Bamberg

Roadmap Under The Rainbow, May 17, 2015

Im Gegensatz zu anderen Bundesländern (wie zum Beispiel Rheinland-Pfalz) fehlt in Bayern ein Fahrplan, der konsequent mit Maßnahmen gegen Homophobie und Transphobie vorgeht. Notwendig ist ein Maßnahmenplan, der aus vielen hundert Einzelmaßnahmen für alle gesellschaftlichen Lebensbereiche besteht...
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Im Gegensatz zu anderen Bundesländern (wie zum Beispiel Rheinland-Pfalz) fehlt in Bayern ein Fahrplan, der konsequent mit Maßnahmen gegen Homophobie und Transphobie vorgeht. Notwendig ist ein Maßnahmenplan, der aus vielen hundert Einzelmaßnahmen für alle gesellschaftlichen Lebensbereiche besteht. Das Europäische Parlament fordert seit mehreren Jahren diese Roadmap. Weil sich Akzeptanz nicht verordnen lässt – und darum geht es: selbstverständliche Akzeptanz, nicht oberflächliche Toleranz –, bedarf es eines engagierten Wirkens der gesamten Gesellschaft. Insbesondere muss das Thema Eingang in Schulen und Sportvereine finden.

Zur Diskriminierung gehört sicherlich auch die Behauptung, Homophobie und Transphobie seien in Deutschland Phänomene, die allenfalls noch in extremistischen oder religiösen Spektren vorkämen – oder gar bedauerliche Einzelfälle darstellten. Ansonsten wäre das Phänomen weitgehend überwunden. Doch dies entspricht nicht der Lebenswirklichkeit.

Würde man an Schulen, Altenheimen oder – aktuell – bei den Trägern von Flüchtlingsunterkünften nachfragen, erhielte man nicht selten als Antwort, „das Problem gibt es bei uns nicht“. Das hängt auch zusammen mit dem Unsichtbar-Sein oder Unsichtbar-Werden von Schwulen und Lesben in der Gesellschaft. Das Unsichtbar-Sein dient als Rückzug in den privaten Schutzraum, um sich nicht offenen oder verdeckten Diskriminierungen aussetzen zu müssen. Selbst Vereine, Kneipen und Cafés für Schwule und Lesben, früher in jeder mittelgroßen Kreisstadt zu finden, sind heute von der Bildfläche weitgehend verschwunden. Schuld hat beileibe nicht nur das Internet, denn es ersetzt diese realen Begegnungsstätten nicht, sondern kann sie allenfalls ergänzen.

Wenn in Sonntagsreden Toleranz beschworen wird, dann handelt es sich leider zu oft nur noch um das Abspulen eines lästigen Pflicht- oder – schlimmer noch – Kann-Programms. Denn diejenigen, die diese Reden halten – in der Regel sind es politische Mandatsträger – , gehören meist der Mehrheit jener an, die hinnehmen müssen, dass es Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transsexuelle gibt. Für diese Mehrheit ist das bis zu einer gewissen Grenze in Ordnung, aber nicht weiter.

Auch am 17. Mai 2015 stehen wir vor der Situation, dass es im öffentlichen Leben – wenn überhaupt – nur halbherzige Aufforderungen zu Toleranz, dem bloßen Hinnehmen, gibt. In vielen Städten tut sich gar nichts, von Akzeptanz, also dem Annehmen in der Gesellschaft, ganz zu schweigen. Es fehlt auch in Bayern und Franken, wie schon erwähnt: eine Roadmap gegen Homo- und Transphobie. Und die kann nur mit Hilfe der Mitte der Gesellschaft angegangen werden. Desinteresse und damit Allein-Lassen sind auch eine Art von Diskriminierung, und zwar eine verdeckte. Das macht es so schwierig, sie zu bekämpfen.

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