Ebern

Rechtschreibteufel besiegen Burgdämonen

Kennen Sie den Deutschen Burgenwinkel? – Nein. – Das macht nichts. Er liegt nicht am Rhein, sondern in Franken. – Ach was, bei Rothenburg ob der Tauber? – Nein, nein. – Wo denn dann? – Bei Bamberg, genauer die Ecke Altlandkreis Ebern...
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Kennen Sie den Deutschen Burgenwinkel? – Nein. – Das macht nichts. Er liegt nicht am Rhein, sondern in Franken. – Ach was, bei Rothenburg ob der Tauber? – Nein, nein. – Wo denn dann? – Bei Bamberg, genauer die Ecke Altlandkreis Ebern. – Ach was?! Da muss ich mich mal im Internet informieren. – Ja, aber. – Wie, was ja aber? – Jaa, im Internet steht schon was. – Begeistert klingt anders? – Nun ja. Sie dürfen halt nicht so genau hinsehen.

Stopp. Jetzt sehen wir uns den Deutschen Burgenwinkel etwas genauer an. Ende 2009 wurde er als kommunaler Zweckverband gegründet. Die Burgen, Schlösser und Ruinen der Region sollten unter dem Stichwort „lebendiges Mittelalter“ touristisch besser vermarktet werden. Eine gute Idee. Vorläufiger Sitz des Zweckverbandes war Maroldsweisach, später sollte der Sitz nach Ebern umziehen.

Allerdings lehnte der Stadtrat von Ebern in seiner jüngsten Sitzung vom 26.03.2015 die Verlagerung nach Ebern mit zehn zu sieben Stimmen ab. Der Zweckverband bleibt mit seinem Sitz in Maroldsweisach. Daran wäre nichts auszusetzen, eigentlich. Wenn sich eben etwas mehr bewegen würde. Doch ist dies hinreichend der Fall?

Sieht man sich die Internetpräsenz des Deutschen Burgenwinkels an, dann tauchen zumindest gewisse Fragen auf. Allein auf der Startseite (!) finden sich sieben Rechtschreibfehler, pikant zum Beispiel: Burgprepach (anstelle von Burgpreppach), Potentail (Potential), Zweckveband (Zweckverband) und so fort.

Dazu kommen typografische Malaisen (Leerzeichen), stilistische Merkwürdigkeiten und inhaltliche Fragwürdigkeiten. So wird zum Beispiel erklärt, der Landkreis Haßberge gehöre zum Landkreis Haßberge oder „Zerwürfnisse und Intrigen“ hätten für „immer neue Prachtbauten“ gesorgt. Ja, wenn das so einfach möglich wäre, fragt man sich da. Her mit den Intrigen.

Und wenn von „über 20 Burgen, Schlössern und Burgruinen“ die Rede ist, dann mag sich mancher Leser vielleicht fälschlich vorstellen, 20 Burgen besichtigen zu dürfen. Doch tatsächlich kann er sich nur an einer halben Burg ergötzen, nämlich am erhaltenen Lichtensteiner Nordflügel, und das nur äußerlich. Zählt man Schloss Bettenburg als Burg hinzu, dann wären es immerhin schon eineinhalb Burgen. Zu allem Überfluss haben die Macher der Website noch Gefallen daran gefunden, ein weiß-blaues Bayern-Logo anstelle des fränkischen Rechens zu verwenden.

Schauen wir nach, wie erfolgreich ein zweites Vermarktungsinstrument des Deutschen Burgenwinkels ist: die App „Burgdämonen“ für Smartphones. Sie ist seit Juli 2014 im Google Play Store und im iTunes Store erhältlich. Gerade mal 100 Downloads zeigt Google bisher an. iTunes schweigt sich dazu aus, doch weil es mehr Android-Geräte als iPhones gibt, dürfte die Zahl der Downloads hier vermutlich noch geringer sein.

Nun, es mag einerlei sein, ob der Deutsche Burgenwinkel seine Geschäftsstelle in Maroldsweisach oder Ebern betreibt. Dennoch: am Burgenwinkel muss gefeilt werden, um dem müden Tourismus auf die Beine zu helfen. Einfacher wäre es wohl in Ebern, denn der Vorsitzende des Zweckverbandes ist inzwischen: der Eberner Bürgermeister.
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