Seubersdorf
Neuordnung

3000 Grenzsteine müssen in der Seubersdorfer Flur gesetzt werden

Die Neuordnung der Seubersdorfer Flur geschieht in Teilen sogar mithilfe von Satellitentechnik.
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Nach dem Abstecken rückt der Setztrupp an: Bernhard Dauer bohrt das Loch für den Grenzstein, Reinhold Dauer, Gerhard Dippold, Erwin Weiß, Patrick Einer und Andreas Dauer hefen ihm. Edwin Stößlein (links) beschriftet den Pflock, der neben den Grenzstein eingeschlagen wird. Foto: privat
Nach dem Abstecken rückt der Setztrupp an: Bernhard Dauer bohrt das Loch für den Grenzstein, Reinhold Dauer, Gerhard Dippold, Erwin Weiß, Patrick Einer und Andreas Dauer hefen ihm. Edwin Stößlein (links) beschriftet den Pflock, der neben den Grenzstein eingeschlagen wird. Foto: privat
Mitte Oktober haben die Vermessungsarbeiten zur Neuordnung der rund 415 Hektar großen Flur von Seubersdorf begonnen. Fast 400 Grenzpunkte müssen innerhalb kurzer Zeit neu vermarkt, das heißt vermessen und mit Grenzsteinen markiert werden. Zählt man die schon gesetzten Grenzsteine an der Verfahrensgrenze, den neuen Wegen und sonstigen gemeinschaftlichen bzw. öffentlichen Flächen hinzu, addiert sich die Anzahl der Grenzsteine auf etwa 3000 Stück.


Wie ein Navi im Auto

Technischer Inspektor Edwin Stößlein vom Amt für Ländliche Entwicklung Oberfranken mit Sitz in Bamberg trifft sich seit vergangener Woche mit seinen Helfern aus den Reihen der Landwirte und Grundstückseigentümer und setzt die genaue Lage der Grenzen fest. Dabei wird modernste Technik eingesetzt: In freien Flurlagen kommt die Satellitenvermessung (Global Positioning System - GPS) zum Einsatz. Dieses hoch genaue Instrument funktioniert im Prinzip wie ein Navigationsgerät, das mittlerweile fast jeder aus dem Auto kennt, nur arbeitet es eben viel genauer. Nach Eingabe der abzusteckenden Koordinaten werden Richtung und Entfernung zu der Stelle, an der später die neue Grenze liegt, berechnet und angezeigt. Nachdem die genaue Position ermittelt ist, kennzeichnet zunächst ein roter Holzpflock die Lage. Die beiden Setztrupps - bestehend aus je fünf Helfern - sorgen dafür, dass der Pflock gegen einen Granitgrenzstein ausgetauscht wird.
Dem Traktorfahrer mit dem Erdbohrgerät an der Hydraulik kommt dabei eine entscheidende Aufgabe zu: Er muss rückwärtsfahrend, manchmal auf engstem Raum, den Erdbohrer exakt absenken, damit der Grenzstein genau an der berechneten Stelle gesetzt werden kann. Die richtige Lage wird abschließend bei der Schlussvermessung mit Tachymeter oder GPS-Messung kontrolliert und gegebenenfalls korrigiert.
Bis zur Neuverteilung in diesem Herbst gab es immer noch viele Grundstücke, die wegen ihrer Form und geringen Größe schwierig und aufwendig zu bewirtschaften waren. Die Landwirte aus Seubersdorf hatten, nachdem die Anzahl der Bewirtschafter stetig abnahm und in der Folge die Maschinen immer größer wurden, selbst die Initiative ergriffen: Ein freiwilliger Landtausch im Jahr 1968, der vom ehemaligen Ortsobmann des Bayerischen Bauernverbands, Georg Dauer aus Seubersdorf, initiiert worden war und vom damaligen Flurbereinigungsamt Bamberg mit Unterstützung durch die Bayerische Landessiedlung umgesetzt wurde, sorgte für eine vorgezogene, aber nur kleinräumige Bodenordnung. Spätere mündliche Absprachen zwischen den Landwirten erleichterten zudem die Bewirtschaftung.
Aber ein großer Teil der Grundstücke war immer noch sehr kleinteilig strukturiert und Wegenetz sowie -zustand blieben unbefriedigend. Daher wurde auf Betreiben von Grundeigentümern und Stadt eine umfassende Flurneuordnung eingeleitet. Im Rahmen der jetzt stattfindenden Neuordnung finden die Belange des Natur- und Artenschutzes besondere Berücksichtigung. Das Ziel der begleitenden Landschaftsplanung ist es, durch Sicherung und Neuanlage von Lebensräumen die auf der Hochfläche der Fränkischen Alb typischerweise vorkommenden Arten zu schützen und zu erhalten.


20 kartierte Feldlerchenreviere

In Seubersdorf brüten Feldlerchen auf Brachstreifen und Rainen zwischen den Feldern. Neuntöter, Dorngrasmücke, Goldammer und andere nutzen die angrenzenden Feldgehölze und Hecken. So werden z. B. für 20 kartierte Feldlerchenreviere neun Puffersteifen mit einer Gesamtfläche von fast drei Hektar inmitten der offenen Flurlagen ausgewiesen, um den Bestand nachhaltig zu sichern.
Auch ein weiteres Problem kann mit Hilfe der Flurneuordnung elegant gelöst werden: Eine Teilnehmergemeinschaft erhält immer wieder einmal das Angebot Flächen zu kaufen. Diese Flächen können dann bei der Neuverteilung dorthin gelegt werden, wo sie für besondere Maßnahmen benötigt werden. In Seubersdorf ist dies beispielsweise die Verbreiterung der Ortsverbindungsstraße nach Neudorf. red


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