Wülfershausen an der Saale

Wie konnte die Windenergie in Deutschland zum Streitpunkt werden

Die Windenergie ist eine wichtige Säule im ehrgeizigen deutschen Plan für den Übergang zu erneuerbaren Energien. Die Branche hat jedoch mit starken Widerstand zu kämpfen und hat jetzt die Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Gesprächen über die Krise gezwungen...
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Foto: Margot_Fechter
Die Windenergie ist eine wichtige Säule im ehrgeizigen deutschen Plan für den Übergang zu erneuerbaren Energien. Die Branche hat jedoch mit starken Widerstand zu kämpfen und hat jetzt die Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Gesprächen über die Krise gezwungen.

Nach Jahren halsbrecherischen Kapazitäts- und Auslastungswachstums, in denen ein Fünftel der gesamten deutschen Energieerzeugung aus Windenergie erzielt wurde, schrumpften die Investitionen in diesem Sektor aufgrund des lauten Widerstandes der Anwohner und der mangelnden staatlichen Unterstützung.

Mehr als 600 Bürgerinitiativen wehren sich aktuell gegen die gigantischen Anlagen. Ein Bezirk namens Saale-Orla bietet sogar 2.000 Euro an, wenn Expertenmeinungen gegen Windparks vorgelegt werden können. Die rechtsextreme AfD-Partei, die sich in einem klimaskeptischen Outfit brandmarkt, hat das Thema bei den Landtagswahlen in Brandenburg aufgegriffen und behauptet, sie stehe den von Windenergiekonzernen beherrschten Anwohnern zur Seite.

Vor dem Hintergrund der erbitterten Spaltung sank der Ausbau der deutschen Windenergieproduktionskapazität im Jahr 2018 auf die Hälfte gegenüber 2017, da die Unternehmen um die Erteilung der Baugenehmigungen kämpfen. Nur ein paar Dutzend neue Turbinen wurden seit Jahresbeginn installiert, genau gesagt 82 Prozent weniger als vor einem Jahr, so der Bundesverband Windenergie (BWE).

Und immer wieder werden vierteljährlich offizielle Ausschreibungen für die Stromerzeugung unterzeichnet - ein "besorgniserregender" Trend, so die Bundesnetzagentur. "Beim Ausbau der Windenergie ist Deutschland vom Vorreiter zum Sorgenkind übergegangen", sagte Achim Derck, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).

Für BWE-Präsident Hermann Albers ist die Implikation klar: "Diese Entwicklung stellt den Erfolg der deutschen Energiewende in Frage."

Beendigung der Subventionen

Nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel fast zwei Jahrzehnte lang Subventionen zur Stützung des aufstrebenden Sektors bereitgestellt hatte, entschied sie, dass die Branche nun ausgereift genug sei, und zog die Unterstützung zurück.

Während die Erlangung von Baugenehmigungen aufgrund des hartnäckigen Widerstandes vor Ort oft Jahre in Anspruch nimmt, dauerte es noch länger, bis sich die Kosten amortisierten, was auch die Berechnung der Investitionsentscheidung der Unternehmen verschiebt.

In den Monaten nach der Novelle 2016 hat die Windenergiebranche nach Angaben des Bundestages in Deutschland 26.000 Arbeitsplätze abgebaut, mehr als im schwindenden Steinkohlenbergbau. "Wir haben Alarm geschlagen, aber warum die Bundesregierung diesen Weg eingeschlagen hat, ist bis heute ein Rätsel", sagte BWE-Chef Albers, der der Meinung ist, dass Berlin beim Übergang zum Grünen zu viel "Wert auf Kosten gelegt" habe Energie.

Aber die Krise in der Branche ist jetzt wieder ganz oben auf der politischen Tagesordnung, seitdem Jugendliche mit ihren Freitagsprotesten auf den Klimanotfall aufmerksam machen und die Grünen unterstützten. Der Widerstand der Jugendlichen stößt oft auf Unmut in der Bevölkerung. Aber anstatt sich in Ihrer Freizeit und an den Freitagen mit Ihren Hobies, sportlichen Aktivitäten und unterhaltende Sportwetten abzuschließen, setzen sich die Jugendlichen sinnvoll für den Umweltschutz ein. Um das Ziel der Bundesregierung zu erreichen, bis 2030 65 Prozent der deutschen Energie aus erneuerbaren Quellen zu beziehen, muss der Anteil der Windenergie drastisch steigen.

Für einige Unternehmen kommt die politische Aufmerksamkeit zu
"Wir haben monatelang um Hilfe gebeten. Ich glaube nicht, dass die Regierung versteht, dass ihr Verhalten ein wirtschaftliches Ökosystem zerstört, das eine Quelle für Spitzentechnologie und Innovation darstellt. Dessen Schaffung hat einige Zeit in Anspruch genommen und Deutschland berühmt gemacht hat." So Yves Rannou, Chef des deutschen Windkraftanlagenherstellers Senvion.

Das Unternehmen gab letzte Woche bekannt, dass es geschlossen wird, da die deutschen Umsätze, die einst 60 Prozent des Umsatzes ausmachten, auf nur noch 20 Prozent geschrumpft sind. "Wir sind nur die Spitze des Eisbergs, die ersten, die auf die Knie gehen, aber nicht die letzten", warnt Rannou.
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