Coburg

Leerstände in Coburg: Ist nur der Kunde schuld?

Ich bekenne mich schuldig: auch ich gehöre zu denjenigen, die kaum noch etwas in der Coburger Innenstadt einkaufen. Das liegt aber nicht etwa daran, dass ich meine Einkäufe online tätige, sondern daran, dass ich keinen in China gefertigten Plastikschrott für meine Wohnung benötige, die im übrigen se...
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Ich bekenne mich schuldig: auch ich gehöre zu denjenigen, die kaum noch etwas in der Coburger Innenstadt einkaufen. Das liegt aber nicht etwa daran, dass ich meine Einkäufe online tätige, sondern daran, dass ich keinen in China gefertigten Plastikschrott für meine Wohnung benötige, die im übrigen seit Jahrzehnten eingerichtet ist, mein Bedarf an Billigklamotten made in China ebenfalls als gering einzustufen ist und ich keine Lust auf Fastfood habe. Auch brauche ich nicht jede Woche eine neue Brille oder Bettwäsche. Also: was soll ich dann in der Innenstadt? Der Einkauf von Lebensmitteln in der Innenstadt ist schwierig, es gibt kaum noch Bäcker, die handwerklich gefertigte Waren anbieten, auch der Schwund an Metzgern ist beklagenswert und hat dazu geführt, dass ich eben nicht mehr in der Stadt einkaufe. Sind nicht eher die Miethaie daran schuld, die kleinen Einzelhändlern keine Chance lassen, kostendeckend ein Geschäft in Coburg zu betreiben? Warum nicht eine Leerstandssteuer einführen? Vielleicht könnte man dann das Mietniveau auf ein angemessenes Niveau senken. Der Niedergang der Innenstadt begann doch schon vor Jahren, als die WEKA und mit ihr der Lebensmittelmark SPAR verschwand. Klinisch gestaltete Plätze wie der Albertsplatz, die nüchterne Bretterbude am Biergarten des Josias und Lokale, in denen nur noch Burger, Wraps und andere Junkfood angeboten werden, sind auch kein Anreiz, die Innenstadt zu besuchen. Wenigstens haben sich die Stadtoberen noch nicht am Wochenmarkt vergriffen, dem einzigen Ort, wo man in der Innenstadt noch regionale Produkte kaufen kann. Wäre die Markthalle auch gefloppt, wenn man den kleinen Markthändlern günstige Stände in der Markthalle für ihre Oliven, Honig, Brot etc angeboten hätte? Dort hätte man auch einen der "offenen Bücherschränke" integrieren können - der zieht nämlich die Leute an. Wenn man eine Innenstadt mit 08/15-Läden der Filialisten zumüllt, braucht man sich über das Fernbleiben der Leute, die mal durch die Stadt bummeln wollen (und dabei etwas hübsches kaufen) nicht wundern. Und den Tagestourismus aus dem VGN-Bereich nach Coburg zu locken, hat man auch nicht geschafft - schließlich hätte der Beitritt ja Geld gekostet. Da jammert man jetzt lieber und gibt den Kunden die Schuld. Armes Coburg.
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