Bamberg

Regenbögen auf dem flachen Land verpennt

Tausende haben am 17. Mai 2015 deutschlandweit gegen Homophobie und Transphobie mit Straßenfesten, Infoständen und Regenbogenflaggen demonstriert. Die Aktionen fanden zumeist in Großstädten statt, dagegen stieß der Internationale Tag gegen Homophobie auf dem Land nur auf verhaltenes Interesse...
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Tausende haben am 17. Mai 2015 deutschlandweit gegen Homophobie und Transphobie mit Straßenfesten, Infoständen und Regenbogenflaggen demonstriert. Die Aktionen fanden zumeist in Großstädten statt, dagegen stieß der Internationale Tag gegen Homophobie auf dem Land nur auf verhaltenes Interesse. Völlig zu Unrecht, denn gerade hier halten sich in der Bevölkerung hartnäckig Vorurteile, die den Druck auf junge Menschen erhöhen, der Heimat nach der Schule den Rücken zu kehren. Auch so verlieren ländliche Regionen auf Dauer weiterhin dringend benötigte Fachkräfte.

Nur drei Prozent der Bevölkerung, seien schwul oder lesbisch, war an diesem Tag noch eines der harmlosen Vorurteile, das zu hören war. Genaue Erhebungen gibt es zwar nicht, weil sich viele Befragte scheuen, ihre wahre Identität preiszugeben, man darf aber von bis zu 10 Prozent der Bevölkerung ausgehen. „Jeder soll nach seiner Façon selig werden“, meinten andere, die aber ansonsten kein Verständnis für den Tag gegen Homophobie zeigen wollten. Wenn man von diesen Menschen nichts höre und nichts sehe, dann sei es das Beste. Schließlich würden andere Minderheiten auch keinen solchen „Sturm im Wasserglas“ veranstalten.

Die Landbürgermeister, sofern sie diesen Termin nicht verschlafen haben, hatten sich vorsorglich schon mit anderweitigen Verpflichtungen versorgt, seien es Radtouren oder Hilfsdienste anlässlich des ebenfalls am 17. Mai stattfindenden Museumstags gewesen. Völlig verstummt waren die Landräte, die sich in absolut keiner schirmherrschaftlichen Zuständigkeit gesehen haben mögen. Selbst Vertreter jener Parteien, die vor Wahlen regelmäßig um schwul-lesbische Wählerschaft buhlen, hielten sich auffällig zurück oder sonnten sich in Untätigkeit.

Eine der leichtesten Übungen hätte darin bestehen können, wenigstens ein Gebäude im Ort mit der Regenbogenfahne zu beflaggen. Nur, wenn man mangels Voraussicht auf den 17. Mai keine angeschafft hatte, ging das gar nicht. Die Regenbogenflagge ist parteipolitisch neutral und steht als Symbol für gegenseitige Toleranz, Akzeptanz und für Vielfalt in der Gesellschaft. Deshalb wird sie zu schwul-lesbischen Veranstaltungen gerne gehisst. Doch auf dem flachen Land hat sich das offenbar noch nicht herumgesprochen. Genauso wie offenbar kein Bewusstsein dafür vorhanden ist, dass auch hier Schwule und Lesben leben – auch wenn sie sich oft genug nicht zu erkennen geben – nicht zu erkennen geben können. Setzen Sie nächstes Jahr ein Zeichen gegen Intoleranz, Gleichgültigkeit und gegen Homophobie! Der nächste Sturm kommt wieder, spätestens in einem Jahr. Die Klimaveränderung macht‘s möglich.

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