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Radiokritik: Wie eine heimische Politeuse im Deutschlandfunk für Langeweile sorgt

Bundestagsabgeordnete brauchen vor der Bundestagswahl Publicity, wenn sie wiedergewählt werden wollen. Also öffentliche Auftritte, am besten in den großen Medien, um sich in Erinnerung zu rufen. Und um die eigene Bedeutsamkeit zu unterstreichen...
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Wolken-Mikro
Foto: NewOpinion3
Bundestagsabgeordnete brauchen vor der Bundestagswahl Publicity, wenn sie wiedergewählt werden wollen. Also öffentliche Auftritte, am besten in den großen Medien, um sich in Erinnerung zu rufen. Und um die eigene Bedeutsamkeit zu unterstreichen. Eine Lokalzeitung kann schnell mal zu popelig für diese Zwecke sein. Dann muss etwas Exquisites herhalten, ein Interview in Deutschlandfunk Kultur zum Beispiel.

Fehlt aber noch ein Thema. Worüber soll eine Politikerin sprechen, die keins hat? Über den Dieselskandal? Jener wäre zwar ihr Ding, sie mag ihn aber nicht. Es könnte etwas kleben bleiben. Dann am besten über die Rolle der Frau (praktischerweise ist man ja selbst eine) und die Frauenquote, das hilft wenigstens, die eigene Position abzusichern.

Der intellektuelle Gegenstand des Fragespiels schlug in den 1970er-Jahren kräftige Wurzeln, wenn wir der Einfachheit halber nur die jüngere Geschichte betrachten wollen. In den Jahrzehnten danach wurde das Thema (zu Recht) ausgiebig durchdekliniert und gilt heute als weitgehend ausgereizt. Auch wenn noch nicht alles Gold ist, was glänzt.

Trotzdem: Frauen in der Politik – ist dies nicht im Grundsatz zur Selbstverständlichkeit geworden?

So führt denn die Interviewte – wer soll es schon sein, Dorothee Bär von der CSU – ein Spiegelgefecht mit sich selbst und ihren Befindlichkeiten. Eines Moderators als braven Stichwortgeber hätte es nicht bedurft. Ihr Redefluss plätschert wie von selbst im geschäftigen Tonfall dahin, inhaltlich belanglos, im Mittelpunkt die eigene Beschlagenheit.

Dem gebührenfinanzierten Rundfunk ist es eh egal: Dass sich der Hörer anstrengen müsste, wenn er mitfühlen soll, wie Bär ihren freien Sonntagabend gegenüber dem Ortsverband „wahnsinnig verteidigen“ muss, weil „dafür gibt es Montag bis Samstag“.

Wer das Radio inzwischen noch nicht abgedreht hat, dem tischt sie verquaste Schwänke wie diesen auf: „Zumindest wird schon versucht, wenn eine Frau keine Kinder hat, ihr erst mal nahezulegen, dass man sie erst ernst nehmen kann, wenn sie denn welche hat.“ Da bleibt einem nichts anderes übrig, als sich die Frage zu verkneifen: Tja, was kann man noch tun, wenn das auch nichts genutzt hat?

Vielleicht ist es so, dass frau solche Sprüche zu hören bekommt, wenn sich frau zu lange in einem CSU-geprägten Umfeld aufgehalten hat?

Wie dem auch sei, ich habe schließlich geistig nicht nur selbst, sondern auch das Radio physisch abgeschaltet. Den Mitarbeitern beim Deutschlandfunk mag es vielleicht ähnlich ergangen sein, denn zum Schluss haben sie unter das Interview noch hingeschrieben: „Deutschlandfunk Kultur macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.“


Deutschlandfunk Kultur: Dorothee Bär über Frauen in der Politik, 15.08.2017

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