Ebern

Interview mit einem Landrat

Helmwill Scheinda, der Landrat des Kreises Ostunterfranken im aktuellen Interview. Lesen Sie hier, welche Antworten er nie gegeben hat. Sie sind nun 100 Tage neu im Amt. Was haben Sie bisher schon bewirken können? Landrat: Eigentlich noch nichts...
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Helmwill Scheinda, der Landrat des Kreises Ostunterfranken im aktuellen Interview. Lesen Sie hier, welche Antworten er nie gegeben hat.

Sie sind nun 100 Tage neu im Amt. Was haben Sie bisher schon bewirken können?

Landrat: Eigentlich noch nichts.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihrem Vorgänger? Mischt er sich in Ihre Entscheidungen ein?

Landrat: Nein, das braucht er gar nicht. Er hat mich ja als seinen Nachfolger ausgesucht, da weiß er, was er hat. Außerdem telefonieren wir jeden Tag miteinander.

Wie wollen Sie den Landkreis fördern?

Landrat: Bisher habe ich nicht den Eindruck, dass die Regierung an den Landkreis Ostunterfranken denkt. Aber wir können ja dort noch einmal nachfragen, vielleicht eine E-Mail schreiben oder so.

Wie bewerten Sie den Bevölkerungsrückgang im Landkreis Ostunterfranken?

Landrat: Das kann man noch nicht sagen, ob ein Bevölkerungsrückgang die Lösung ist. Es wird halt weniger Einwohner geben. Zunächst besteht überhaupt keine Gefahr. Der Landkreis ist sicher, das ist sicher das Wichtigste. Man kann natürlich überlegen, wie man das abfedern kann. Aber bis dahin haben wir noch genügend Zeit.

Thema Krankenhäuser – Sehen Sie eine Zukunft für die drei Kliniken?

Landrat: Welche drei Kliniken? – Sie meinen die Ostunterfranken-Klinik. Ja, das ist schon viel, eine Klinik mit zwei Außenstellen. Aber ich kann Sie beruhigen, es hat sich noch niemand konkrete Gedanken über eine Auflösung der Außenstellen gemacht. Die Zahlen müssen halt stimmen.

Die Verluste schreibt die Klinik in der Kreisstadt, in Hofheim gibt es leichte Gewinne und in Ebern schreibt man eine schwarze Null.

Landrat: Wenn Sie das sagen.

Wie wollen Sie vorgehen, um die Defizite aufzufangen?

Landrat: Vielleicht wird man jedes zweite und dritte Bett abbauen müssen.

Das bedeutet?

Landrat: Das kann man noch nicht sagen. Wahrscheinlich so wie beim Ringelspiel. Man zählt ab: Erstens Hassfurt, zweitens Hofheim, drittens Ebern – erstens Hassfurt, zweitens Hofheim, drittens Ebern und so weiter.

Dann würde es in Ebern und Hofheim keine Krankenhäuser mehr geben?


Landrat: Das kann man noch nicht sagen. Wir haben schon vor, alle zu erhalten. Man kann natürlich in einer Klinik, die Defizite macht, keine Betten abbauen. Das würde sonst noch weniger Einnahmen bedeuten. Betten kann man nur in gewinnbringenden Häusern reduzieren. Es muss sich aber deswegen niemand beunruhigen. Es ist kein Problem vorhanden. Wir arbeiten daran.

Wie stehen Sie zum Thema Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs?

Landrat: Das kann man noch nicht sagen. Da gibt es Befürworter und Gegner. Die Gegner haben jetzt ein „Trittsteinkonzept“ vorgelegt. Wir wollen den öffentlichen Nahverkehr nicht gegen die Menschen weiterentwickeln. Wir wollen die Gruppierungen an einen Tisch bringen. Wenn wir nicht einmal hier eine Lösung finden können, wie sollen wir dann den Nahost-Konflikt lösen?

Man hört immer wieder Stimmen, die von einem gespaltenen Landkreis sprechen.

Landrat: Ich höre solche Stimmen nicht. Nein, nein, der Landkreis ist nicht gespalten. Wir haben nun mal die Hassberge, das Maintal und den Steigerwald. Die Hassberge stehen für den Teilkreis Ebern, das Maintal für den Teilkreis Hassfurt und der Steigerwald für den Teilkreis Hofheim. Alle drei bilden eine harmonische Einheit.

Mit Verlaub, weder liegt Ebern in den Hassbergen noch Hofheim im Steigerwald.

Landrat: Da können Sie sehen, wie wenig ein Blatt Papier zwischen mir und meinem Vorgänger passt. Mein Vorgänger hat zusammen mit den Damen der PR-Abteilung diese schöne Formel „Hassberge – Maintal – Steigerwald“ ersonnen. Ich sehe keinen Grund, daran etwas zu ändern.

Welches Kennzeichen wird Ihr Dienstwagen haben?

Landrat: Das kann man schon sicher sagen. Ich denke, dass es für die Menschen im Landkreis am besten ist, wenn es ein Hassfurter Kennzeichen ist.

Herr Landrat, wir danken Ihnen für das satirische Gespräch.

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