LKR Lichtenfels

1500 Quadratmeter Zukunft für die Imker

Warum ein neues Grundstück mit Lehrbienenstand für die Bienenhalter im Landkreis Lichtenfels so wichtig ist.
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Stefan Ruppenstein auf dem neu gepachteten Grundstück des Lichtenfelser Imkervereins mit Lehrbienenstand. Die ersten sechs von an die 15 Bienenvölkern wurden bereits vom bisherigen Standort dorthin gebracht. Foto: Popp
Stefan Ruppenstein auf dem neu gepachteten Grundstück des Lichtenfelser Imkervereins mit Lehrbienenstand. Die ersten sechs von an die 15 Bienenvölkern wurden bereits vom bisherigen Standort dorthin gebracht. Foto: Popp

Die Einfahrt ist ein bisschen versteckt, und das ist auch gut so. Das Grundstück, nach dem die Imker lange gesucht haben, sollte nämlich weder direkt an einer Hauptstraße liegen noch von Fußwegen gequert werden; trotzdem sollte es ein sonniges Plätzchen an zentraler Stelle im Landkreis sein. Fündig geworden ist Vereinsvorsitzender Stefan Ruppenstein am Eichenweg, rückwärtig von den Werkstätten St. Josef und dem Förderschulzentrum. Das winterlich-karge Bild trügt: Die umgebenden Schlehenhecken und nahen Weiden werden im Frühjahr blühen und den Bienen reichlich Nahrung bieten. Inzwischen gibt es für die rund 1500 Quadratmeter einen Zehnjahrespachtvertrag mit der Stadt Lichtenfels. Am liebsten würde man das Grundstück sogar kaufen, um die Zukunft des Lehrbienenstandes zu sichern.

Erste Anfänge nahm er Mitte der 1980er Jahre im Garten eines Mitgliedes bei Mistelfeld, seit 2000 befand er sich gegenüber der Herzog-Otto-Schule. Dort allerdings hätten die Imker als Pächter bei einer geplanten Bebauung das Nachsehen. Deshalb hatte man schon seit einigen Jahren Ausschau gehalten. Jetzt oder nie sei das Motto gewesen, erzählt Ruppenstein, und alle hätten sich gefreut, als er verkünden konnte, dass es mit dem Umzug auf ein Areal mit langfristiger Perspektive klappt.

Der Verein hat gespart, um sich diesen großen Wunsch zu erfüllen. Zudem gab es Unterstützung heimischer Unternehmen beim Kauf beziehungsweise Transport und Einrichtung des gebrauchten Bürocontainers, der mit vereinten Kräften vieler Mitglieder zur wohnlichen Hütte umfunktioniert wurde. Ob Dach, Fußboden oder Scheibengardinen - alles wurde in Eigenleistung gemacht. Eine Verkleidung mit Holz, die Umzäunung und die Anlage eines kleinen Teichs als Wasserstelle für die Bienen sollen in den wärmeren Monaten folgen.

Der Raum im Container ist etwa dreimal so groß wie in der kleinen Hütte am bisherigen Standort. Es darf darin gemütliche Zusammenkünfte geben, vorrangiger Zweck ist allerdings die Aus- und Weiterbildung. "Wir wollen hier Schulungen halten", erklärt Ruppenstein. Die Imkerei befinde sich in einem großen Wandel: Umwelt- und klimatische Veränderungen, die seit Jahrzehnten grassierende Varroamilbe sowie Pflanzenschutzmittel setzen den Bienen zu. Auch für erfahrene Imker ist es wichtig, auf dem aktuellen Stand zu sein. Der Vorsitzende der Lichtenfelser Imker, zugleich Kreisvorsitzender, nimmt sich da selbst nicht aus. Mehrmals im Jahr besucht er Lehrgänge, zumeist am Institut für Bienenkunde und Imkerei in Veitshöchheim. Hinzu kommt entsprechende Lektüre. Ohne solches Fachwissen überlebe heutzutage kein einziges Bienenvolk mehr, betont er. Deshalb reicht es ihm nicht, sich über gestiegenes Interesse an der Imkerei und Insektenschutz, wie es sich etwa beim Volksbegehren im vergangenen Jahr zeigte, zu freuen. Das Ganze müsse vor allem nachhaltig sein, sagt Ruppenstein.

Was jeder für Bienen tun kann

Jeder sollte nach seinen Möglichkeiten dazu einen Beitrag leisten - "und wenn es nur ein Blumenkasten auf dem Balkon ist", wo Bienen, Schmetterlinge und andere Arten Nektar und Pollen finden.

Sein Verein hat in den vergangenen fünf Jahren trotz hohen Altersschnittes und daraus resultierender Mitgliederverluste unterm Strich einen Zuwachs erlebt und zählt aktuell 63 Männer und Frauen. Auch auf Kreisebene, wo rund 280 Mitgliedern registriert sind, gibt es laut Ruppenstein eine steigende Tendenz. Eine gute Begleitung der Anfänger ist besonders wichtig, damit sie langfristig Freude an ihrem Hobby haben und die Bienenbestände erhalten werden können.

Jeder Nachwuchsimker bekommt vom Verein einen Ableger als Start in die Imkerei geschenkt. Daraus können sich mit der Zeit weitere Völker entwickeln. Ein knappes Dutzend Jungimker lässt derzeit seine ersten Bienenbeuten noch auf dem Grundstück des Lehrbienenstandes stehen. Dort trifft man sich ab dem Frühjahr regelmäßig, um sich auszutauschen und die notwendigen Arbeiten zu erledigen.

Die Freude ist groß, dass diese Anlaufstelle für Rat und Tat nun auf Dauer gesichert ist. Das wird am Sonntag (19.1.) gemeinsam unter Bienenfreunden und Gästen gefeiert.

Einweihung

Die Einweihung des neuen Lehrbienenstandes des Imkervereins Lichtenfels nach Umzug findet am Sonntag, 19. Januar, ab 14 Uhr auf dem Grundstück am Eichenweg, Nähe Maximilian-Kolbe-Schulzentrum (Einfahrt gegenüber dem Pflegeheim Elisabeth) statt. Die Segnung nimmt Pfarrerin Anne Salzbrenner vor. Gefeiert wird bei Kaffee und Kuchen. Auch Bürgermeister Andreas Hügerich hat sein Kommen zugesagt. Offene Treffen am Lehrbienenstand für Mitglieder und alle Interessierten gibt es weiterhin (ab Saisonbeginn Ende März) jeden Freitag von 16 bis 18 Uhr.

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