Lichtenfels
Vortrag

"100 Jahre bleibt CO2 in der Luft"

Der Klimaforscher Professor Mojib Latif machte als Gastredner beim Neujahresempfang des Lions-Clubs auf den Klimawandel aufmerksam. Alternativen zu einer deutlichen Reduzierung des Ausstoßes gibt es seiner Meinung nach nicht.
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Kraftwerke, die mit fossilen Brennstoffe arbeiten, stoßen große Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) aus, das maßgeblich Ursache der Erderwärmung ist. Foto: Oliver Berg/dpa
Kraftwerke, die mit fossilen Brennstoffe arbeiten, stoßen große Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) aus, das maßgeblich Ursache der Erderwärmung ist. Foto: Oliver Berg/dpa
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Mit der Menge an Kohlenstoffdioxid, kurz CO2 , steht und fällt die Zukunft des Planeten. Der Vortrag von Prof. Mojib Latif, Meteorologe und Klimaforscher an der Universität Kiel und am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel, führte im Stadtschloss den Zuhörern die Brisanz des Themas vor Augen. Zum Neujahrsempfang hatte der Lions-Club den renommierten Wissenschaftler gewinnen können. Als Experte für Klimaveränderungen schrieb Latif Berichte für den IPCC Weltklimarat, auch wurde er für sein Engagement mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet.


Es ist ernst

"Wie ernst ist der Klimawandel wirklich? Kann die Kehrtwende noch gelingen?", diese Fragen stellte Gerhard Sievert, Präsident des Lions-Clubs, dem Referenten. Latifs Erläuterungen machten deutlich: Es ist ernst. Der Anteil von CO2 in der Luft ist gestiegen, die Erde erwärmt sich, das Eis schmilzt. Natürlich gebe es jährlich Schwankungen, aber man müsse das Klima über Jahrzehnte beobachten, um eine Aussage treffen zu können, erklärte Latif. "Bitte schicken Sie mir keine E-Mail, wenn mal Schnee fällt", sagte er augenzwinkernd. Denn tatsächlich stellten einige Leute die Klimaerwärmung in Frage, sobald es schneie, berichtete Latif aus Erfahrung.

Wie weit die Messungen zurückreichen können, zeigte das Beispiel der Eiskernbohrung. Woher man wisse, dass der CO2 -Ausstoß in der Geschichte der Menschheit noch nie so hoch gewesen sei? Die Luftbläschen, die im Eis der Arktis und der Antarktis eingeschlossen sind, geben über die Zusammensetzung der Gase über Tausende von Jahren Auskunft. "Wir merken nicht, dass etwas passiert", so Latif. Es sei eine Entwicklung, die erst Jahrzehnte später deutlich würde. "Deswegen muss man vorausschauend handeln."


Industrieländer verantwortlich

Und kann man noch handeln, um eine Kehrtwende zu erreichen? Die eigentliche Frage sei nicht, ob sich die Erde erwärme, sondern um wie viel Grad, und das könne noch beeinflusst werden. "Es kann keine Option sein, so weiterzumachen wie bisher", machte Latif deutlich. Es gebe viele einzelne Probleme wie etwa den hohen Ressourcenverbrauch oder die Energiegewinnung. "Ein Problem isoliert zu lösen, funktioniert nicht."

Zwar sei China derzeit das Land mit dem größten CO2 -Ausstoß, aber da europäische Länder und die USA dort produzieren lassen, seien auch sie verantwortlich dafür. Außerdem dürfe man nicht außer Acht lassen, dass andere Länder schon seit Jahrzehnten viel CO2 verursachen. "Wenn wir CO2 in die Luft blasen, dann bleibt das da 100 Jahre", so Latif. Das heißt: "Die historische Verantwortung liegt bei den Industrieländern."

Doch Latif machte auch Hoffnung: Seit 1990 sei der Ausstoß in Deutschland gesunken, bis jetzt um 30 Prozent, Ziel seien 80 Prozent. Trotzdem sei das Land noch unter den "Top 10", was die CO2 -Abgabe beträfe. Und Deutschland habe die erneuerbaren Energien bezahlbar gemacht. "Das macht Schule!"


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