Ebern

Die KVB braucht politischen Druck

Was tun, um die bereitschaftsärztliche Versorgung im Raum Ebern zu sichern? Zweifelsohne muss der politische Druck auf die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) erhöht werden. Die KVB ist nach dem Sozialgesetzbuch verpflichtet, die ambulante ärztliche Versorgung in den praxisfreien Zeiten zu sic...
Artikel drucken Artikel einbetten
Foto: EPINO-Ebern
Was tun, um die bereitschaftsärztliche Versorgung im Raum Ebern zu sichern? Zweifelsohne muss der politische Druck auf die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) erhöht werden. Die KVB ist nach dem Sozialgesetzbuch verpflichtet, die ambulante ärztliche Versorgung in den praxisfreien Zeiten zu sichern. Dass dieser Auftrag mit der Reform des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes in Zukunft gefährdet ist, sehen nicht nur die Bürgerinnen und Bürger im Raum Ebern so.

Hausaufgaben: mangelhaft

„Die niedergelassenen Ärzte erledigen ihre Hausaufgaben nur mangelhaft“, kritisierte Dr. Josef Düllings, Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands, in diesem Zusammenhang in der Ärztezeitung vom 13.11.2015. „Wenn die Hauptlast bei den Kliniken liegt und die Patienten mit den Füßen abstimmen, muss die Sicherstellung auch bei den Kliniken liegen.“ Weiter schreibt die Ärztezeitung: „Die niedergelassenen Ärzte hätten de jure den Hut auf, aber de facto leisteten die Kliniken den Notdienst.“

Soll der Raum Ebern nicht von der bereitschaftsärztlichen Versorgung abgeschnitten werden, muss der politische Druck der Basis entspringen, also aus der Bevölkerung kommen und sich über die Lokalpolitik hin zur Landes- und Bundespolitik fortsetzen. Wobei Landes- und Bundespolitiker dem Ansinnen zur Einbeziehung der Krankenhäuser in den Notfall- oder Bereitschaftsdienst, wie ihn die KVB nennt, gar nicht abgeneigt sind.

Räumliche Erreichbarkeit vom Tisch gefegt

Doch die KVB zeigt sich mit ihrer Brachial-Reform uneinsichtig und stellt mit ihrem Reformvorhaben ganze Landstriche und sozial Bedürftige vor kaum zu überwindende Barrieren. Punktuell im Land verteilte Bereitschaftspraxen sollen die bisher flächendeckende Versorgungsdichte ablösen. Die räumliche Erreichbarkeit der Bereitschaftspraxen wurde einfach vom Tisch gefegt. Dabei geht die KVB mit ihrer Reform nicht ungeschickt vor. Sie lässt sich viel Zeit und setzt ihre Reformen nicht etwa landesweit synchron um, sondern knöpft sich mit viel zeitlichem Abstand eine Region nach der anderen vor. So können kaum landesweite Proteste entstehen.

Ein Fehler wäre es, der KVB jetzt nichts entgegenzusetzen

Eine Resolution des Stadtrates, aber auch der Gemeinderäte anderer betroffenen Gemeinden und eine Petition, das Engagement von Landtags- und Bundestagsabgeordneten sind unverzichtbarer Bestandteil, die Reform des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes sozial auszugestalten.

Die Organisation des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes darf sich grundsätzlich nicht überwiegend daran bemessen, wie oft ein Arzt zum Dienst herangezogen wird oder ob sich Hausärzte im ländlichen Raum niederlassen möchten. Die Gesundheit von Menschen eignet sich eben nicht als Spielball persönlicher Interessen. Zur Steuerung der Niederlassung gibt es eine Reihe anderer politischer und gesetzgeberischer Instrumente.

Zum Beispiel hat das Bayerische Gesundheitsministerium ein Förderprogramm aufgelegt, das die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum verbessern soll. „Dafür standen in den vergangenen drei Jahren insgesamt 15,5 Millionen Euro zur Verfügung, im Doppelhaushalt 2015/2016 sind 11,7 Millionen Euro vorgesehen“, heißt es auf der Internetpräsenz des Ministeriums. Zudem fördert das Haus bereits die Niederlassung von Hausärzten mit einer „Anschubfinanzierung von bis zu 60.000 Euro“.

KVB im Interessenkonflikt

Die KVB – Interessenvertretung der niedergelassenen Ärzte und Hüter der ambulanten ärztlichen Versorgung – aus diesem Konstrukt kann allzu leicht ein Interessenkonflikt mit sich selbst resultieren. Im Zweifel können dann schon mal Arztinteressen zu Patienteninteressen umgedeutet werden. Doch so billig ist die Reform nicht zu haben.

Füllpraxen in Randgebieten müssen her. Das Angebot, Notfallambulanzen der Krankenhäuser in den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst mit einzubeziehen, hatte die KVB bisher immer abgelehnt. Aus der Befürchtung heraus, selbst finanziell zu kurz zu kommen. Nun ist bei der KVB Umdenken das Gebot der Stunde. Aber ohne politischen Druck wird das wohl nicht funktionieren. Also müssen wir „drücken“, und zwar alle, und recht fest!


ÄrzteZeitung, 13.11.2015

Bayerisches Gesundheitsministerium, Pressemitteilung, 4.11.2015
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren