Ebern

Kostenflut im Hallenbad: Nicht nass machen lassen!

Die Zeitungen hatten über das Thema Hallenbad Ebern immer wieder ausführlich berichtet. Liest man sich die Artikel nochmals gründlich durch, kann man durchaus den Eindruck gewinnen, der Landkreis mit der Kreisstadt Haßfurt hat sich abermals nicht wirklich mit Ruhm bekleckert...
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Die Zeitungen hatten über das Thema Hallenbad Ebern immer wieder ausführlich berichtet. Liest man sich die Artikel nochmals gründlich durch, kann man durchaus den Eindruck gewinnen, der Landkreis mit der Kreisstadt Haßfurt hat sich abermals nicht wirklich mit Ruhm bekleckert.

Ursprünglich sollte die Stadt Ebern 500.000 Euro Investitionskosten für das neue Hallenbad des Landkreises in Ebern draufzahlen, dann 1,1 Millionen Euro, am 8. August war gar von 2 Millionen Euro die Rede, Ende August 2013 rechnete man wieder mit 1,5 Millionen Euro, Mitte September 2013 waren es bereits wieder 1,9 Millionen Euro.

15 Prozent der Baukosten müsse die Stadt Ebern übernehmen. 15 Prozent deshalb, weil die Planungen davon ausgingen, das Hallenbad würde neben der schulischen Hauptnutzung noch zu 15 Prozent für die öffentliche Nutzung zur Verfügung stehen.
Zudem muss Ebern noch anteilig Kosten für die schulische Nutzung durch die Mittel- und die Grundschule aufbringen. In der Summe solle dies dann 1,9 Millionen Euro Kosten für die Stadt ausmachen.

Weiteres „Knallbonbon“ für Ebern: die Stadt soll 60 Prozent der jährlichen Betriebskosten übernehmen, der Rest trägt „großzügigerweise“ der Landkreis – als Eigner des neuen „Kreis“-Hallenbades.

Wie viel soll das Hallenbad eigentlich kosten dürfen?

Zum Stand 30.07.2013 ging man von 5,5 Millionen Euro für das neue Hallenbad aus, zwischenzeitlich sollen die Baukosten auch schon mal 5,6 Millionen betragen haben. Und ganz am Anfang sollte das Bad nicht mehr als fünf Millionen Euro kosten.
Wie teuer das Hallenbad in der Gesamtsumme werden wird, ist momentan der Öffentlichkeit nicht bekannt. Jedenfalls erheblich teurer als geplant.

Man wird kein Prophet sein müssen, um festzustellen: mit diesen Summen ist die Stadt Ebern überfordert, zumal die Stadt bereits Träger des großstädtisch dimensionierten Freibades am Losberg ist.

Aber wie kam denn Ebern jetzt in diese missliche Lage? Das alte kreiseigene Hallenbad war sozusagen „über Nacht“ baufällig geworden. Der Landkreis „Hassberge“ hatte als alleiniger Eigner schlicht "übersehen", regelmäßig die Tragfähigkeit der Deckenkonstruktion zu überprüfen. Zufällig hatte man dann beim Auswechseln der Fenster entdeckt, dass die Decke einsturzgefährdet ist. Für Landrat Rudolf Handwerker (CSU) keine Frage: das Hallenbad muss abgerissen werden und ein neues her. Gesagt, und nach einem Jahr getan – zumindest das mit dem Abriss. Ein Neubau käme schließlich günstiger als die Sanierung des alten Bades – günstiger zumindest für den Landkreis, für die Stadt Ebern wohl eher nicht.

Die öffentliche Ausschreibung fürs neue Eberner Hallenbad gewann dann ein Ingenieurbüro aus: Haßfurt! Doch obwohl die Kosten „im Auge behalten“ werden sollten, laufen jetzt offenbar die Kosten davon. Der designierte neue Landrat, Bernhard Ruß (SPD), hatte frühzeitig darauf hingewiesen, dass solche Zweckbäder – vorrangig für den Schulunterricht – maßfertig „von der Stange“ zu haben seien.

Ein aktueller Leser-Kommentar auf infranken.de lässt diesbezüglich nicht nur mich aufhorchen: Ein Ingenieurbüro aus Ibbenbüren hat 2007 im münsterländischen Vreden (22.000 Einwohner) ein Kompaktbad für 3 Millionen Euro erstellt. Dabei handelt es sich um ein modular konzipiertes „sport- und familienorientiertes“ Hallenbad, komplett mit 25-Meter-Becken, Planschbecken und allem Drum und Dran, inklusive Kassenautomat, Dämmung und niedrigen Betriebskosten. Eine spätere Erweiterung ist zudem durch die modulare Bauweise jederzeit möglich. Die Website des Hallenbades im oberbayerischen Ascholding stellt dieses modulare Konzept kurz vor: www.hallenbad-ascholding.de/?page_id=247

Nun, das wäre so ein Bad „von der Stange“ gewesen – preisgünstig und für den schwimmerischen Bedarf in Ebern wie gemacht, und das noch zum Discountpreis – all inclusive.

Der Eberner Bürgermeister hatte kürzlich im Fränkischen Tag die Frage gestellt: Wollen wir die öffentliche Nutzung oder „ned“? – Und damit hatte er die Frage gemeint: Kostenbeteiligung der Stadt Ebern Ja oder Nein?

Die Frage dürfte angesichts der Faktenlage schon eher als rhetorische Frage zu verstehen sein. Nein – nicht unter diesen ungünstigen Bedingungen, mag sich mancher schon überlegt haben. Der Landkreis „Hassberge“ hat sich trotz aller Langsamkeit, die er bei der Hallenbad-Frage an den Tag gelegt hat, womöglich verirrt. Ebern 2 Millionen Euro aufbürden zu wollen, das dürfte für die Stadt kaum zu schultern sein. Anstelle eines kostengünstigen, konfektionierten Kompaktbades laufen jetzt die Kosten für ein Individualbad davon. Interpretiert man die Frage des Eberner Bürgermeisters richtig, dann bestünde wohl noch die Möglichkeit, aus dieser Kostenbeteiligung gänzlich auszusteigen.

Der Landkreis „Hassberge“ muss die Suppe, die er Ebern eingebrockt hat, allein auslöffeln. Wenn es stimmt, dass das Bad bereits für eine öffentliche Nutzung mitgeplant worden ist, dann umso besser. Ebern hat jetzt die stärkere Verhandlungsposition. Jetzt muss nur noch der Bürgermeister stark sein. Ach ja, die sofortige EBN-Freigabe kann als Forderung gleich noch mit dranhängen.
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