Haßfurt

Sparkassenfusion: Landrat und Kreistag Hassberge haben total versagt

Im Kreistag Hassberge war es der Totalausfall: Nicht eine Fraktion, kein einziger Kreisrat hat am 10. November 2017 gegen die Fusion der Sparkassen Ostunterfranken und Schweinfurt gestimmt. Es ist noch nicht einmal ein kritisches Wort über die Fusion oder wenigstens ein leises Zweifeln an der Fusion...
Artikel drucken Artikel einbetten
Zwei_Herren
Symbolbild
Im Kreistag Hassberge war es der Totalausfall: Nicht eine Fraktion, kein einziger Kreisrat hat am 10. November 2017 gegen die Fusion der Sparkassen Ostunterfranken und Schweinfurt gestimmt. Es ist noch nicht einmal ein kritisches Wort über die Fusion oder wenigstens ein leises Zweifeln an der Fusion an die Öffentlichkeit gelangt.

Es ist, als hätte jemand einen Schalter umgelegt oder mit den Fingern geschnippt und die Kreisräte hypnotisiert. Nur in einer Art narkotischen Dämmerzustands kann es überhaupt möglich gewesen sein, dass die bitter-süß geformten Hiobsbotschaften der Sparkassler die Arme der Kreisräte kollektiv in die Höhe schnellen ließen, um hastig grünes Licht für die Sparkassenfusion zu geben.

Eine Fusion, die zuvor schon in zwielichtigen Hinterzimmern der Demokratie eingefädelt worden sein mag, am Kreistag vorbei. Denn die Fusion ist schon zum 1. Januar 2018 rechtskräftig geworden. Der Abstand zwischen dem 10. November 2017 und dem 1. Januar 2018 wäre einfach zu kümmerlich gewesen für das ganze aufwändige Drumherum einer komplizierten geschäftlichen Fusion. Aber das wurde ja bestritten.

An die Wand gemalt hatten die Sparkassler jedenfalls eine drohende Bankenregulatorik aus Brüssel, die die Sparkasse Ostunterfranken angeblich nicht alleine hätte bewältigen können. Was immer diese Bankenregulatorik bedeuten sollte, dem Kreistag war es nicht wert gewesen, diese der Öffentlichkeit zu erklären.

Wie auch, muss man doch ein Thema erst selbst verstanden haben, bevor man es anderen erklären kann. Dass Landrat und Kreisräte nichts kapiert hatten, sieht man heute daran, dass die Brüsseler Regularien an kleineren Banken und Sparkassen weitgehend vorbeigehen werden.

Diese Meldung stammt von Ende Juli 2018, siehe Merkur.de, und jetzt würden die Fusionstreiber diese – übrigens nicht unerwartete Meldung – am liebsten aus der Welt schaffen. Denn tatsächlich war schon im Vorfeld der Fusionsentscheidung absehbar gewesen, dass kleinere Geldhäuser nicht den gleichen Belastungen wie Großbanken ausgesetzt würden. Dafür ist schon der Deutsche Sparkassen- und Giroverband eingetreten, wie der Deutschlandfunk berichtet hatte. Ob das die hiesigen Sparkassler den Kreisräten mitgeteilt hatten? Wir wissen gar nichts.

Der Kreistag hat sich im Herbst 2017 geschlossen von Lobbyisten quasi „jagen“ lassen, der Sparkassenfusion eilends und überstürzt zuzustimmen. Jetzt stellt sich heraus, die damals als Argumente für die Fusion benutzten sogenannten „gestiegenen regulatorischen Anforderungen“ hätten für die Sparkasse Ostunterfranken gar nicht gegolten. Der Beschluss des Kreistags für die Sparkassenfusion: Kopfloser Aktionismus in Reinform.

Zudem kann man sich vielleicht wundern, weshalb die zuständigen Gremien einen Mann an die Spitze der vereinigten Sparkassen stellten, der sich zuvor mit dem kleineren Institut noch nicht zugetraut hatte, die sogenannten regulatorischen Anforderungen zu bezwingen. Aber gut, nach neuer Lage müssen diese vielleicht auch gar nicht mehr bewältigt werden.

Was bleibt? Der Hauptgrund für die Sparkassenfusion mit Schweinfurt ist allem Anschein nach weggefallen. Der Kreistag sollte sich nun kritisch mit sich selber auseinandersetzen. Und die Sparkasse Ostunterfranken zurückgründen, wenn er dazu die Courage hat – was in dieser Zusammensetzung allerdings stark zu bezweifeln ist.

Schade, denn der Landkreis hätte einen besseren Kreistag verdient gehabt. Noch dazu ist leider auch schon das nächste Fiasko abzusehen, das der Kreistag anrichten wird: Nämlich dann, wenn er die Einführung der Gelben Tonne voraussichtlich zu verhindern versucht. Was da wohl wieder im Hintergrund mitschwingt, das die Öffentlichkeit nicht wissen soll? „Man möchte es gar nicht wissen“ ist jedenfalls nicht zielführend.


was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren