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Meinung

Leserbrief zum Umgang mit dem Fall Hoeneß

Louis Gäßler äußert sich zum Fall Uli Hoeneß. Speziell mit dem Umgang in der Öffentlichkeit und den Medien.
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Symbolfoto: Sven Hoppe/dpa
Symbolfoto: Sven Hoppe/dpa
Dass Uli Hoeneß keine "normale" Person ist und der Aufschrei und das Interesse rund um diesen Prozess riesig sein wird war allen klar. Schon Monate davor wurde diskutiert und nicht nur in Talkshows die verschiedensten Szenarien durchgespielt.

Nun ist das Urteil also gefallen: 3,5 Jahre für ca 28 Mio. hinterzogenen Steuern. Ob dies nun eine gerechte Strafe ist, ob sie zu hoch oder zu niedrig ist, darüber lässt sich streiten. Doch diesen Punkt erachte ich als nicht so wichtig. Es sind zwei Dinge die mich stören:

Erstens der Umgang mit dem Fall in der Öffentlichkeit. Der Fall Ulrich H., wie er offiziell im Gericht heißt, wurde von einem solch gigantischen Medieninteresse begleitet, wie zuvor nur selten ein Prozess in Deutschland. Dies war zu erwarten, schließlich ging es um Uli Hoeneß, einen Mann der es liebte zu polarisieren und der dazu noch im richtigen Verein war, um dies zu tun. Doch es ist die Art der Berichterstattung die mich stört!

Selbst seriöse Medienanstalten sprangen auf den Zug der Hoeneßverurteilung auf und machten daraus ein Spektakel. Immer wieder wurde vor und während des Prozesses ein Urteil ohne Promibonus gefordert. Hoeneß solle wie jeder andere behandelt werden. Doch wer diese Gleichbehandlung erwartet, sollte sie nicht nur bei der Strafe fordern, sondern auch wie der Prozess an sich abläuft. Soll es wie bei einem "normalen" Prozess ablaufen, so darf sich auch nicht die ganzen Medienwelt auf ihn stürzen und ihn vor allem nicht vorverurteilen. Denn dadurch erhöhen sie den Druck auf den Richter enorm! Und ganz schnell kann aus einem Promibonus auch ein Promi Malus werden. Dass also aufgrund des riesigen Medieninteresse ein Exempel statuiert werden soll, wie hart man mit Steuersündern umgeht.

Doch ob nun Promibonus oder Promi Malus, darüber lässt sich streiten. Der zweite Punkt der mich fast noch mehr stört ist die Häme die nun kommt. Der Fall Hoeneß ist spätestens seit der Urteilsverkündung erledigt. Das Urteil wurde vom Richter im Namen des deutschen Volkes verkündet und sollte auch so von der Öffentlichkeit hingenommen werden. Doch nach dem Urteil kam es zur öffentlichen Häme gegenüber Hoeneß und das ist nicht in Ordnungen.

Im Internet wurden beleidigende Witze gerissen und selbst Zeitungen titelten "Der Runde muss in's Eckige". Dies ist für mich absolut inakzeptabel! Das Urteil wurde verkündet, Hoeneß bekommt seine Strafe und damit sollte es das gewesen sein. Doch, dass die Häme über Hoeneß' Gefängnisstrafe so ausartet ist höchst unfair.

Zumal viele sich nur deshalb über die Freiheitsstrafe freuen, weil er für den FC Bayern München steht. Als ob dieses Urteil für Hoeneß und seine Familie noch nicht Strafe genug sei, dass eine ganze Familie, ein ganzes Lebenswerk zerbricht (vielleicht zurecht), muss die Öffentlichkeit noch mit Häme reagieren.

Jeder sollte sich selbst hinterfragen, ob diese Umgangsart in Ordnung ist. Doch meist sind es die selben die sich am "Shitstorm" und der Häme beteiligen und dann bei Fällen wie Robert Enke, der sich umbrachte, weil der Druck zu groß war, erschüttert einen anderen Umgang in der Öffentlichkeit fordern.

Louis Gäßler, Kemmern

Der Leserbrief bezieht sich auf den Artikel:Hoeneß-Prozess sorgt für Gag-Duelle auf Twitter.
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