Fabrikschleichach
Leserbrief

Leserbrief: der Garten Eden im Steigerwald

Unsere Leserin Ellen Schindler äußert sich zum Thema Naturpark Steigerwald. Sie findet: Unberührte Natur ist eine Illusion.
Artikel drucken Artikel einbetten
Foto: Ronald Rinklef
Foto: Ronald Rinklef
Da, wo wir Menschen sind, ist immer Garten/Kulturraum. Und der Mensch ist nun mal überall. Unberührte Natur ist eine Illusion.

Denken wir an die größte Fläche auf unserem Planeten, die Meere, die mit Plastik durchseucht sind. Denken wir an die Winde, die unsere zivilisatorischen Ausdünstungen und Strahlen überall hin tragen.
Die "Natur" ist nirgendwo sich selbst überlassen, mit Adam und Eva hat das aufgehört und das sollten wir akzeptieren.

Es ist wichtig Lebensräume zu schaffen, in die der Mensch nicht direkt eingreift, um zu bewahren, zu beobachten und zu lernen. Zu lernen wie wir die Ressourcen dieser Erde nutzen können, ohne sie zu zerstören.
Ja nutzen ! Wir müssen die Ressourcen unserer Erde nutzen, das steht außer Frage. Holz ist eine dieser Ressourcen wie Erdöl, Coltan etc. alles Dinge, die wir täglich gebrauchen.
Auch die Naturvölker nutzen ihre Erde, nur gibt es von denen leider nicht mehr so viele. Dafür gibt es 72 Milliarden Menschen ( jährlich kommen 78 Mio dazu), die von dieser Erde leben wollen. Und wir gehören zu der Minderheit, der es richtig gut geht.

Wie wir die Erde nutzen, das liegt in unserer Hand. Wie wir sie ausgenutzt haben ist offenbar.
Da haben die Umweltschutzorganisationen in den letzten Jahrzehnten großes geleistet. Sie haben bei den Menschen Bewusstsein für die Schönheit und Fragilität unserer Erde geschaffen, indem Missbrauch und Zerstörung aufgedeckt und angeprangert haben.

Hier im Steigerwald ist die Situation eine andere. Bei dem zur Diskussion stehenden Gebiet handelt es sich um ein gesundes Habitat. Die größte Umweltsünde in diesem Zusammenhang ist für mich das voraussichtlich wirtschaftlich desaströse Projekt : Baumwipfelpfad. Aber das steht leider nicht zur Diskussion. Ansonsten wird in diesem Gebiet genützt und geschützt. Gerade in dem zur Diskussion stehenden Gebiet gibt es das Trittsteinkonzept, das in einzigartiger Weise unser Interesse an Holz für Möbel, Bau und Ofen mit dem Bewahren von des Waldes Schönheit und den ökologischen Voraussetzungen für die Biodiversität , sprich Biotopbäumen, Totholz, Biosphärenreservate vereint. Das Trittsteinkonzept ist zukunftweisend. Dazu haben die Naturschutzverbände sicher auch ihren Beitrag geleistet, denn unter dem Druck der Nationalparkdiskussion wurde dieses Konzept ausgeweitet und intensiviert.
Ist das nicht wunderbar !

Und genau das, was die Naturschutzverbände wollen, hoffe ich. Es geht doch um die Sache und nicht darum zu gewinnen. Die Sache ist, nicht nur im Steigerwald sondern in der ganzen Welt, so feinfühlig und achtsam mit der Ressource Holz umzugehen, dass wir, insbesondere wir Ökos, weiterhin in unseren Vollholzmöbeln leben können, die lokalen holzverarbeitenden Betriebe überleben und die Nachhaltigkeit und Artenvielfalt gewahrt bleibt.

Ein Nationalpark ist ein Instrument, kein Ziel. Und das Ziel ist in diesem Gebiet mit dem Trittsteinkonzept erreicht. Ein Konzept, das exportfähig ist und tatsächlich international bei Forstwissenschaftlern und Biologen Interesse gefunden hat. Auch das sollte für die Naturschutzverbände von Interesse sein.
Mein Vorschlag, da wir jetzt einen Verein dafür und einen Verein dagegen haben:
Die gewählten Vertreter dieser Vereine setzen sich an einen Tisch mit den Vertretern der bay. Staatsforsten, die dieses Gebiet in unserem Namen verwalten und den gewählten Vertretern der betroffenen Gemeinden, sprich den Bürgermeistern und Gemeinderäten.

Ich fordere euch auf : Informiert euch, definiert eure Ziele (wahrscheinlich sind wir alle inhaltlich gar nicht so weit voneinander entfernt), sprecht miteinander, hört einander zu und findet eine sachlich angemessene Lösung. Das sollte doch möglich sein.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren