Ebern

Aus aktuellem Anlass: Der Kreisheimatforscher berichtet, wertvolle Urkunden in Untermerzbach gefunden

Viele ahnten es, jetzt ist es wissenschaftlich bewiesen: Den Unterschied zwischen Ebernern und Haßfurtern gab es schon im Mittelalter. Wie diese Zeitung erst jetzt erfuhr, wurden bei jüngsten Renovierungsarbeiten im Untermerzbacher Schlosskeller wertvolle mittelalterliche Urkunden gefun...
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Foto: MasterX
Viele ahnten es, jetzt ist es wissenschaftlich bewiesen: Den Unterschied zwischen Ebernern und Haßfurtern gab es schon im Mittelalter.

Wie diese Zeitung erst jetzt erfuhr, wurden bei jüngsten Renovierungsarbeiten im Untermerzbacher Schlosskeller wertvolle mittelalterliche Urkunden gefunden. Walther von Reckelsdorf hatte das damalige Zeitgeschehen akribisch niedergeschrieben.

So lässt uns der Chronist Walther im 14. Jahrhundert wissen, dass sich das Volk aus dem Landgericht Haßfurt (älterer Ordnung) nicht übers Gebürg nach Osten trauet, das Tageslicht scheut und der Arbeit nicht sonderlich gesonnen sei. Das Völkchen sei der Himmelsmechanik vollkommen unkundig und verwechsele insbesondere Mitternacht (Norden) mit dem Lande der Morgenröte (Osten) – ein Umstand, der sich bis heute erhalten hat.

Die schwierig zu entziffernden Pergamente enthielten nach Angaben von Kreisheimatforscher Raginwald Blaschke-Brümmer weitere Perlen wie die Bemerkung, „dem gemeinen Haßfurter fließet starck der Schweiß beim Mahle und er frieret schauerlich bei der Arbeit“.

Seinen Lebensunterhalt bestreite er vorzüglich mittels hartnäckiger Bettelei oder indem er von seinem allergnädigsten, durchlauchtigsten, hochwürdigsten Herrn Fürstbischof vehement die Bekleidung eines Amtes einfordere, obwohl es im würzburgischen Amtsstädtelein notorisch an Amtsstuben seiner Durchlaucht, des hochwürdigsten Herrn Fürstbischofs, mangele. Auch Aufgaben, die von ihm fleißigst und gewissenhaftigst erledigt werden könnten, wüsste seine Durchlaucht nicht zu erschaffen.

Dem Gesange sei er gar gänzlich abgeneigt. Noch heute weigern sich übrigens die Haßfurter standhaft, das Heimatlied vom Baunach- und Itzgrund mitzusingen, weil es ihnen zu lang vorkommt und sie sich den (eigentlich kurzen und eingängigen) Text vorschützlich nicht merken könnten.

Anno 1379 begab es sich, dass sich der Haßfurter Bader (Medicus) in die Stadtmauern von Ebern einschlich, um die damals vier Eberner Bader zum Müßiggang anzustiften. Gemein mit ihm hätten diese des süßen Lasters frönen sollen. Den Ratsherren missfiel jedoch derartige Untugend und so erbaten sie sich beim hochwürdigsten Herrn Fürstbischof zu Wirtzburg weisen Rat. Der hohe Herr witterte sogleich den Teufel im Spiel und trug dem Kurier auf, der Oberschmied zu Ebern solle die Esse anschüren, um die Eisen für die peinliche Befragung zu richten. Am Ende waren alle fünf Gesellen geständig, vermerkte der Chronist.

Offenbar scheint es sich bei den gefundenen Dokumenten wirklich um Originale zu handeln. Denn die Hubbelberge zwischen Ebern und Haßfurt bilden in der Tat eine natürliche Grenze zwischen West und Ost. Befestigt mit zahlreichen Burgen, sollte das Eindringen der Haßfurter Ackerbürger ins Eberner Land verhindert werden. Zudem schickte der Graf von Rottenhan, so Walther von Reckelsdorf, seine Kampfknechte an die westliche Landesgrenze, um das „Bunaha- und Itzeland“ (Baunach- und Itzgrund) vor Räubern und Plünderern aus dem „Hasagowe“ (Haßgau) zu schützen.

Wie Kreisheimatforscher Raginwald Blaschke-Brümmer weiter mitteilt, leitet sich der Name „Haßgau“ aus den Wörtern „Hase“ und „Gauner“ ab, bedeutet also „der Ort, an dem Hasen ergaunert werden“. Der Name der Siedlung Haßfurt hieße so viel wie: „Kommst du an diesen Ort, ist dein Hase fort“. Womit nicht unbedingt nur die Gattin gemeint sei, sondern auch Wertsachen.

Aber die Zeit blieb nicht stehen. Mit der Gebietsreform 1972 gelang es den Haßfurtern erstmals, ihre engen Grenzen zu überwinden und den Horizont zu erweitern. Seitdem versucht man in Ebern, die Haßfurter am Glanze eigener Weltläufigkeit teilhaben zu lassen. Weil das trotz mutmaßlich größtmöglicher Haßfurter Anstrengung nicht oft gelingt, muss Ebern immer wieder Solidaritätsbeiträge in Form von Amtsposten abtreten, um für das Überleben der Ortschaft Haßfurt zu sorgen.

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