Auf der Baustelle in der Judengasse geht es voran. Im Herbst soll die ehemalige Lichtenfelser Synagoge als Begegnungs- und Veranstaltungsstätte eröffnet werden und damit wieder eine angemessene Nutzung erfahren. Bevor die Stadt das aus dem 18. Jahrhundert stammende Gebäude im Jahr 2005 nach immer wieder geäußertem Bestreben - man muss sagen: endlich - erwerben konnte, diente es einer Firma als Lagerraum.
Lichtenfels erhält für dieses Projekt, für das Gesamtkosten von 983.000 Euro veranschlagt wurden, von verschiedenen Stellen finanzielle Unterstützung. Der Stiftungsrat der Oberfrankenstiftung hat einen Zuschuss von 350.000 Euro bewilligt, aus Mitteln der Städtebauförderung wurden 356.000 Euro angekündigt, so dass die Stadt "nur noch" 207.000 Euro selbst aufbringen muss.

Stätte mit Leben erfüllen


Bürgermeisterin Bianca Fischer freute sich nun darüber, dass auch das Leader-Förderprogramm der Europäischen Union (EU) die künftige Begegnungsstätte als unterstützenswert ansieht. Wolfgang Keck, der Leiter der Strukturentwicklungsgruppe, die am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Münchberg am Standort Wunsiedel angesiedelt ist, überbrachte gestern den offiziellen Förderbescheid. Von den 175.000 Euro, die für die Einrichtung und technische Ausstattung sowie die Gestaltung des Außenbereichs angedacht sind, soll ein Zuschuss von rund 73.500 Euro aus EU-Mitteln fließen. Ohne die Leaderförderung - initiiert von Regionalmanager Timo Steiner am Landratsamt - wäre eine so hochwertige Ausstattung nicht möglich. Besonders angetan zeigte sich die Bürgermeisterin davon, dass das Lichtenfelser Gymnasium bereits Interesse bekundet habe, diesen künftigen Kulturtreff mit Leben zu erfüllen. Einen Förderverein gibt es übrigens bereits seit 2007 in Lichtenfels.
Noch ein zweites Projekt im Zuständigkeitsbereich der Stadt Lichtenfels erfährt finanzielle Unterstützung durch die EU: der Pfad der Flechtkultur. Auf vorhandenen Wegen einer elf Kilometer langen Rundstrecke wird an über 13 Stationen die Geschichte von Korbmacherhandwerk, Korbindustrie und Korbhandel informiert und ein Bogen gespannt von der traditionellen Korbmacherei hin zu modernem Flechtwerk. Kein Lehrpfad im klassischen Sinn, sondern ein lebendiges Projekt soll es werden, attraktiv für einheimische wie auch für Touristen.
Diesen Aspekt griff auch stellvertretender Landrat Helmut Fischer (CSU) auf, der dabei war, als der Förderbescheid über rund 46.000 Euro übergeben wurde. Fischer erinnerte sich daran, als Junge in dem früheren Korbmacherdorf bei der Weidenernte mitgeholfen zu haben. Der Pfad wird die Stadt Lichtenfels und die Gemeinde Michelau, deren Bürgermeister Fischer ist, und damit das Dreigestirn von Staatlicher Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung, Innovationszentrum Lichtenfels und Deutschem Korbmuseum verbin-
den.
Leader ist ein EU-Förderprogramm zur Stärkung ländlicher Räume. In lokalen Arbeitsgruppen hatten die Bürger Gelegenheit, eigene Ideen einzubringen.