr abschließender Appell.

Claudia Koreck übernahm die Schirmherrschaft

Schirmherrin Claudia Koreck, Singer-Songwriterin aus Oberbayern, erwies sich als sympathische Künstlerin, die sich von dem "unglaublich schönem Fest" angetan zeigte. Vor allem davon, dass hier Nationen und Generationen zusammen feiern, "und die Tradition so lebendig ist". Mit Reden hielt sich die preisgekrönte Musikerin aber nicht lange auf, auch wenn man ihr in ihrem unverstellten Dialekt gerne zuhören mochte. Sie legte sich nahtlos an die offizielle Korbmarkt-Eröffnung fast zwei Stunden lang mit ihrer Band ins Zeug. Ob bayrisch oder englisch gesungen - die gefühlvollen Folksongs passten gut zu diesem spätsommerlichen Korbmarkt-Nachmittag. Eine Zugabe gab es auch, wie gewünscht.

Vielseitig ging es im Programm weiter, mit Musik und Show, auf der großen und etlichen kleineren Bühnen in der Stadt. Stellenweise war der Besucherandrang so groß, dass es eng in den Straßen und Gassen wurde.

Gewinnerin des Malwettbewerbs übergibt Flechtknoten

Großer Moment für die Gewinnerin des Korbmarkt-Malwettbewerbs: Die achtjährige Jule Gahn durfte mit Korbstadtkönigin Alicia I. am Korbmarkt-Einzug teilnehmen und auf dem Hauptpodium Claudia Koreck den "Flechtknoten" übergeben. Dieses Kunstwerk aus Acrylglas hat die Stadt jeweils für die Schirmherren des Korbmarktes vorgesehen.

Sämtliche Flechtkurse ausgebucht

Im Stadtschloss wurden während des Korbmarktes nicht nur mehrere Ausstellungen präsentiert, bei denen stets das Flechthandwerk im Mittelpunkt stand, es wurde auch geflochten. Das Kurs-Angebot der Korbstadt kommt generell gut an, und während des Korbmarktes war das nicht anders. Vom Organisations-Team war zu erfahren, dass sämtliche Flechtkurse ausgebucht waren.

Sabine Spielmann aus dem Sauerland freute sich darüber, endlich mal an so einem Lehrgang teilnehmen zu können. Denn eigentlich hätten sie und ihr Mann für dieses Wochenende Karten für ein Konzert in Köln gehabt. Als das jedoch abgesagt wurde, entschied sich das Ehepaar spontan, nach Lichtenfels zu fahren. Etwas außerhalb fand sich auch noch eine Übernachtungsmöglichkeit. Und dann der Platz im Kurs. Sabine Spielmann, die selbst Weiden in ihrem Garten hat, versuchte sich an einem Vogelhäuschen aus eben diesem Material. Ein paar Vorkenntnisse brachte sie mit und wollte gerne hier von den Experten lernen.

"Besser geht's nicht"

Wen man auch fragte - es zeigte sich Begeisterung über den Korbmarkt in seiner 40. Auflage. Außergewöhnlich gut besucht war die Altstadt schon am Freitagabend, als der Auftakt gefeiert wurde und die Korbmacherstände noch gar nicht geöffnet hatten. Und dann erst am Samstag und Sonntag! Bei herrlichem Spätsommerwetter verbrachten die Besucher gerne viele Stunden im freien und nutzten all die Möglichkeiten, die das Programm bot. "Besser geht's nicht", fand Sebastian Müller vom Bürgermeisteramt. Die Entwicklung des Korbmarktes von Bürgerfest und Verkaufsschau hin zum heutigen internationalen Flechtkulturfestival kommt bei Freunden des Handwerks gut an. Bei den Flechtern ist das Ehemaligen-Treffen in der Berufsfachschule ein liebgewonnener Programmpunkt. Unter den Kollegen würden Freundschaften gepflegt, berichtete Rainer Groth aus Romansthal, der seit 2004 einen Stand auf dem Korbmarkt hat. Hier finde man auch ein Publikum, das die Arbeit zu schätzen wisse.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren